Warum ich niemals Merch einer Band tragen würde, die ich nicht höre


Man könnte es als die Gretchenfrage unserer „Szene“ bezeichnen: Ist es legitim, das Shirt einer Band zu tragen, die man gar nicht kennt, mag oder hört? Vor allem in der heutigen Zeit, in der auch H&M Nirvana Merch und Ramones Shirts verkauft, häufen sich in Online-Foren Hasstiraden gegen Menschen (vornehmlich Mädchen…), die, auf ihr Shirt angesprochen, erstmal fragend die Stirn runzeln. „Ich dachte – Guns N‘ Roses wär ne Marke…“

Merch – doch nur ein „Stück Stoff“?

Würde ich jemals das Shirt einer Band tragen, die ich nicht kenne, geschweige denn mag? NEIN. Niemals. Für mich würde sich das anfühlen wie das Wahlprogramm einer fremden Partei zu predigen, in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Denn nichts Anderes tut doch Merch: Zusammen mit jedem Song, jeder Songzeile und jedem Auftritt drückt es die „Attitude“ einer Band aus (ein „Dankeschön“ geht raus an Heidi Klum, die dieses Wort salonfähig gemacht hat). Und indem ich Merch trage, verbreite ich diese Botschaft – quasi wie eine moderne, gut angezogene Version der Jünger Jesu.

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Ich möchte nicht unwissend mit Aussagen assoziiert werden, hinter denen ich vielleicht gar nicht stehen würde. Verurteile ich deshalb Menschen, die Being As An Ocean Merch tragen, einfach nur weil sie die schönsten Shirts der Welt haben? NEIN. Vielleicht verbindet die Person viel mehr mit der Band als die Diskographie und Live-Shows. Vielleicht hat sie das Shirt von einem Freund geschenkt bekommen, vom verstorbenen Vater geerbt oder auf einem Flohmarkt gekauft. In jedem Fall gibt es nichts Schlimmeres als Fans, die sich überlegen fühlen und Andere wie „Fans zweiter Klasse“ behandeln. Denn auch wenn es schwer vorstellbar ist: Es gibt Menschen, die „Musikhören“ in ihrem Lebenslauf als „Hobby“ auflisten, für die ein Bandshirt nur ein Stück Stoff ist – für Andere gehört Musik zum Leben wie Atmen und Bands sind die Sauerstoffmoleküle. Anstatt Andere runterzumachen: Freu dich einfach, dass du zur zweiten Gruppe gehörst.

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