3 Länder – 7 Shows: Mimi Darko Auf Der Tour Of The Year (Gastbeitrag)


Vor etwas mehr als einer Woche ging in Oberhausen die Tour Of The Year 2016 zu Ende. Falls ihr bei einem der Dates dabei wart und Zeuge sein durftet, wie Parkway Drive, Architects und Thy Art Is Murder eine Halle nach der anderen abgerissen haben, dann habt ihr vielleicht auch sie gesehen: MIMI DARKO. Sie ist schon lange bekennender Fan von gleich allen drei Acts und hat es sich deshalb nicht nehmen lassen, gleich 7 Shows der Tour zu besuchen. Immer mit dabei: ihre Kamera.


Es gibt Bands, von denen man nie genug bekommen kann, die man immer wieder gerne live sieht und auf die man sich einfach jedes Mal aufs Neue freut. Seit 2008 sehe ich Parkway Drive regelmäßig live, angefangen mit wirklich kleinen Club Shows, bei denen man gerade mal 15an der Abendkasse gezahlt hat (damals sogar mit Suicide Silence zusammen), auf mittelgroßen bis großen Festivals und in Jahr für Jahr immer größer werdenden Konzerthallen. Nach dem Release von IRE war die Fangemeinde ein wenig zwiegespalten: Parkway Drive zeigen sich mit ihrer fünften LP erstmals ungewohnt experimentierfreudig und entfernen sich vom gewohnten Sound der vergangenen Platten. Dazu ein erblondeter Winston McCall, der nicht bei allen Fans optisch punkten kann.

Und auch ansonsten konnte sich das Line-Up der diesjährigen “Tour Of The Year” mit Thy Art Is Murder und Architects sehen lassen und man konnte kaum erwarten, dass es endlich so weit ist. Bei der Planung, welche Konzerte ich im Rahmen der Tour besuchen möchte, haben sich immer mehr eingeschlichen, weil ich einfach alle, die ich nur irgendwie mitnehmen konnte, auch mitnehmen wollte. Angefangen mit Berlin, gab es für mich danach gleich zweimal drei Shows in Folge: Hamburg, Köln und Leipzig – und die letzten drei Shows nach den UK Shows: Brüssel, Tilburg und Oberhausen.

Thy Is Art Is Murder Tour Of The Year 2016

Kurz nach Weihnachten, als bekannt wurde, dass CJ McMahon Thy Art Is Murder verlassen würde, war die Verwirrung groß, wer ihn auf der Tour vertreten wird und ob derjenige auch danach in seine Fußstapfen treten wird. Kurze Zeit später wurde niemand geringeres als Nick Arthur, der Shouter der amerikanischen Deathcore-Band Molotov Solution, als Ersatz bekannt gegeben. Ein grandioser Vocalist, der gesangstechnisch CJ in nichts nach steht, aber ob er auch dessen Unterhaltungstalent besitzt?

Auf meinem ersten Stopp in Berlin ist mir aufgefallen, dass Nicks Stimme zwar gewaltige Power hat, er jedochThy Is Art Is Murder Tour Of The Year 2016 im Gegensatz zu CJ wenig mit der Crowd interagiert und der gewohnte Witz der australischen Band fehlte. Man sah ihm seine Nervosität an und merkte auch einige Unsicherheiten, was die Lyrics anging. Dies sollte sich aber im Verlauf der Tour um einiges verbessern, gegen Ende fällt es ihm um einiges einfacher, das Publikum mitzureißen und auch den ein oder anderen Witz zu reißen.

Thy Art eröffneten die Shows kraftvoll mit “Absolute Genocide” und spielten nicht nur Werke von ihrem aktuellen Album HOLY WAR, sondern gaben auch 3 Songs von ihrer Vorgängerplatte “Hate” zum Besten. Höhepunkt für mich und auch für viele andere war “The Purest Strain Of Hate”. Den Abschluss machte “Holy War” und man merkte, dass das Publikum bereits sichtlich besser drauf war als zu Beginn. Nick Arthur könnte sogar optisch als ein jüngerer CJ durchgehen, seine Mimik und Gestik erinnern teilweise an seinen Vorgänger, seine Shouts sind um einiges verständlicher und mit jeder Show wurde er sicherer und man merkte, dass er sich mittlerweile wohl in seiner neuen Rolle fühlt.

Nach der Oberhausen Show konnte ich mich kurz mit ihm unterhalten. Meine Frage, ob er auch in Zukunft bei Thy Art Is Murder bleibt, durfte er mir noch nicht beantworten, aber er bedankte sich für meine Komplimente und wer weiß, vielleicht sehen wir ihn schon im Sommer auf den großen Festivals wieder, ich jedenfalls würde es mir wünschen!

Setlist Thy Art Is Murder (ohne Gewähr):

Absolute Genocide
Coffin Dragger
The Purest Strain Of Hate
Shadow Of Eternal Sin
Reign Of The Darkness
Light Bearer
Holy War

Architects Tour Of The Year 2016

Weiter ging es mit dem Set von Architects. Sam Carter hatte über das komplette Set hinweg eine wahnsinnige Energie und Präsenz, mit der er das Publikum von Anfang an in seinen Bahn gezogen hat. Eindrucksvoll startete die Band aus Brighton, England mit “Gravedigger” und hielt die Stimmung der Leute auch mit den nächsten Songs. Carter sprach viel direkt zum Publikum, er konnte den Fans nicht oft genug für den Architects Tour Of The Year 2016jahrelangen Support danken und war überwältigt von der Tatsache, dass die meisten im Raum Architects bereits vorher live gesehen hat. Auch dankte er den Jungs von Sea Shepherd, mit denen er eng zusammen arbeitet und die auf der ganzen Tour mit einem Merch-Stand vertreten waren. Die Band, die bekannt für ihre anspruchsvollen Lyrics ist, die oft auch politische und gesellschaftskritische Themen behandeln, setzen ein Statement mit den “Sea Shepherd” Bannern, die die eigenen Verstärker schmückten.

Beeindruckend ist der schnelle Wechsel von aggressiven Shouts zu sauberem Clean-Gesang, ohne dass Sam Carter auch nur ein bisschen seiner Stimmkraft einbüßen muss. Seine Stimme kam vor allem bei “Colony Collapse” wunderbar zur Geltung, da diese einen wunderbaren Kontrast zu den ruhigeren Instrumentalparts bildete. Mit “Castles In The Air” gab es einen magischen Moment, die Fans wurden dazu aufgerufen, das hier und jetzt zu genießen. Sam erzählte, dass er in schweren Zeiten gelernt hat, dass man weder die Vergangenheit noch die Zukunft beeinflussen kann, und der Moment alleine zähle.

Das Set wurde abgerundet mit den kraftvollen Songs “Naysayer” und “These Colors Don’t Run”, bei denen niemand in den Hallen mehr still stehen bleiben konnte. Es bildeten sich viele Moshpits und gegen Ende forderte die Band die Leute zum Crowdsurfen auf, Sam Carter reichte vielen Fans seine Hand und man sah ihm seine Freude ins Gesicht geschrieben. Bei einigen Shows auf der Tour fiel direkt mit dem Abschluss des Architects-Sets ein großer IRE Banner vor die Bühne und verdeckte diese. Bei anderen war dieser seit Beginn hinter dem Schlagzeug.

Setlist Architects (ohne Gewähr):

Gravedigger
Broken Cross
The Devil Is Near
Dead Man Talking
Colony Collapse
Alpha Omega
C.A.N.C.E.R.
Naysayer
These Colours Don’t Run

Parkway Drive Tour Of The Year 2016Die nun etwas längere Umbauphase baute Spannung ohne Ende auf, epische Lieder wie Europes “The Final Countdown”, und Journeys “Don’t Stop Believing” machten alle anwesenden heiß auf Parkway Drive. Abschließend läutete Queens “Bohemian Rhapsody” den Auftritt der australischen Band ein. Mit einem der stärksten Songs aus ihrem aktuellen Album IRE eröffneten die Jungs aus Australien mit “Destroyer” ihr Set eindrucksvoll zuerst nur sichtbar als Silhouetten hinter dem riesigen Banner. Dieser fiel dann wie ein Knall zeitgleich mit Schüssen aus Kreppband-Kanonen und Konfetti nach dem Intro und die Band sprang eindrucksvoll von ihren Podesten. Es herrschte eine wahnsinnige Energie, besser hätten sie ihren Auftritt nicht einläuten können.

Parkway Drive Tour Of The Year 2016 Schon als dritten Song gaben sie den Klassiker und Publikumsliebling “Carrion” zum besten. Der Mix aus aktuellen und älteren Werken wirkte stimmig und die Fans wurden in keinster Weise von der gelungenen Setlist enttäuscht. Die Stimmung blieb durchweg hoch, alle im Raum schienen sich durchweg zu bewegen. Winston McCall lächelte das ganze Set über und steckte mit seiner positiven Ausstrahlung alle im Raum an.

Pyro-Effekte und abwechslungsreiche Bühnenlichter untermalten alles perfekt und man kam einfach nicht mehr aus dem Staunen heraus, wie gut und vor allem aufwendig die ganze Show mit viel Liebe zum Details geplant wurde. Auch Kritiker der neuen Werke wurden eines besseren belehrt, Winston McCalls Spoken-Word-Einlagen in den Songs “Dying To Believe” und Bottomfeeder” wirkten live atmosphärisch und toppten in meinen Augen die Albumversionen um einiges. Man wollte einfach, dass das Konzert nie mehr aufhört, Erinnerungen an die letzten Jahre kamen mit den älteren Songs hoch, “Idols and Anchors” war eine gelungene Überraschung für die Fans der ersten Stunde.

Die Zugabe beginnt mit “Crushed”, danach wird es still und Winston McCall hält eine Fackel mit rotem Licht in der Hand und im vorderen Bereich der Bühne brennen kontinuierlich niedrig stehende Flammen. Zum Schluss wird das Set mit der Hymne “Home Is For The Heartless” phänomenal beendet, es gibt wieder tolle Pyro-Effekte und zum Ende herabfallende Funken, die an einen Sternenhimmel erinnern und einen wunderschönen Abschluss bilden.

Parkway Drive Tour Of The Year 2016

Setlist Parkway Drive (ohne Gewähr):

Parkway Drive Tour Of The Year 2016

Destroyer
Dying To Believe
Carrion
Karma
Dark Days
Deliver Me
Vice Grip
Idols And Anchors
Dedicated
Wild Eyes
Bottom Feeder
Romance Is Dead
Swing
Zugabe:
Crushed
Home Is For The Heartless

Nachdem man mich schon auf einigen Shows gesichtet hatte, wurde ich oft gefragt, ob es nicht irgendwann langweilig wird, immer und immer wieder die selben Sets zu sehen. Man kenne ja alles, es gibt keine Überraschungen, alles so gesehen wieder auf repeat. Dies kann ich einfach nur verneinen, nach 7 Shows auf dieser Tour mit einem wahnsinnig tollen Line-Up konnte ich mich auch zum Abschluss in Oberhausen nicht satt sehen. Denn immer wieder gab es auf dieser Tour einmalige Momente: Zur letzten Show kam zum Beispiel Winston McCall beim Set von Thy Art Is Murder auf die Bühne und gab seinen Feature Part im Song “Coffin Dragger” zum besten. In London wurden Parkway Drive während “Deliver Me” von niemand geringeres als dem Formel 1-Fahrer Daniel Riccardo unterstützt.

Parkway Drive Tour Of The Year 2016Alles in allem kann ich kaum etwas Negatives zu dieser Tour sagen, die Stimmung variierte in den verschiedenen Städten. Auf ausverkauften Shows und am Wochenende waren die Fans schlichtweg aktiver als unter der Woche. Auf den Shows in Belgien und in den Niederlanden war generell eine ziemlich gute Stimmung. An den Merch-Ständen wurden unzählige Shirts und andere Artikel verkauft, viele Größen waren schon auf den ersten Shows ausverkauft. Obwohl Parkway Drive und Architects mittlerweile sehr große Bands sind und riesige Hallen füllen, nahmen sie sich oft vor und nach den Shows Zeit für Fans, die in der Kälte auf ihre Idole warteten. Viele Gesichter habe ich auf mehreren Shows gesehen, ich war also nicht die einzige mit einer derartig großen “Fanliebe”. Ich finde, dass diese Nähe zu den Fans nicht selbstverständlich ist und dass das die Jungs alle nochmal ein ganzes Stück sympathischer macht!

Und wie nach jeder Tour von Parkway Drive freut man sich schon auf die nächste und man kann sich jetzt schon wieder fragen, wie die Band dieses Spektakel übertreffen will.


Falls ihr Bock auf mehr Konzert-Schnappschüsse von Mimi Darko habt, hier geht’s zu ihrem Foto-Account!

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