As Everything Unfolds

As Everything Unfolds: Sängerin Charlie Rolfe im Interview


As Everything Unfolds setzen auf ein mysteriöses Image und sind als britische Band klar von Acts wie Bring Me The Horizon und Architects beeinflusst. Wir sprechen mit Sängerin Charlie über das neue Album (das am Freitag erscheint), die Metalcore-Szene im Vereinigten Königreich und den Sound der Band und versuchen zu klären, was es mit der Farbe Rot auf sich hat.

Ich finde, WITHIN EACH LIES THE OTHER hat eine gewisse philosophische Tiefe. Wofür steht dieser Titel für euch?

WITHIN EACH LIES THE OTHER ist unser aktueller Ansatz von „As above, so below“. Das Konzept, dass das Oben nicht ohne das Unten bestehen kann. Die Idee, dass du durch die härtesten Zeiten auch die leuchtendste Version von dir selbst findest und nur komplett sein kannst, wenn diese beiden Seiten existieren. Es repräsentiert den Weg, den ich und die anderen Mitglieder von As Everything Unfolds in den letzten Jahren gegangen sind. Dadurch haben wir uns sowohl als Individuen als auch als Künstler:innen enorm entwickelt. Dafür sind wir wirklich sehr dankbar.

Ich habe das Gefühl, dass aus dem Vereinigten Königreich momentan enorm viele starke Post-Hardcore- und Metalcore-Bands kommen, viel mehr als aus Deutschland. Habt ihr etwas Besonderes in eurem Wasser?

Ich denke, von hier kamen quer durch die ganze Musikgeschichte immer großartige Bands. Ich weiß nicht, ob es am Wasser liegt, aber diese neueren Genres sind in den letzten Dekaden gewachsen und kommen ursprünglich aus dem Punk, der ja ein wichtiger Teil der britischen Kultur gewesen ist. Der Punk hat sich über die Zeit in etwas Neues, Einzigartiges entwickelt, das sich immer noch weiter bewegt, was mir sehr gefällt.

Ich habe zudem oft den Eindruck, dass die Qualität im Vereinigten Königreich besser und höher ist. Hast du eine Idee, woran das liegen könnte?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht! Als Gesellschaft bewegen wir uns schnell voran. Es gibt häufig wechselnde Trends und das hat natürlich einen großen Effekt auf die Musikindustrie und wie sie funktioniert. Bands müssen immer schauen ,was gerade angesagt ist, um relevant zu bleiben. Manchmal sogar zu ihrem eigenen Nachteil, weil sie zu früh auf einen Zug aufspringen. Der Wettbewerb hier ist enorm und ich denke, das fordert die Bands heraus. so kreativ wie möglich zu sein, um überhaupt rausstechen zu können und das Risiko unterzugehen zu verringern. Vielleicht hat das den Druck erhöht unsere Underground Diamanten zu härten und lässt sie folglich am hellsten scheinen und zur Spitze aufsteigen.

Ihr verwendet ja, ähnlich wie Rolo Tomassi und Palm Reader, auch ein Keyboard. Lange war dieses Instrument irgendwie aus der Mode, während man sehr viele Bands mit pre-recordeten Samples arbeiten sah. Denkst du, dass das Keyboard momentan eine Art Comeback feiert?

Ich glaube schon! Das liegt daran, dass man nicht nur jemanden hat der Synths spielt. Bei As Everything Unfolds haben wir jede Menge technischer Dinge und es ist enorm hilfreich, wenn man eine Person hat, die sich zusätzlich auch darum kümmern kann, während die anderen drei oder vier einfach nur ihr Instrument spielen können. Ich glaube, viele Bands ohne Keyboarder bekommen auch viel Hass dafür, dass sie sich zu sehr mit Synthparts beschäftigen, als gäbe es eine Art Stigma gegen Bands, die pre-recordete Synths benutzen. Wir haben einfach das Gefühl, dass wir kreativer sein können, weil wir ein richtiges Instrument benutzen und nicht nur per Klick eine mp3-Spur abspielen.

Ich stoße immer wieder auf den Begriff „female-fronted“ und finde definitiv nicht, dass das ein eigenes Genre darstellen sollte. Ich habe oft auch das Gefühl, dass eine Band als „Jungs-Ding“ angesehen wird, was ich sehr traurig finde. Hast du eine Ahnung, warum es für manche noch so besonders ist, wenn eine Frau in einer Band spielt?

Female-fronted ist kein Genre, weil man ja auch keine Band mit männlichem Sänger als male-fronted bezeichnen würde. Leider ist es etwas, über das wir immer wieder sprechen müssen, um die Inklusion von Frauen in Bands und der ganzen Musikindustrie zu normalisieren. Je mehr wir darüber sprechen, desto weniger wird „female-fronted“ ein Ding sein, aber das Mindset der ganzen Industrie über Nacht zu ändern, wird nicht funktionieren. Wir müssen geduldig sein. Ich glaube aber, wir haben schon einen guten Job gemacht und ich bin enorm stolz auf alle Frauen und Männer, die die Musikindustrie zu einem für alle offeneren und inklusiveren Ort gemacht haben.

Die Farbe Rot ist sehr prominent vertreten im Artwork, den Videos und den Fotos von As Everything Unfolds. Was hat es damit auf sich?

Wir wollten alle Elemente und Farben des Albumkonzepts auch in unseren visuellen Auftritt einfließen lassen. Aufzudröseln, wofür das Rot am Ende steht, wäre ein riesiger Spoiler, der erst dann offenbart wird, wenn du es als Fan herausfindest!

Euer Sound ist abwechslungsreich und es gibt viele Aspekte, die mich stellenweise an BMTH und Paramore erinnern. Wie geht ihr mit solchen Vergleichen um?

Wir bekommen einige solcher Vergleiche zu hören und für den Moment ist das in Ordnung. Dennoch hoffe ich, dass wir unsere eigene Richtung entwickeln, ohne dass wir permanent an anderen gemessen zu werden. Wir müssen alle immer lachen, wenn uns jemand mit Paramore vergleicht, wir lieben diese Band! Aber es ist nie: „Es klingt so, als beeinflussen euch Paramore“, sondern eher: „Das ist total der Paramore Rip-Off!“ und ich denke jedesmal, dass wir diese Riot!-Redux-Version mit Breakdowns, Screams und grausamen Synth-Geräuschen verpasst haben.

Gibt es denn Aspekte in eurer eigenen Musik, die immer bleiben werden?

Ich denke, der Groove und die Atmosphäre sind zwei Dinge, die immer Bestand haben werden. Ich finde auch, dass wir einen ziemlich eigenständigen Sound haben. Egal wie viele andere Elemente sich in der Musik finden, Atmosphäre und Groove sind das, was jeden As Everything Unfolds-Song ausmacht.

Wie siehst du die zukünftige Entwicklung in eurem Sound?

Ich denke, eine Band ändert ihren Sound meist auf ganz natürlichem Wege. Menschen reifen, entwickeln sich und das ist gut so. Für uns zählt, dass wir die Musik schreiben, die wir wirklich machen wollen. Musik, die uns inspiriert, uns begeistert und mit Leidenschaft erfüllt. Wir lieben die Variation und die Spannung, etwas außerhalb unseres Styles zu machen, einfach auch weil wir selbst eine große Bandweite an unterschiedlicher Musik mögen.

Gibt es noch etwas, das du über das neue Album sagen möchtest?

Es war eine schwierige Aufgabe, die mit Wachstum verbunden war, WITHIN EACH LIES THE OTHER zu machen. Wir hoffen, dass dieses Album unseren Fans auch durch harte Zeiten helfen kann. Mir ist wichtig, dass Leute für ihre Freunde da sind und sich bei ihnen melden, wenn es Probleme gibt, insbesondere dann, wenn man weiß, dass manche nicht stark genug sind, diesen Schritt alleine zu gehen. Wir sind hier alle gemeinsam in dieser schwierigen Situation und können es kaum abwarten endlich wieder gemeinsam mit euch die guten Zeiten zu feiern!

Lest auch:

JESSE CASH VON ERRA IM INTERVIEW ÜBER DIE EINFLÜSSE AUF „ERRA“

Kommentare