Caliban

CALIBAN: Drummer Patrick über ZEITGEISTER, fehlende Konzerte und Wein


Mit ZEITGEISTER melden sich Caliban eindrucksvoll zurück und beenden ihre Release-freie Zeit mit einem ordentlichen Brett. Ein Intro, sieben Klassiker auf Deutsch und ein neuer Song. Zeit, sich mit Drummer Patrick zusammenzusetzen und über Split-EPs, fehlende Konzerte und Wein zu reden.

Ich erzähle Patrick, dass mein letztes Interview auf Deutsch mit den Kollegen Neaera stattfand und auch schon fast eineinhalb Jahre zurückliegt. „Ja, wir sind ja auch gerade voll in diesem Interview-Modus“ beginnt Patrick, „Viel Englisch und da muss man sich dann immer ein bisschen umorganisieren in der Birne. Wir kriegen das schon hin.“ Wir einigen uns darauf, bei zu vielen Anglizismen einen Stopp zu machen. Was als Scherz beginnt, führt dann doch schnell zum eigentlich Grund des Gesprächs: Auf ZEITGEISTER hauen uns Caliban neun Songs um die Ohren und alle neun auf Deutsch.

Positive Resonanz

Die Rückmeldungen zum aktuellen Material scheinen dabei durchweg positiv zu sein. „Also ich bin positiv überrascht und erstaunt. Ich find’s halt geil, dass nach mehr oder minder zweieinhalb Jahren Pause ohne Release und mit wenig Live-Präsenz ein solch schöner Impact zustande kommt. Also die Leute reagieren sehr gut darauf, die Videos kommen gut an und die Resonanz ist bis dato sehr positiv. Ich bin glücklich damit und sehr zufrieden.

„‚Intoleranz‘ wird ein guter Live-Song“

Gibt es eine Single vom neuen Release, auf deren Live-Performance sich Patrick besonders freut? „Auf jeden Fall ‚Intoleranz‘! Der Song war ja schon, als Caliban den 1998 schrieben, einer der Titel, die auf jeder Hardcore-Show gespielt werden mussten. Die Leute sind völlig darauf ausgerastet. Es gibt ja auch dazu verrückte Videos auf YouTube, wo Andi von der Menschenmasse auf der Bühne umgerannt und begraben wird. Das war auch, was der Song dann letztendlich dargestellt hat. Ich würde sehr gerne sehen, wie die Leute heute auf diesen Song abgehen, denn ich denke, da kann man auch viel mit dem Publikum machen. Vom Mitschreien bis zum Wut rauslassen und Flagge zeigen. Ich denke, das wird ein guter Live-Song.“ Die ersten Shows werden so oder ein ziemlicher Abriss. „Haha, oh ja. Wir könnten wahrscheinlich ‚This Oath‘ spielen und die Leute würden total darauf ausrasten.

Keinen Bock eine Streaming-Show aus einer leeren Halle

Wo wir schon beim Thema sind: Wäre es eine Alternative, den neuen Release mit einer Streaming-Show zu feiern? „Wir haben schon darüber gesprochen, aber so richtig akut war es bis jetzt noch nicht. Wir haben natürlich überlegt, wie wir ZEITGEISTER begleiten könnten, hätten das am liebsten im Rahmen einer Tour gemacht, und haben dann die Entscheidung immer etwas weiter rausgeschoben, weil wir gehofft haben, dass es bald wieder möglich ist zu touren. Aber das wird ja in nächster Zeit erst mal nichts, also kann man schon mal darüber nachdenken, dass wir irgendwann mal, vielleicht zum Jahresende, eine Streaming-Show machen. Allein schon um selbst mal wieder zusammen live spielen zu können. Damit wir zumindest wieder so tun können, als wäre es ein Live-Konzert, haha.“Hat Patrick denn schon eine Streaming-Show gesehen, die ihm gefallen hat? „Nein und das war auch der Hauptgrund, warum ich kein Verfechter der Idee war. Privat habe ich immer gesagt, so ein Scheiß interessiert mich nicht. Ich habe keinen Bock eine Streaming-Show aus einer leeren Halle zu sehen, hinter der eine fette Produktion steckt. Das hat mich nie gereizt. Nicht bei einer befreundeten Band und auch bei keiner Band, die ich sonst geil finde. Weil ich auch immer gedacht habe, wenn ich irgendwas digital gucken möchte, dann gehe ich auf YouTube und schaue mir, ich sage jetzt mal, Lamb Of God vom Wacken Zweitausendirgendwas an. Das finde ich jetzt geiler, als mir Lamb Of God anzugucken, wie sie in einer Lagerhalle stehen mit sechs Kameras, die um sie rumfahren. Da habe ich wenig Bock drauf und deswegen war ich vielleicht auch immer derjenige, der die Idee einer eigenen Streaming-Show etwas ausgebremst hat, oder zumindest wenn das Thema aufkam gesagt hat: „Eigentlich finde ich das mega unspannend.“ Aber vielleicht muss man sich irgendwann auch mal hingeben und vielleicht sehen viele CALIBAN-Fans das auch anders als ich und fänden eine solche Show geil“.

Splits mit Heaven Shall Burn und Six Reasons To Kill

Ich spreche die THE SPLIT PROGRAM-EPs mit Heaven Shall Burn an. Gibt es eine Band, die er sonst gerne auf einer Split dabei hätte? „Split-EPs sind ja gar nicht mehr so gängig und populär. Das kam eher aus der Zeit, als die Hardcore-Bands sich gegenseitig supportet haben und man zueinander gesagt hat, komm, wir machen da mal was zusammen. Aber so ein Split Programm ist gar nicht mehr so angesagt, wobei ich das eigentlich damals immer sehr cool fand.“ Gibt es denn einen Split-Release, den Patrick ab und an mal wieder ausgräbt und noch immer gerne hört? „Ich grabe da eher selten mal was aus, aber ich weiß noch, mit meiner alten Band Six Reasons To Kill hatten wir mal eine sehr interessante Split-EP mit einer japanischen Death-Hardcore Band, Hellchild heißen die. Mit denen haben wir eine sehr coole Seven Inch gemacht. Es gab ja viele Bands, die das früher gemacht haben, aber ich habe jetzt keine, die ich täglich aus dem Regal ziehe, um die noch mal zu hören.

„Slayer sind meine Alltime-Favorite Band“

Nach den eigenen Songs im neuen Gewand, gibt es da eine Band, die Patrick gerne mal covern würde? „Also ich würde gerne mal einen Slayer-Song covern. Das ist so meine Alltime-Favorite Band. Aber wir haben ja auch schon viel gecovert von all den Sachen, die uns geprägt haben, aber ‚South Of Heaven‘ von Slayer würde ich schon gerne mal spielen.

„Wir stehen in den Startlöchern“

Was die Zukunftsplanung angeht, gilt es für Caliban aktuell hauptsächlich abzuwarten. „Ansonsten stehen wir eigentlich in den Startlöchern und wenn es heißt, ihr könnt in vier Monaten auf Tour gehen, dann würden wir auch in vier Monaten auf Tour gehen, aber es ist im Moment ja nichts planbar. Wir bringen jetzt die EP raus, schauen, was passiert, vielleicht reden wir dann noch mal über die Streaming-Show und ansonsten warten wir, dass es irgendwann mal ein Licht am Ende des Tunnels gibt und wir mal wieder rausgehen können auf die Straße. Aber das wird in diesem Jahr wohl nicht mehr passieren. Sonst haben wir erst mal keine größeren Pläne.

Caliban Zeitgeister

Veganes Schnitzel mit Wein aus der Pfalz

Aber ein Lockdown ist auch die Zeit, um sich auch mal anderen kleinen Projekten zu widmen: „Andy und ich haben ja einen Wein herausgebracht jetzt, einen Riesling, zusammen mit dem Weingut Metzger in der Pfalz. Der Riesling ist auch sehr gut angekommen, den haben wir gestern der Öffentlichkeit vorgestellt und hatten erst ein kleines Kontingent von 500 Stück und die sind in weniger als 24 Stunden alle verkauft worden. Da waren Andy und ich natürlich erst mal baff. Vielleicht ist das auch mal was, wo man überlegt, ob man das weiter machen will“. Ich erzähle Patrick von Hatebreeds Jasta Pasta. „In Flames haben ja auch einen Wodka rausgebracht, wir haben natürlich das Rad nicht neu erfunden, da viele Metalbands etwas Ähnliches machen, aber in der Szene, in der wir uns bewegen, ist das sicherlich schon der Zeitgeist, haha.Jamey Jasta hat mir seine Nudelsorte damals mit einem veganen Saucenrezept schmackhaft gemacht und einen Film dazu empfohlen. Und was genießt man am besten zum Caliban-Wein? „Da machst du ein bisschen Spargel dazu, ein paar Kartoffeln und veganes oder normales Wienerschnitzel.

Text: Marvin Kolb

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