So feiern Metalheads, Beatdowner und Hardcore Kids Weihachten


Hach, es ist endlich wieder Weihnachtszeit. Der stressige Alltag fährt auf ein Minimum herunter, der Geruch von Plätzchen liegt in der Luft und man lümmelt sich an verschneiten Tagen mit seinem selbstgestrickten kratzigen Pulli Tee trinkend auf die Fensterbank, hört dabei Cannibal Corpse mit „Hammer Smashed Face“ und wartet begierig darauf, dass einer der vorbeigehenden Passanten ausrutscht. Insgeheim hofft man, dass er sich dabei ein Bein bricht, aber als bescheidener Mensch ist man auch zufrieden, wenn er nur lustig hinfällt und einem so ein verschmitztes Lächeln entlockt, während man die dampfende Teetasse mit beiden Händen umklammert. Und wie verbringen Freunde harter Musik die Weihnachtszeit? Impericon hat wie immer ein Antwort parat:

Als ich mich nach der Recherche zum Thema “ Wie verbringen Black Metaller die Weihnachtszeit“ wieder einigermaßen in die zivilisierte Gesellschaft integriert hatte, musste ich schon wieder in den Sumpf der Subkulturen abtauchen, um herauszufinden, wie andere Genres die besinnlichen Tage am Ende des Jahres verbringen. Hierbei war ich in Death Metal-, Beatdown- und Hardcore-Kreisen unterwegs und habe interessante Einblicke in die Welt solcher Menschen gewinnen können.

Die Vorbereitung

In einem extrem bekannten und mindestens genauso schlechten Weihnachtslied heißt es „Vorfreude, schönste Freude, Freude im Advent“ und so ist für viele die Vorbereitung der Weihnachtszeit die schönste Zeit des Jahres. Plätzchen backen, die Wohnung dekorieren und sich nach 16 Tassen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt mit dem Ordnungsamt anlegen. Und wie sieht es bei den Metalheads und Hardcore Kids aus?

Death Metal

Grundlegend ist der Ablauf bei Death Metallern* ganz ähnlich wie bei normalen Leuten. Nur trägt er eben zum Plätzchen backen, Wohnung dekorieren und Glühwein trinken sein Lieblingsshirt von At The Gates und hat Haare so lang, dass jede Beauty Bloggerin vor Neid erblasst. Ach ja, bei allem was er tut, hört er vermutlich KILL von Cannibal Corpse auf 200 % Lautstärke und betreibt sogenanntes Headbanging. Während er die Kekse aus dem Ofen holt, headbangt er. Während er auf einer Leiter steht und den Stern an der Spitze des Weihnachtsbaums anbringt, headbangt er. Während er dem Typen vom Ordnungsamt den Mittelfinger entgegenstreckt und dabei sein vollkommen überteuertes Knoblauchbrot im Gegenwert einer Schachtel Kippen ( 5 Euro für ein scheiß Stück Brot mit billiger Soße ) nach ihm wirft – und darauf könnt ihr Gift nehmen -, headbangt er!

Beatdown

Beatdowner befinden sich leider in der misslichen Lage, dass sie außerhalb eines Pits keinen Spaß empfinden dürfen, da so ein Verhalten von der eigenen Crew nicht toleriert werden würde. Dementsprechend gibt es für sie auch keine Plätzchen während der Weihnachtszeit und Wohnung dekorieren fällt auch aus, da das Kinderzimmer in dem man lebt meistens nicht wirklich Platz für weihnachtliche Dekoration bietet. Auch auf dem Weihnachtsmarkt haben es solche Leute schwer, da durch die unzählig besuchten Underground Shows das Gehirn eines Beatdowners dem eines Vietnam-Veterans ähnelt. Größere Menschenansammlungen bringen ihn durcheinander und so kommt es vor, dass er sich auf dem Weihnachtsmarkt befindet, plötzlich aber glaubt er sei im Pit einer Beatdown Show. So kommt es zu dazu, dass er das Heißgetränk „Punsch“ mit einer Aufforderung in Englischer Sprache verwechselt (Punch ) und dies führt zu unkontrollierten Neck Breaking High Kicks und Triple Whirlwind Spins in der Masse.

Hard- und Metalcore

Mehr Spaß haben da die Metal- und Hardcore Kids, sie backen vegane Plätzchen, trinken alkoholfreien Glühwein (heißer Saft), müssen dabei aber jedem auf die Nase binden, dass der Weihnachtsmarkt seine Blütezeit Ende der 80er Jahre hatte, als die Szene noch wirklich bei ihren Roots war und das heute einfach alles viel zu kommerziell und vermainstreamt ist. Der Kinderchor, der sein Advents-Ständchen zum Besten gibt, hat auf Facebook schon über 300 Likes, dauert sicherlich nicht mehr lange bis Sony da anklopft. Tzz, Sellouts.

Besuch der Kirche

Während der Gang zur Kirche für den durchschnittlichen Black Metaller nur dann akzeptabel ist, wenn er dabei einen Kanister Benzin und ein Zippo bei sich trägt, können Death Metaller, Beatdowner und die Hard- und Metalcore Kids ohne größere Probleme den alljährlichen Gang zur Kirche antreten.

Death Metal

Sobald die ersten Töne die alte schwerfällige Orgel in der Kirche verlassen, schiebt der Death Metaller seine Sitznachbarn mit einer ruckartigen Bewegung hektisch zur Seite, damit er Platz für Headbanging hat. Mit dem Verklingen der letzten Noten ebbt auch das Headbanging ab und er kehrt zurück in seine normale Sitzposition.

Beatdown 

Das Verschwimmen der Grenzen zwischen dem normalen Leben und dem Leben auf Underground Shows wird dem Beatdowner auch hier zum Verhängnis. Während der Predigt rennt er auf die vermeintliche Stage ( Kennern ist diese auch als „Kanzel“ bekannt ), greift dem Pfarrer ins Mikrofon, brüllt dabei „THIS IS NO FUCKING DANCE MUSIC“ und hechtet von der Kanzel Stage aus hollywoodreif in die nichts ahnende Crowd, wo er aufgrund des Durchschnittsalter jenseits der 70 für dutzende gebrochene Knochen sorgt. Während seiner Windmill-Action fliegen Gehhilfen, Rollatoren und der ein oder andere Zahnersatz durch den Raum. Als helfende Menschen beherzt einschreiten und den Beatdowner zähmen, reagiert er nicht gerade mit Verständnis und empört sich mit den Worten: „Wenn die das bisschen Crowd Killing nicht abkönnen, dann sollen diese Bitches gefälligst Zuhause bleiben. Alles Pussies!“

Hard- und Metalcore

Für jedes Hard- und Metalcore Kid ist klar, dass das Krippenspiel heutzutage einfach nicht mehr das Gleiche ist. Damals, kurz nachdem Jesus geboren worden ist, da war das alles noch wirklich real, heute ist das so kommerzialisiert, man muss sich nur einmal hören wie gut der Sound in der Kirche ist. Alles vollkommen überproduziert. Einzige angemessene Reaktion ist mit verschränkten Armen ganz hinten im Raum zu stehen und im 2 Minuten Takt abwechselnd das Handy zu checken oder das Snapback neu auszurichten.

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Heiliger Abend

Die Feuertaufe. Eure Oma wippt mit dem Fuß zu Helene Fischer mit „Atemlos Durch Die Nacht“, euer Großvater erzählt euch, dass ihr mit diesen Tattoos niemals einen ordentlichen Job finden werdet und die kleinsten der Familie bekommen einen Tobsuchtsanfall nach dem anderen in vorfreudiger Erwartung auf den fetten alten Mann.

Death Metal

Sobald die Oma das neuste Live-Album von Helene Fischer in den CD-Spieler schmeißt, verlässt der Death Metaller den Raum, denn zu sowas kann nicht einmal er headbangen. Stattdessen geht er in den Keller, stellt sein Handy auf laut und spielt SLAUGHTER OF THE SOUL von At The Gates ab, damit er im dunklen und kalten Keller ungestört headbangen kann.

Beatdown

Beatdowner sind Energiebündel und jederzeit bereit für einen guten Pit. Von daher fällt es ihnen sichtlich schwer ruhig mit den Erwachsenen am Tisch zu sitzen. So genießen sie die Gesellschaft der vollkommen aufgekratzten und ausflippenden Kinder. Befindet man sich unter diesen, fallen die eigenen Ausfälle auch weit weniger stark auf.

Hard- und Metalcore Kids

Der Abend am 24. Dezember ist für diese Gruppe die wohl größte Herausforderung. Während die ganze Familie um einen herum damit beschäftigt sich literweise Wein und Entenfleisch in den Mund zu schütten, sitzen die Hard- und Metalcore Kids mit ihrem „Drug Free Youth“-Sweater da und können sich einen Spruch nach dem anderen anhören: „Zu Weihnachten kannst du mit deinem Veganismus-Öko-Bio-Scheiß auch mal eine Ausnahme machen.“ „Wein ist gar kein richtiger Alkohol“ etc. Irgendwann platz einem die Hutschnur, oder der Verschluss des Snapbacks und man erklärt lautstark, dass dieses Fressgelage nichts mehr mit dem Spirit von Oldschool-Weihnachten zu tun hat und das sie alle Poser sind.

Nach dieser anstrengenden Recherche bin ich froh die Weihnachtszeit in Ruhe auf meiner Fensterbank verbringen zu können und hoffe, dass der ein oder andere vorbeigehende Passant stürzt, damit ich auch mal was zu lachen habe. Ich hoffe ihr habt erholsame Feiertage und verbringt eure Zeit mit den Menschen, die euch wichtig sind bzw. die es mit euch länger als 24 Stunden am Stück aushalten, ohne dabei Mordphantasien zu entwickeln.

*Wie immer habe ich aus Gründen der Lesbarkeit die männliche Form gewählt, gemeint sind natürlich auch Frauen und Personen, die sich nicht dem binären Geschlechtersystem unterwerfen wollen.

 

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