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Geschichte des HC: Wie aus Punk Hardcore wurde


Ob Metalcore, Grindcore, Melodic Hardcore, Pop Punk oder Thrash Metal – kaum eines dieser Genres wäre ohne die Entstehung des Hardcore Punks denkbar. Wieso? Wir geben euch im „HC 101“ die wichtigsten Infos zur Hardcore-Geschichte mit.

Wie alles begann: Punk’s not dead

Man kann die Geschichte von Hardcore nicht ohne Punk erzählen: Denn als in den 1970er Jahren immer mehr Punk-Bands Heavy Metal-Einflüsse aus ihrer Jugend in Songs ausleben, entsteht eine Underground-Bewegung, die bald als „Hardcore“ in die Musik-Geschichtsbücher eingehen wird. Songstrukturen wuchsen über das bekannte Strophe-Refrain-Strophe-Schema hinaus, als Alternative zum schnöden Gitarren-Solo setzten Hardcore-Bands schon damals auf den BREAKDOWN, Tanzarten wie Moshing, Stagedives und Violent Dancing zogen endgültig in die Musik-Szene ein – und sind heute nicht mehr von Shows wegzudenken.

Die Unterschiede zum Punk waren offensichtlich: Die Message (z.B. Anti-Rassismus) und der DIY-Charakter (u.a. mit selbstgemachtem Hardcore-Merch und Fanzines) blieb, dafür wurde der Sound unkontrollierter, schneller, härter – und kürzer. Viele Hardcore-Songs sind gerade mal knapp zwei Minuten lang (wie zum Beispiel „Banned in D.C.“ von den Bad Brains mit einer Länge von 2:12 Minuten).

Woher kommt eigentlich die Bezeichnung „Hardcore Punk“?

Bei dieser Frage berufen sich viele Musik-Nerds auf die kanadische Band D.O.A., die ihr zweites Studioalbum HARDCORE 81 nannte – wahrscheinlich das erste Mal, dass der Begriff „Hardcore“ im Musikjargon verwendet wurde.

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In jeder größeren US-Stadt gab es bald eine Hardcore Szene, mit eigenen lokalen Bands und Shows. Doch die fünf „Hotspots“ waren: San Francisco (u.a. mit The Dead Kennedys), Boston (mit Sam Black Church, Tree und Gang Green), Washington D.C. (Bad Brains und Minor Threat), New York (Agnostic Front, The Misfits und die Beastie Boys) sowie Los Angeles – die Stadt, die die wahrscheinlich einflussreichste Hardcore-Band dieser Zeit hervorbringt: Black Flag. In der Post-Vietnamkrieg-Depression scheint die Truppe um Frontmann Henry Rollins einen Nerv zu treffen, mit ihrem rohen Sound sowie Lyrics zu sozialkritischen Themen wie Armut legten sie den Grundstein für viele Bands aus allen möglichen Genres. Dazu gehören unter anderem Bring Me The Horizon, My Chemical Romance und Rise Against.

Exkurs: Straight Edge

Und so wie man die Hardcore-Geschichte nicht erzählen kann, ohne Punk zu erwähnen, darf man natürlich auch die Straight Edge-Bewegung nicht vergessen. Um sich klar gegen die Punk-„Kultur“ des Alkohol- und Drogenkonsums zu positionieren, prägte eine Band mit dem Namen Minor Threat eine neue Subkultur: Ihr Song „Straight Edge“ inspirierte Fans weltweit dazu, sich von Drogen, Alkohol und häufig wechselnden Sexpartnern loszusagen. Das ging im Fall der „Boston Crew“, einer Gruppe extremer Straight Edgler, sogar so weit, dass sie Punks, die tranken oder Drogen nahmen, angriffen und verprügelten! Eine Bewegung, die natürlich nicht unbedingt zum guten Ruf des Hardcore-Genres beitrug…

Lyrics „Straight Edge“:

I’m a person just like you
but iIve got better things to do
than sit around and fuck my head
hang out with the living dead
snort white shit up my nose
pass out at the shows
I don’t even think about speed
that’s something I just don’t need

I’ve got the straight edge

Die Straight Edge-Bewegung zeigt auch, dass es im Hardcore kein Thema gab/gibt, auf das sich alle Bands einigen konnten: Während manche Hardcore-Bands für ein drogen- und alkoholfreies Leben eintraten, sangen andere über den Party-Lifestyle. Außerdem gab es sogar christliche Hardcore Bands mit einer starken religiösen Message. Der einzige gemeinsame Faktor war der Sound.

Hardcore Style

Im Vergleich zum Style der Punk-Ära war der Style der Hardcore-„Kids“ sehr viel geradliniger und einfacher gehalten: weg von Sicherheitsnadeln und Irokesenschnitten, hin zu Jeans, T-Shirts, Sneakern und kurzen Haaren. Circle Jerks-Frontmann Keith Morris sagte dazu später in einem Interview:

We looked like the kid who worked at the gas station or submarine shop.

Und dann?

Nach dem „Peak“ im Jahr 1981/82 ebbte der „Hardcore Hype“ in den späten 80ern und frühen 90ern langsam wieder ab. Nicht weil das Genre nicht mehr populär genug war, sondern weil sich andere Subgenres daraus abspalteten: Viele HC-Musiker lebten ihre Vorliebe für Metal weiter aus, Subgenres wie Crossover Thrash, Grindcore oder Metalcore entstanden. Durch Einflüsse von Genre-fremden Genres wie Jazz und Funk entstand dann Post Hardcore, Fans des melodischeren Sounds tauchten ab in die Welt des Melodic Hardcore, mehr Fokus auf Breakdowns und langsamere Tempi führte dann zum Beatdown Hardcore.

Währenddessen blieb vor allem New York ein Epizentrum für das Genre und von dort stammende Bands wie Biohazard, Madball oder Sick of It All wurden auch im breiteren Mainstream bekannt.

Neue Lyric-Themen wie Veganismus oder Umweltverschmutzung wurden populär und schlugen dabei wieder in die Kerbe von Straight Edge-Bands wie Minor Threat. Und so kam es um die Jahrtausendwende in New York fast schon zu sowas wie einer zweite Hardcore- und Punk-Welle, mit Bands wie H2O, Hatebreed und Every Time I Die. Alle Bands sind auch heute noch aktiv und beeinflussen mit ihrem Sound junge Bands. Denn auch wenn sich Hardcore in seinen 40 Jahren ziemlich verändert hat, eines ist sicher: Sterben wir er nie.


Falls ihr Lust habt, mehr über die Geschichte von Hardcore Punk zu lesen – hier sind zwei Artikel, die ich bei der Recherche ziemlich spannend fand: The State Times („A History of Hardcore“) und „ThoughtCo“ („A History of the Early Days of Hardcore“).

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