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Ghost Iris: „Ich habe das Gefühl, dass viele nicht wissen was sie tragen.“


Am Freitag erscheint mit COMATOSE das bereits vierte Full Length Album von Ghost Iris. Seit der Veröffentlichung des Debütalbums ANECDOTES OF SCIENCE & SOUL hat sich der Sound der Dänen gewandelt. Anfangs noch in djentigen Metalcore Sphären einzuordnen, entwickelte sich der Klang über Progressive Metal hin zu einem modernen Metalsound, der mit Hardcore Elementen und harten Riffs auf sich aufmerksam macht. Sänger Jesper erzählt im Video vom Wandel der Band.

Hey Jesper, war euch schon beim Betreten des Studios klar, dass euer Album härter werden soll oder ist das auf natürlichem Wege passiert?

Es ist schwer zu sagen. Natürlich haben wir eine Idee, wenn wir uns ins Songwriting begeben, weil wir ja schon wissen müssen in welche Richtung es gehen soll; welche Grenzen man ausloten möchte und so weiter. Aber ich denke wir wussten, dass wir wieder etwas härter werden, wobei es auch sein kann, dass wir in Zukunft etwas ruhiger werden. Nur die Zeit wird das zeigen. Wir spielen damit herum und schauen ob es gut ist oder nicht, Musik ist unser Spielplatz dafür.

Auf einem eurer Shirt-Designs nutzt ihr ein Black Metal Logo und die Ästhetik, die in den letzten Jahren enorm populär geworden ist. Kannst du dir erklären woher dieser Hype stammt?

Ich habe keine Ahnung warum es auf einmal so groß geworden ist, aber für mich sieht es einfach verdammt cool aus. Ich könnte mir vorstellen, dass es auch mit TikTok Stars zutun hat, die diese Klamotten tragen. So wie mittlerweile auch Iron Maiden Shirts bei H&M verkauft werden. Ich habe oft das Gefühl, dass die Kids gar nicht wissen was sie da wirklich tragen. Demzufolge glaube ich, dass es sich auch mit der Black Metal Ästhetik in der Popkultur ähnlich verhält.

Ich habe oft das Gefühl, dass die Kids gar nicht wissen was sie da wirklich tragen.

Ist Black Metal denn etwas, mit dem du dich selbst identifizierst?

Ich selbst habe nie Black Metal gehört. Klar höre ich Sachen, die Elemente des Black Metals haben, aber Bands wie Gorgoroth und so weiter habe ich nie gehört, wobei ich nicht mal weiß, ob das wirklich richtiger Black Metal ist, haha. Die Ästhetik ist cool, die Musik aber nicht meins.

Ich könnte mir vorstellen, dass auch Artists wie Ghostmane dafür gesorgt haben, dass diese Ästhetik so beliebt wurde. Wie siehst du das?

Die Mischung ist spannend. Goth und Black Metal gemischt mit Nu Metal und Hip Hop. Das ist wirklich sehr einzigartig im Sound. Ich muss zugeben, dass ich nicht viel damit anfangen kann. Aber ich muss auch sagen, dass ich Ghostmane unfassbar einzigartig finde. Und seine Zahlen sprechen für ihn. Generell ist es großartig zu sehen, wenn Grenzen verschoben werden. Ich habe gestern einen Trap Djent Artist gefunden, was ich auch irgendwie cool fand.

Ich habe oft das Gefühl, dass die Genres immer mehr verschmelzen und sehe Hip Hop oft auch als sehr innovativ an. Wie geht es dir damit?

Momentan ist Hip Hop das beliebteste Genre der Welt. Ich glaube in der Top 50 von Spotify sind 90% Hip Hop Artists. Es macht irgendwie Sinn, denn Rock und Metal ist für mich irgendwie tot. Nicht innerhalb der Szene, aber auf den Mainstream-Charts irgendwie schon. Stattdessen gibt es Hip Hop Musiker:innen, die sich merkwürdig anziehen und ein Image bedienen, wie man es aus dem Metal und der Rockszene kennt. Sie sind die neuen Rockstars geworden.

Rock und Metal ist für mich irgendwie tot. (…) [Hip Hop Artists] sind die neuen Rockstars geworden.

Würdest du sagen, dass sie den Kampf um die größte Szene gewonnen haben?

Ich habe das Gefühl, dass Hip Hop das geworden ist, was Metal in den 2000ern war. Ich meine in der Nu Metal Ära waren Korn, Limp Bizkit und Slipknot an der Spitze der Charts. „Duality“ war damals wie ein Mainstream Popsong – nicht wirklich vom Sound, aber von der Definition, weil es ein sehr beliebter Song hier in Dänemark war.

Dafür haben wir in Deutschland mit den Amigos das erfolgreichste Duo des Landes. Aber die machen Schlager, keinen Hip Hop.

Ernsthaft? Ich kenne deutschen Schlager, aber das hätte ich nicht erwartet. Was ist los mit den Deutschen? Ich muss aber auch sagen, dass ich mir die dänischen Charts gar nicht anhöre, weil ich weiß, dass ich vieles nicht gut finde. Es gibt einen Popact den ich mag: Phlake. Die haben wirklich Talent, aber das war es auch mit dänischer Popmusik. Ich bin kein Elitist, aber Musik ist subjektiv und es hat immer mit Geschmack zu tun. „Barbie Girl“ von Aqua ist ein Song, den ich absolut hasse. Trotzdem hat er sich über 42 Millionen mal verkauft…

Es klingt so, als ob Hip Hop Artists sich viel von Metalacts und Rockstars abgeschaut haben. Warum macht die Metalszene das nicht einfach auch?

Ich denke, wenn du versuchst etwas nachzuahmen, dann kannst du durchaus versuchen die nächsten Iron Maiden oder Volbeat zu werden. Das ist okay, du kannst es in eine Geldmaschine verwandeln. Ich meine: natürlich mögen wir Geld, aber darum geht es uns, und vielen anderen Metalacts, nicht in erster Linie. Wenn es um die Musik geht, dann ist Musik für uns bei Ghost Iris eine Flucht und eine Möglichkeit uns zu verwirklichen. Das muss sich für uns immer richtig anfühlen.

Wenn es um die Musik geht, dann ist Musik für uns bei Ghost Iris eine Flucht und eine Möglichkeit uns zu verwirklichen.

Hast du denn nie Zweifel, dass eure Musik, insbesondere wenn ihr den Sound ändert, nicht mehr so gut ankommt?

Davor hatte ich noch nie Angst. Wir müssen es mögen, denn wenn wir das nicht tun, sollten wir etwas ändern. Wir müssen damit zufrieden sein und wir verlassen das Studio immer sehr zufrieden, was uns Selbstsicherheit gibt.

Was gibt es denn noch über COMATOSE zu sagen?

Es ist definitiv das angepissteste Album von uns. Es ist definitiv immer noch Ghost Iris und wird vor allem live bestens funktionieren. Ich sehe schon die ganzen Moshpits vor meinem inneren Auge. Trotzdem ist es sehr melodisch und wir meinen es mit diesem Album wirklich ernst und sind enorm stolz darauf!

COMATOSE könnt ihr hier vorbestellen.

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Foto-Credit: Quinten Quist

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