Hail The Sun

Hail The Sun im Interview über Post-Hardcore und mehr


Hail The Sun veröffentlichten am Freitag ihr neues Album NEW AGE FILTH. Wir sprachen mit Schlagzeuger und Sänger Donovan und Gitarrist Shane über die Einflüsse der Band und warum Post-Hardcore ein so variables Genre ist.

Inwiefern hatte die Corona-Pandemie einen Einfluss auf das neue Album?

Donovan: NEW AGE FILTH war komplett fertig, kurz bevor der Lockdown kam. Es ist seitdem so viel Mist in meinem privaten, meinem beruflichen Leben passiert. Verlorene Beziehungen haben meinen normalen Workflow als Musiker und Agent komplett auf den Kopf gestellt. Ich habe ein Magazin gegründet, das Kill Iconic heißt, und das hat mir geholfen, nach vorne zu blicken, wie auch Hail The Sun. Durch die gewonnene Zeit hatten wir etwas mehr Puffer, um alles zu erledigen.

Der Sound von Hail The Sun ist sehr experimentell. Ich stelle es mir schwierig vor, permanent neue Ansätze zu finden. War nicht alles irgendwie schon mal da?

Donovan: Es gibt immer etwas, das man machen kann, selbst wenn es nur eine kleine Variation ist. Ich habe das Gefühl, dass es noch wichtiger ist, kreativ zu bleiben und Akkorde sowie Songstrukturen auf so viele Arten wie nur möglich zu ändern. Ich will Melodien schreiben, die sich so anfühlen, als wären sie schon ewig da gewesen. Ganz egal, wo ich hinschaue, ich höre so was nirgends. Das zeigt mir, dass ich  etwas ausprobiert habe, das auf vertrauten Strukturen basiert.

Shane: Das ist nur meine Meinung, aber für mich existiert wirkliche Stagnation nur, wenn die individuellen Beteiligten nicht gewillt, sind ihre Form zu ändern. Während wir bestimmte rhythmischen und dynamischen Komponenten in unserem Sound gehighlightet haben, haben wir dafür noch lange nicht auf unsere Reserven zurückzugreifen müssen. Ich denke, wir haben noch reichlich andere Kombinationen und Einflüsse in petto, die wir noch nie benutzt haben und in Zukunft offenbaren werden.

Hail The Sun hätten eigentlich im Dezember 2020 mit The Fall Of Troy nach Deutschland kommen sollen, um sie auf der „15 Years Anniversary“-Tour zu ihrem Album „Doppelgänger“ zu begleiten. Wie wichtig war diese Platte für eure Musik?

Donovan: Das Album war monumental für mich. Ich mochte, dass es so verrückt war, aber ich mir trotzdem die Refrains merken und mitsingen konnte. Es war ein Gamechanger.

Shane: Dieses Album ist eine Amalgamierung von all dem, was in der Hardcore-to-Post-Hardcore Entwicklung der frühen 2000er Jahre besonders war. Die Dynamik, das Timing, die Vocals, die Lyrics, das Drumming und die Riffs – es ist alles die perfekte Zeitkapsel dafür, wohin die Rockmusik sich, infolge dessen, entwickelte. Ob das überhaupt beabsichtigt oder der Band bewusst war, ist zu debattieren, aber das macht es für mich noch viel besonderer. Es fühlt sich an wie eine natürliche Perfektionierung ihrer Arbeit und sie haben damit die Bühne für die nächste Generation der Rockmusik bereitet. Ein Fun Fact: Ich kannte „F.C.P.R.E.M.I.X.“ von „Guitar Hero II“, aber Donovan zeigte mir die ganze Fall Of Troy-Diskografie und hat mein Interesse geweckt, kurz bevor ich bei Hail The Sun eingestiegen bin.

Ein Einfluss von Hail The Sun, der im ersten Moment vielleicht etwas überrascht, sind die britischen Prog-Rocker Yes.

Shane: Ich weiß, dass der Rest der Jungs über die Jahre mehr in diese Band eingefunden hat, aber das ist meine persönliche Referenz. Yes und andere Pioniere der progressiven Rockmusik waren fundamental darin, einen Sinn für Freiheit in der Musik zu entwerfen. Sie haben alles ausprobiert, was sie wollten, von zwölfminütigen Epen bis hin zu kurzen, instrumentalen Stücken von den einzelnen Bandmitgliedern. Experimentieren ist der Kern progressiver Musik und der Wissenschaftler in mir hat schon immer aus dieser Form der kreativen Freiheit geschöpft.

Wie verhält es sich mit eurer Musik, die ich als „echten“ Post-Hardcore beschreiben würde – fernab von Synthesizer-überspitzten Metalcore. Siehst du darin etwas Progressives, das dieses Genre ausmacht?

Donovan: Ich bin glücklich, dich das sagen zu hören. Für mich steht das Genre für jede Menge aggressiver Beats, Melodien und Hooks ist. Ich mag es, wenn es mich mitnimmt und immer wieder in andere Stimmungen versetzt und unerwartete Wendungen nimmt.

Shane: Für mich ist Post-Hardcore gewissermaßen zu einer neuen Definition von „progressiver“ Musik geworden, weil es im Kern von Post-Hardcore darum geht, unterschiedlichste Emotionen zu vermischen. Ob wir harte mit soften Parts mischen, wütende mit schönen, schnelle mit langsamen oder etwas anderes, wir bleiben immer im Kern des Genres, in dem wir diese Elemente kombinieren.

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