Impericon-Festivalreporter @FULL FORCE – Mareike


Headbangen und abrocken inmitten von industriellem Chic und Badestrand

Die Anreise

Das Gelände befindet sich nicht allzu weit von der Autobahn, damit bleibt eine langwierige Anfahrt über Landstraßen aus. Nach ungefähr 5 Stunden Fahrt kamen wir Freitagmorgen um 6 Uhr am Festivalgelände an und damit 4 Stunden zu früh. Online stand, dass der Check-In ab 10 Uhr besetzt ist und geöffnete wurde pünktlich um 10. Ich erhielt mein Bändchen und somit auch die Parkvignette. Die Erfahrung hat mich eines gelehrt: besorgt euch die Vignetten vorher, dann könnt ihr auch früher ins Camp und euer Zelt aufschlagen. Bei unserer Ankunft war dieses schon zu 70% gefüllt.

Friss Staub Baby

Wir hatten Glück und ergatterten noch einen Platz inmitten des Black Velvet Camps. Im hinteren Teil des Camps hatte man nicht gemäht, weshalb 20 cm hoch die Gräser und Disteln auf dem Platz standen. Wie sich herausstellte, war auch unser Platz nicht die beste Wahl. Ich hatte nicht erwartet, dass auf dem Campingplatz doch so reger Autoverkehr herrscht. Alles kein Problem, wenn der Staub nicht gewesen wäre. Jedes vorbeifahrende Auto wirbelte ihn auf, sodass wir den ganzen Tag von einer dicken Staubschicht bedeckt waren.

Entschädigt für den Dreck wurden wir durch den See, in den man an verschiedenen Badestellen gehen konnte. Ich würde mir beim nächsten Mal einen Sonnenschirm mitnehmen, denn Schatten war Mangelware.

Und wie steht es um die Hygiene?

Duschen und Toiletten waren genügend vorhanden. Wie so oft musste auch hier extra bezahlt werden. Das Wasser war kalt und tröpfelte eher aus den Duschen als zu fließen.

Vorbildlich gelöst hatte man die Reinigung der Dixis. Sie wurden sehr oft geleert, sodass man sich nie auf eine überfüllte Toilettenkabine begeben musste. Auch Toilettenpapier war immer vorhanden. So top organisiert habe ich das bisher noch auf keinem Festival erlebt.

Das Festivalgelände

Zum Gelände konnte man mit dem Shuttle fahren oder sich für einen 15-minütigen Fußweg entscheiden. Der Bus hielt an zwei verschiedenen Haltestellen, am Ende und am Anfang der Camps. Von der zweiten Haltestelle dauert es nur noch knapp 4 Minuten bis zum Gelände.  Dort angekommen sah man zuerst die „Hardbowl“-Stage oder auch Zeltbühne. Nach der „Hardbowl“ kam die „Mad Max“-Bühne, welche sich in einer Senke befand, gesäumt von mehreren Rängen und drei großen Baggern. Die Kulisse ist sagenhaft und passt bildlich wunderbar zu einem Rock/Metalfestival. Wenn die Füße weh taten oder man bei der Hitze etwas Schatten brauchte, konnte man sich auf die mittleren Ränge zurückziehen. Gerade bei den Headlinern saßen die Ränge voll, denn man hatten von ihnen einen tollen Blick auf die Bühne, ohne sich in der Menge nach vorne drängen zu müssen. Auch war der Sound auf allen Bühnen sehr gut. Bei der „Mad Max“ in der Senke ein wenig besser, als auf den Rängen, aber das ist Meckern auf hohem Niveau.

Ich hätte mir ein paar mehr Schattenplätze gewünscht, denn wir hatten sehr heißes Wetter. Zum Beispiel ein paar Pavillons auf der vorderen Essensmeile. Im hinteren Bereich hatte man daran gedacht, dort gab es auch einige Bierzeltgarnituren und einen kleinen Spielplatz, der sich reger Beliebtheit erfreute. Zur Erfrischung konnte man sich von einem Tröpfchenregen berieseln lassen oder gleich zur „Medusa“ gehen. Die dritte und somit letzte Bühne befand sich direkt am Strand. Man konnte Baden gehen und gleichzeitig Bands ansehen. Das hatte etwas von Badeurlaub und hat mich den Staub vom Campingplatz vergessen lassen.

Die Bands

Ich habe tatsächlich alle Bands gesehen, wie es mir vorgenommen hatte. Alle waren soweit wirklich gut und ich hatte viel Spaß bei den Konzerten. Es gab allerdings auch ein paar Enttäuschungen. Bei The Amity Affliction kam der Sänger der Cleanvocals leider nicht ganz so hoch, wie man es von der Platte gewohnt ist. Irgendwie hatte ich mir mehr erwartet. Der Sänger von Ignite kürzte wie immer seine eigenen Texte und ließ Wörter weg. Fred Durst von Limp Bizkit redete mehr, als er sang und nach 10 Minuten hatte ich die Faxen dicke. Parkway Drive lieferten hingegen eine geile Show ab und auch meine anderen Favoriten, Bury Tomorrow, Sondaschule, While She Sleeps und Beartooth waren wirklich geil.

Mein überraschendes Highlight waren Gutalax. Ich bin mehr durch Zufall bei ihrem Konzert gelandet. Man hatte sie mir während der Fahrt zu Gelände empfohlen. Ihr Stil ist schwer zu fassen. Ich hatte jedoch super viel Spaß bei ihrem Konzert. Die Jungs machen einfach abgefahrene Musik. Gekleidet waren sie in weiße Maleranzüge und hatten Klobürsten dabei. Nach ihrem Auftritt auf der „Medusa“-Stage sind sie an den Strand und einfach mit den anderen Festivalbesuchern schwimmen gegangen.

Mein Fazit:

Beim nächsten Mal würde ich mir definitiv keinen Platz mehr an den Fahrtwegen aussuchen, dann ist es mit dem Staub auch nicht so schlimm. Das Preis-Leistungsverhältnis ist in Ordnung. Nur finde ich die zusätzlichen kosten wie Parkvignette für 30€ und die Dusch- und Shuttleflat unschön. Die Vignette sollte ins Ticket inbegriffen sein. Die Kulisse finde ich fabelhaft. Der Badesee ist gerade an heißen Tagen eine Wohltat. Der Timetable war so strukturiert, dass ich immer gut von Konzert zu Konzert wechseln konnte. Man musste sich beeilen, aber es war machbar. Das Line-Up hat mir ebenfalls gut gefallen und ich hatte 3 Tage gefüllt von guter Musik. Die Stimmung und die Gäste waren entspannt.

Für mich ist eines ganz klar, dass Full Force wird mich wiedersehen.

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