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Impericon – How To Be Hardcore: Musikgenres


Es gibt wenige Dinge die cooler sind, als in Diskussionen über Musik mit Halbwissen zu glänzen, obwohl man eigentlich absolut keine Ahnung hat. Falls auch ihr das Hardcore-Äquivalent zum Yu-Gi-Oh!-Karten sammelnden Nerd sein wollt, aber keinen Bock darauf habt, erst unzählige todlangweilige Wikipedia-Artikel zu lesen, dann solltet ihr euch folgenden Guide geben, der euch kurz und knapp die beliebtesten Subgenres erklärt.

Metalcore

Beginnen wir mit dem Klassiker, also quasi dem Converse Chuck Taylor All Star der harten Musik: Metalcore. 2003 war es extrem einfach eine Metalcore-Band zu identifizieren: Knallenge Hosen, Typen mit einem BMI von 14 und einem Emo-Haarschnitt, mit dem die Teilnahme am Straßenverkehr aufgrund von Sichtbehinderung vollkommen unmöglich ist. Heutzutage hat sich das Aussehen weitestgehend normalisiert. Musikalisch gesehen dominiert in dieser Sparte gutturaler Gesang, sprich Screams und Growls, abhängig vom individuellem Stil der Band. Da cleaner Gesang ein gewisses Maß an Talent erfordert, verzichten viele Bands diesen Genres einfach darauf und so hört man selten eine cleane Hook oder gar ganze cleane Gesangsparts. Von der Spielart her ist Metalcore bodenständig, geradeaus und ehrlich. Technische Raffinesse findet man eher selten, dafür  müssen sich Bands oftmals vorwerfen lassen, dass sie mehr Breakdowns pro Minute haben, als alle Bandmitglieder zusammen Finger besitzen. Das Anhängsel „Core“ kommt übrigens daher, dass sich im Metalcore Elemente des Hardcore, wie zum Beispiel Gang Shouts und lyrische Themen irgendwo zwischen persönlichen Weltschmerz und Politik, finden lassen. Da man hier gut Mitglieder des traditionellem (Extreme)Metal und des Hardcore Punk abholen kann, ist es nicht verwunderlich, dass Metalcore wohl das einflussreichste und beliebteste Genre der Gattung „Harte Musik“ ist.

Hörenswertes Beispiel:

 

Hardcore

Als ich Hardcore privat noch nicht gehört habe, dachte ich immer, dass man mit ‚Hardcore‘ lediglich diese fiese harte Technomusik aus Holland bezeichnet, welche man in der Regel aus dem bassverstärkten Boxen eines getunten Peugot 106 hört, während er mit 95 Km/h über die Dorfhauptstraße brettert um es ja rechtzeitig zum Tuningtreffen auf dem lokalen McDonalds-Parkplatz zu schaffen. Hier reden wir aber von Hardcore Punk, der sich aus dem regulären Punk entwickelt hat und seine Wurzeln irgendwo den USA der 80er hat. Eine kleine Unterteilung:

Oldschool Hardcore

Als Oldschool Hardcore bezeichne ich die musikalischen Anfänge des Hardcore Punk 1980 bis irgendwann Ende der 90er Jahre. Fans des Genres werden euch sagen, dass es nach der Jahrtausendwende kein wirklich HC-Album mehr gab, das noch wirklich true ist. Instrumentalisch gesehen klingt dieses Subgenre punkig, roh und vor allem groovig. Da sich das Genre direkt aus dem Punk entwickelt hat, hat es leider auch die große Schwäche des Punks adaptiert: Niemand in dieser Szene hat jemals einen Fick auf musikalische Qualität gegeben und so klingen die Vocals gelinde gesagt: beschissen. Ja, ich weiß: die Lyrics sind voll true, und eigentlich sollte man ‚passion before fashion‘ sein, aber ich habe eben auch einen gewissen ästhetischen Anspruch an die Musik, die ich höre. Übrigens gibt es auch moderne Bands, die Oldschool Hardcore spielen, was ich persönlich ziemlich angenehm finde, da hier auch ein gewisses Maß an (Sound)Qualität vorhanden ist.

Hörenswertes Beispiel:

Moderner Hardcore

Für mich ist moderner Hardcore irgendwie alles, was so nach 2004 auf den Markt gekommen ist. Von der Spielarther klingt es wuchtiger als seine Vorgänger und vor allem wesentlich sauberer. Dadurch wirkt die gesamte Musik weitaus weniger abgefuckt, wodurch leider auch etwas Charme verloren geht. Es ist ein schmaler Grat zwischen dem typischen Arbeiterklasse-Hardcore-Feeling und einer gewissen Ästhetik und Qualität. Während Metalcore auf aggressive Schnelligkeit setzt, wirkt Hardcore eher groovig und tanzbar. Die Musik setzt stark auf das Gruppenfeeling und entfaltet ihre volle Wirkung erst richtig auf Konzerten, wo ihre Anhänger im sogenannten Pit die neusten Tricks aus der Kampfsportschule und der KiBoTu-Gruppe ( Kinder-Boden-Turnen ) zeigen. Durch den natürlichen Groove müssen Hardcore-Bands auch keine Breakdowns spielen, um irgendwie Rythmus von den Instrumenten auf das Publikum zu übertragen. Im Gegensatz zu früher klingen vor allem die Vocals von Modern Hardcore wesentlich angenehmer und professioneller. Lyrisch liegen die Themen heutzutage zwar etwas weiter gestreut, orientieren sich aber trotzdem stark an der Oldschool-Szene.

Hörenswertes Beispiel:

Eine kleine Faustregel um Oldschool und Modern voneinander zu trennen: Ist das Album länger als 24 Minuten, dann ist es Modern Hardcore, liegt es darunter, dann ist es Oldschool Hardcore.

Deathcore

Wenn Metalcore ein präzises Skalpell ist, dann ist Deathcore ein stumpfes mit Rostflecken übersähtes Fleischerbeil, wo noch bisschen Schweinenacken dran hängt. Deathcore vereint in sich Elemente aus dem Metalcore, dem Hardcore und natürlich dem guten alten Death Metal. Hörtechnisch erkennt man Deathcore sofort an den schnellen Blastbeats und an der allgemein schnelleren Spielart. Wenn ihr euch nicht sicher seid, dann achtet einfach darauf, ob das Lied harmonisch wirkt oder nicht, denn Lieder diesen Genres sind meistens disharmonisch aufgebaut, nennt man übrigens Dissonanz. Weiterer Indikator ist, dass man in diesem Genre viel öfters tiefere und kehligere Growls hört und bewusst versucht wird das typisch „menschliche“ aus der Stimme zu verbannen. Dadurch wirkt die Musik zwar wesentlich schneller, schwerer und brutaler, aber eben auch dumpfer. Moderne Deathcore-Bands teilten sich lange Zeit den Kleiderschrank mit den Metalcore-Bands so um 2004, mittlerweile erkennt man eine Deathcore-Band  aber meistens daran, dass der Sänger Tunnel mit 40+ mm trägt.

Hörenswertes Beispiel

Grindcore

Grindcore findet irgendwo jenseits der 180 BPM und fern ab von jeglichem guten Geschmack statt. Während die Bands halbwegs planvoll auf ihre Instrumente eindreschen, gibt der Sänger die unmenschlichsten Geräusche von sich, die ein Kehlkopf hergeben kann. Irgendwas zwischen extrem tiefen Growls und Pig Squeals, also quasi ein Sound zwischen dem Herrn der Finsternis und einem abgestochenem Schwein. Verstehen kann das schon lange keiner mehr und angeblich ging es in der Anfangszeit lyrisch viel um antifaschistische und anarchische Themen, was durchaus interessant ist, aber eine Message die man nicht hören kann, kann auch nicht transportiert werden. Die Wurzeln des Grindcore liegen im Crustcore und obwohl ich nicht der größte Fan bin, kann ich nachvollziehen, wieso dieses Genre einige hartgesottene Fans hat. Man sollte Grindcore übrigens nicht mit dem Genre Goregrind verwechseln, wo es viel um das Zersägen von Menschen geht.

Hörenswertes Beispiel:

Ordnet man übrigens Genres nach der Verständlichkeit der Lyrics, dann gilt immer: Hardcore —> Metalcore —> Deathcore —> Das weiße Rauschen im TV-Gerät –> Grindcore

Mit dieser kleinen Bibliothek könnt ihr vielleicht keine Hausarbeit über Hardcore schreiben, aber euch wenigstens halbwegs an Diskussionen in Konzertschlangen beteiligen, wo es sowieso immer nur darum geht, dass früher alles besser war. Haltet Ausschau nach einem weiteren Teil, wo wir Melodic Hardcore, Post Hardcore, Djent und Beatdown genauer unter die Lupe nehmen werden.

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