Impericon How To Be Hardcore Straight Edge


Ihr wolltet schon immer mal wissen, wie man Straight Edge lebt?  Was haltet ihr davon, eurer schäbigen Dorfhardcoreszene beizutreten? Klingt prinzipiell gut, aber ihr habt keine Ahnung was Hardcore-Kids den lieben langen Tag so machen? Kein Problem, Impericon stellt den ultimativen Guide auf die Beine, damit ihr in Zukunft auf Konzerten auch bei völliger Ahnungslosigkeit mitreden könnt.

Was ist Straight Edge

Falls eure Mutter fragt, was Straigth Edge ( auch „sXe“ geschrieben ) übersetzt bedeutet, dann solltet ihr nicht wortwörtlich ( „glatte Kante“) übersetzen, sondern lieber sinngemäß ( „nüchterner Vorteil“ ). Als eure Eltern noch voller Stolz und Modebewusstsein Vokuhila und Jogginganzüge aus Ballonseide trugen, begründete die Punk Band Minor Threat im Jahre 1981 mit ihrer gleichnamigen EP die Straigth Edge-Bewegung. Diese Band hat etwas später mit dem Song ‚Out Of Step‘ quasi die sXe-Bibel geschrieben, welche aus drei sehr kurzen Imperativ-Sätzen besteht:

„Dont Smoke. Dont Drink. Dont Fuck“

Obwohl die Bewegung als Gegenentwurf zum Sternburg indizierten Totalausfall von Punks „entworfen“ wurde, wurde sie dennoch von Leuten kreiert, die extrem wenig auf Regel geben. Auch gab es nie die Absicht eine drogenfreie Szene zu schaffen, dennoch leben ihre Anhänger nach bestimmten Regeln, die ihr befolgen solltet, falls auch ihr sXe sein wollt:

Trinkt keinen Alkohol

Eigentlich super simpel: Wenn ihr feiern geht, dann bestellt euch Wasser oder eine Mate statt Bier. Falls ihr sehr an Alkohol gewöhnt seid, könnt ihr euer Bewusstsein austricksen indem ihr einfach alkoholfreien Wodka Energy bestellt. Klingt langweilig? Nicht wirklich: Ich selbst lebe schon seit einiger Zeit straight edge, fühle mich dabei aber durchaus sozial integriert und feier mittlerweile härter, als mein 18 Jähriges Ich, welches zur Happy Hour 4 Long Island Iced Tea pro Stunde vernichtet hat, um danach nur mit Unterhose auf der Straße zu liegen und einem völlig wildfremden ebenso weggeballerten Typen seine ewige Freundschaft zu schwören.

Hört auf zu Rauchen

Selbst als Nichtraucher kennt ihr sicherlich dutzende Stories von Rauchern, die aufhören wollte, es aber nicht konnten. Dies zeigt, wie extrem die Suchtsituation beim Rauchen eigentlich ist und warum Kippen bzw. Tabak bei Straight Edge nichts zu suchen haben.

 

Nehmt keine anderen Drogen

Die Grenze zwischen weichen und harten Drogen halte ich immer für schwierig, aber die Faustregel ist: Alles was ihr bei „Ecstasy Dave“ am Hauptbahnhof kaufen könnt, ist potentiell eine harte Droge. Ich weiß, dass die Vice ungefähr zweimal in der Woche einen Artikel rausbringt, in dem es darum geht ,wie geil MDMA doch eigentlich ist. Weiterhin weiß ich auch, dass jeder in seinem Freundeskreis irgendeinen Elektro-Typen hat, der wegen seinem Medien-Studium nach Berlin gezogen ist und der euch immer von den 3-Tage-Partys im Berghain vorschwärmt, wo einfach alle drauf sind. Doch vergesst nicht, dass euer Kumpel nebenbei vermutlich Ticken muss, um seine eigene Sucht zu finanzieren, und in 20 Jahren nach einem Schlaganfall sein Deep House nur noch im Pflegeheim hören wird.

Entfernt Süchte aus eurem Leben

Wenn ihr eine sXe-Person auf das Thema vorehelichen Sex ansprecht, dann stellt euch schon mal auf eine ausufernde Abhandlung ein. Nimmt man die Zeilen von Minor Threat wörtlich, dann bedeutet sXe eigentlich völliger Zölibat. Dies ist aber was für alte weiße Männer die in Prunkbauten wohnen und mit veruntreutem Geld am Ende der Woche ausufernde Sexpartys feiern. Die Grenze zwischen Sucht und Leidenschaft ist manchmal fließend, so beschränkt sich eine Sucht nicht nur auf Drogen und Sex, man kann auch von Dingen wie World of Warcraft, Adventure Time und 90er Jahre-Techno abhängig werden. Falls dies bei euch so ist, dann schafft diese Dinge aus eurem Leben, denn es geht darum, dass euer Verhalten nur von eurem eigenen ungetrübten Gedanken gesteuert wird. Falls ihr aber einfach gewisse Dinge gerne tut und vollkommen ehrlich zu euch selbst sagen könnt, dass sie euch nicht abhängig machen, dann könnt ihr sie auch weiterhin ausführen.

Verzichtet auf Fleisch, Milch und Eier

Besonders in Deutschland wird Veganismus oftmals als Grundbestandteil von sXe gesehen, tatsächlich kam die vegane Lebensweise aber erst 1988 zur Bewegung hinzu. Vegan zu leben ist vermutlich noch simpler als sXe zu sein. Verbannt einfach Fleisch, Milch und Eier aus eurem Speiseplan und ersetzt diese Lebensmittel durch leckere Alternativen wie Steine, Reis und Ketchup. Fertig.

Seid keine Straight Edge – Polizei/Hardliner

Hardliner haben sich Anfang der 90er Jahre gebildet und gingen gegen alles vor was in ihren Augen unnatürlich ist: Alkohol, Fleisch, Homosexualität. Sympathisch, oder? Heutzutage existieren solche Leute gottseidank kaum noch, aber es gibt sie noch in abgeschwächter Form: Die Straight Edge – Polizei, welche ich gerne als „Die deutschen Kleingärtner der Hardcore-Szene“ bezeichne. Regeln und Gebote sind für sie alles auf der Welt und natürlich sorgen sie in ihrer Gemeinschaft lautstark für die Einhaltung dieser. Ihr Hauptargument: „Wohin kommen wir denn, wenn das jeder so machen würde?!“  ihr Credo: „Er/Sie ist solange ein Poser, bis das Gegenteil bewiesen ist.“ Ihr tragt Air Max mit Leder? Poser. Ihr habt noch nie völlig zugrunde gerichtete Zombie-Hühner aus einer Eierfabrik befreit? Poser. Ihr verachtet nicht jeden, der Alkohol trinkt? Poser!

Vergesst nicht, dass es bei sXe darum geht ein positives Beispiel zu sein und das Verzichten eine sehr private Entscheidung ist. Ihr werdet dadurch nicht zu einem besseren Menschen, geschweige denn ein Held mit veganen Superkräften, also benehmt euch nicht wie ein elitäres Arschloch.

 

Legt um Gottes Willen keinen Facebook-Meilenstein an oder macht ein „x“ in euren Namen

Ich weiß, es ist toll als Individuum ein Teil einer Bewegung zu sein, das geht mir nicht anders. Aber Szenecodes und Sichtbarkeit nach Außen hin haben wenig mit Straight Edge zu tun und sollten dementsprechend auf ein Minimum beschränkt werden. Ein Shirt mit XXX-Aufdruck oder ein sXe-Tatto? Coole Sache. Den eigenen  Namen von  Kevin Müller zu „xKevin Edgecore MülleRx wohnhaft in Castrop-Rauxel Straight Edge“ ändern? Lieber nicht.

Nennt euch selbst nicht „Edger“

Habt bitte etwas Respekt vor unseren ostdeutschen Mitmenschen (Ich bin übrigens gebürtiger Sachse), die es selbst nach 5 Jahren Sprachschule nicht hinbekommen würden das englische Wort „Edger“ auszusprechen, ohne dabei wie der letzte Bauer zu klingen.

Wenn ihr diese Regeln befolgt, dann könnt ihr euch als „Straight Edge“ bezeichnen und werdet nie wieder ein Oktoberfest besuchen können, ohne dabei zu verdursten oder zu verhungern. Was sind für euch noch integrale Bestandteile der Hardcore-Subkultur und sollte demnach in unserem nächsten How to be Erwähnung finden? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

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