Interview Hope For The Day

Interview mit Hope For The Day-Gründer Jonny: „Der Tod von Chester und Chris hat vielen die Augen geöffnet“


Natürlich ist Jonny Boucher, Gründer, CEO und vor allem Gesicht der Mental Health-Organisation HOPE FOR THE DAY auch 2018 wieder bei allen Dates der Never Say Die! Tour am Start. 

Nicht zuletzt auch, um mit euch/uns über die täglichen Struggles zu sprechen und dafür zu sensiblisieren: IT’S OKAY NOT TO BE OKAY. Wir haben uns vor dem Kick off der Tour mit Jonny getroffen, um darüber zu sprechen, was mit Hope For The Day seit unserem letzten Interview im Herbst 2016 (hier nachzulesen) passiert ist und was der Tod von Chris Cornell und Chester Bennington für seine Arbeit bedeutet hat.

Hope For The Day Jonny

Impericon: Bring uns auf Stand, was gibt es Neues bei dir und Hope For The Day? 

Jonny Boucher: Puh, seit unserem letzten Treffen ist Hope For The Day in so vielen Bereichen gewachsen, lokal, national und auch international. 2017 war ein großes Jahr für uns, die Warped Tour war großartig und mit tollen Partnern wie Neck Deep, Beartooth und jeder Menge anderer Bands konnten wir dazu beitragen, das Schweigen zum Thema Mental Health zu brechen. Wir waren dann auch noch bei der Neck Deep UK/Euro-Tour am Start und verkündeten den Start der Fundraising-Aktion für unsere Café Bar „Sip of Hope“. Es ist das weltweit erste Café, bei dem 100 Prozent aller Einnahmen in die proaktive Suizidprävention und die Aufklärung von psychologischen Erkrankungen fließen. Danach waren wir bei der Never Say Die! Tour 2017 am Start, mit unseren Homies von Chelsea Grin – leider hatte ich ein kleines gesundheitliches Problem und musste die NSD-Tour absagen, um mich in den Staaten behandeln zu lassen. Das konnte aber Gott sei Dank alles geklärt werden und ich habe diesen Cut vielleicht auch gebraucht, um jetzt mehr auf meine Gesundheit zu achten. Da ich sehr viel unterwegs bin, wird die oft als erstes vernachlässigt. Im Mai 2018 konnten wir dann Sip Of Hope in Chicago eröffnen und seitdem wurde es von Tausenden von Leuten aus aller Welt besucht, sogar aus den Niederlanden und der Schweiz! Wir wurden dann in der Today Show und auch im Rahmen der Obama Foundation gefeatured und waren natürlich auch bei der letzten Vans Warped Tour diesen Sommer am Start-

Das klingt krass…

Ja! In den letzten 5 Jahren haben wir über 250.000 Info-Flyer verteilt, ich habe über 1.200 Reden gehalten, auf Bühnen über die ganze Welt verteilt und wir haben mit so vielen Leuten gesprochen, über gute wie auch schlechte Tage – it was unreal.

Und wie hast du dich dabei persönlich verändert? Du hast im letzten Interview erzählt, dass du Dinge wie Yoga und Meditation brauchst, um die Storys, die du jeden Tag hörst, nicht zu nahe an dich ranzulassen. 

Ich bin jetzt 33, also muss ich mich um meine Gesundheit kümmern und darum, dass es mir insgesamt gut geht – ansonsten wird diese Organisation auch nicht die Ziele erreichen, die wir geplant haben. Yoga, Lesen, Training und gesunde Ernährung sind für mich zu einem Muss geworden. Als ich 2017 diesen gesundheitlichen Rückschlag erlebt habe, hat mir das die Augen geöffnet, dass ich mich so um mich selbst kümmern muss, wie ich mich auch um Hope For The Day kümmere.

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Leider haben wir in der letzten Zeit ja viele Menschen, auch Musiker, an Suizid verloren. Die beiden prominentesten Fälle waren wahrscheinlich der Tod von Chester Bennington und Chris Cornell. Denkst du, das hat auch verändert, wie präsent das Thema Suizid in der Musik-Szene heute ist? 

Ja, der Tod dieser beiden ikonischen und einflussreichen Menschen hat viel daran geändert, wie wir in der Branche über Mental Health und Suizid denken. Sowohl Chris als auch Chester hatten „alles“ und das hat vielen die Augen geöffnet, aber: Jede Tragödie hinterlässt die Chance, etwas Gutes aus dem Schmerz zu ziehen. Ihre Suizide sind ein Weckruf für diese Branche, weil wir sicherstellen müssen, dass wir Fans etwas mitgeben, das sie auf den richtigen Weg bringt. Gott sei Dank spricht die Gesellschaft immer mehr über das Thema „Mental Heatlh“, was Leuten die Chance gibt, sich dahingehend mehr zu öffnen. Das sieht man auch daran, dass unsere Gespräche mit Betroffenen einfacher geworden sind. Das wird dazu führen, dass mehr Menschen die Hilfe bekommen, die sie verdienen.

Im NSD-Lineup von 2018 sind vor allem Bands aus dem Melodic Hardcore-Genre vertreten. Gerade in der Musikrichtung wird das Thema „Mental Health“ ja sehr „offensiv“ angegangen, sowohl in Songs als auch live in Bühnenansprachen. Siehst du da Unterschiede zwischen verschiedenen Genres, wenn es darum geht, über das Thema zu sprechen? 

Ich glaube an die Power von Musik und ich glaube, das Musiker ihre Talente nicht nur dafür nutzen sollten, um Krach zu machen. Man sieht schon eine große Akzeptanz für das Thema im Melodic Hardcore-Bereich, aber ich glaube jedes Genre spricht am Ende über gute und schlechte Tage, die man im Leben so hat. Die meisten Songs handeln davon, wie man sie übersteht, aber viele Songs sind auch für diese Momente gedacht, in denen wir alleine in unseren Zimmern oder im Auto sitzen und einfach nur mitgröhlen, weil wir es gerade brauchen. Am Ende des Tages muss uns klar sein: Wir sprechen über Menschen, nicht Depressionen, Sucht, Selbstmord etc. – MENSCHEN. Also ist es unsere Aufgabe, mit allen möglichen Genres zu arbeiten, weil psychische Probleme vor niemandem Halt machen. Es beeinflusst alle Bereiche im Leben und gibt einen Fick drauf, wer du bist und welche Musik du gerne hörst.

Du wirst die Tour ja jeden Abend sehen – auf welche Band aus dem Lineup freust du dich besonders? 

Ich bin ein großer Fan der Tour, war ich schon immer, trotz oder gerade wegen der unterschiedlichen Genre-Ausrichtungen. Die Never Say Die! Tour steht für etwas viel Größeres, es ist ein „Safe Space“ mit großartiger Musik, die eine großartige Botschaft transportieren möchte und wir sind stolz darauf, zum fünften Mal dabei zu sein. Aber ich muss sagen, ich habe eine große Schwäche für die Shows von Being As An Ocean. Sie sind nicht nur eine meiner Lieblingsbands, sondern auch großartige Menschen. Wir sehen uns im Pit, oder?


Davon kannst du ausgehen, Jonny…

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