Interview Jesse Barnett

Interview mit Jesse (Stick To Your Guns): Darum gibt es auf dem neuen Album keinen Song über Donald Trump


Beim Abtippen dieses Telefoninterviews mit Jesse Barnett habe ich so viel Liebe für Stick To Your Guns verspürt, dass ich am liebsten sofort den ganzen Shop leer kaufen und mir das STYG-Logo auf die Stirn tätowieren lassen würde. Was für eine großartige Band, was für ein beeindruckender Typ. Aber lest selbst.

Nicht mehr lange bis zum Release – was treibst du gerade?

Ich habe gerade meine Mails gecheckt und zu Ende gefrühstückt. Ansonsten bereiten wir uns auf die Release-Shows vor: drei in Canada, eine an der Ostküste in New York und vier an der Westküste.

Und daaaann geht es auch schon nach Europa.

Genau.

Und wie erlebst du die Zeit gerade? Ich stelle es mir ziemlich aufregend vor, das Album fertig zu haben und jetzt auf den offiziellen Release warten zu müssen.

Ja klar. Gerade bin ich noch sehr nervös und hoffe einfach, dass Leute die Songs mögen werden. Aber…also ich sehe das Ganze mit Stick To Your Guns so: Wir haben angefangen, da war ich gerade 15 oder 16 und dann bin ich von der Highschool runter, um diese Band zu machen und an manchen Tagen kommt es mir surreal vor, weißt du was ich meine? Ich bin sehr glücklich, aber vor jedem Release denke ich mir: Okay, das war’s jetzt, keiner wird einen Scheiss auf dieses Album geben – aber das ist okay, weil mir das Leben, das ich jetzt habe, gar nicht zusteht. Auch wenn es morgen zu Ende gehen sollte: Ich bin glücklich.

Ich glaube die Gefahr, dass „keiner einen Scheiss“ auf TRUE VIEW geben wird, ist ziemlich gering: Die Reaktionen auf eure ersten Singles waren sehr positiv. Fans fühlten sich an das Material eures Debüts FOR WHAT IT’S WORTH erinnert – klingt der Rest des Albums ähnlich?

Es gibt definitv härtere Nummern auf dieser Platte, ähnlich älterem Material. Aber gleichzeitig wird immer noch viel gesungen, es ist melodisch, wie der neuere Stick To Your Guns-Shit. Ich glaube die Platte zeigt, dass wir ziemlich gut darin sind, unsere alte und neue Welt zu mischen.

Und wird es wieder eine ruhige Nummer wie „Left You Behind“ geben?

Nicht SO ruhig, aber es gibt schon ähnliche Lieder: Eins heißt „56“ und ein anderes „The Reach for Me: ‚Forgiveness of Self'“. Die klingen ähnlich wie „The Crown“ und sind für mich ziemlich wichtige Songs.

Das Artwork zu TRUE VIEW unterscheidet sich ziemlich von euren anderen Alben – kannst du mal erzählen, was dahinter steckt?

TRUE VIEW PreorderDafür ist Donny Phillips verantwortlich, ein richtig guter Freund von mir. Er hat früher bei The Warriors gespielt, eine Band die ich geliebt habe. Er hat auch schon für Trade Wind was gemacht und ist für das Cover von DISOBEDIENT verantwortlich. Auf dem Cover von TRUE VIEW sind alle Songs abgebildet. Ich habe mich mit ihm zusammen gesetzt und ihm erzählt, worum es in den einzelnen Tracks geht. Dann hat er die Info genommen und grafisch umgesetzt. Es geht auf dem Album vor allem darum, sein wahres Potential zu verstehen und wer man wirklich sein möchte. Und ich glaube Donnie hat das echt großartig gemacht.

Jetzt eine Frage, die von einem unserer Facebook-Fans stammt: Nachdem aktuell gefühlt jede Band einen Song über/gegen Trump macht: Habt ihr auch so eine Nummer auf TRUE VIEW?

Das ist tatsächlich eine gute, sehr sehr großartige Frage. Haben wir nicht – und das war eine bewusste Entscheidung. Natürlich gibt es wieder politische und sozialkritische Songs, aber zum Großteil ist es ein sehr selbstkritisches Album, die Leute werden überrascht sein. Ich wollte das so, denn zu der Zeit wenn TRUE VIEW draußen ist, hat unsere Szene schon SO viele „Fuck Donald Trump“-Songs – wir brauchen nicht auch noch einen schreiben. Wir wollten der Hardcore-, Metalcore- und Punk-Scene was Neues bieten. Denn so sehr wir Donald Trump auch alle verabscheuen, als Individuen können wir nichts ändern, bis wir nicht uns selbst genug zutrauen. Du willst die Welt verändern – aber du kannst nicht mal dich selbst verändern?! Ich hatte deshalb jede Menge Schuldgefühle, weil ich jeden Abend auf die Bühne gegangen bin, über Revolution und Veränderung gesprochen habe – und zur selben Zeit war ich depressiv, ich bin echt durch jede Menge Scheisse gegangen. I just felt fake. Dieses Album zu schreiben war großartig für mich, weil ich dadurch endlich wieder einen Zustand von Selbstbewusstsein erreicht habe.

Eine andere Frage, auch von Facebook: Gibt es wieder Auftritte von Guest Vocalists, wie zuletzt Scott Vogel von Terror? 

Nein. Josh wird singen und Chris – aber ich denke das zählt nicht. Wir haben echt darüber gesprochen, „okay, wen sollen wir auf diesem Album dabei haben?“ – weil es ist immer eine witzige Erfahrung, auch für die Fans, die einen Song hören und dann den Sänger einer anderen Band entdecken. Aber die Songs sind so persönlich für mich, dass es sich nicht richtig angefühlt hat, sie jemandem anders zum Singen zu geben – macht das Sinn?

Klar, es sind DEINE Songs.

Genau. Ob es um mich und meine Mom geht oder die Beziehung zu meinem Vater – diese Songs sind wirklich persönlich für mich und deshalb haben wir uns dagegen entschieden.

Eine Frage habe ich noch: Was ist dein Lieblingssong des Albums und warum? 

Ich würde sagen „3 Feet From Peace“, das ist gleich der erste Song des Albums. Das ganze Album beginnt mit einer Voicemail von meiner Mutter, die sie mir draufgesprochen hat, als ich gerade in der Scheisse steckte. Sie hat gesagt: „Du kannst jeden Ratschlag dieser Welt annehmen, von deinen Freunden oder deiner Familie, aber am Ende muss du deinen Problemen selbst ins Gesicht sehen und sie selbst angehen. Ich bin zuversichtlich, dass du auch die Stärke hast, das zu schaffen.“ Meine Mutter auf der Platte zu hören, ist sehr wichtig für mich – ihre Nachricht hat mich wirklich beeinflusst, also habe ich einen Song darüber geschrieben.

Was hat sie denn gesagt, als sie von ihrem Gastauftritt gehört hat? 

(Lacht) Haha, also sie wusste es erst gar nicht. Aber ich habe meinem Bruder das Album geschickt, er hat es meiner Mom erzählt und sie hat mich angerufen und nicht aufgehört zu weinen (lacht).

Jesse – vielen vielen Dank für das Interview! Wir freuen uns auf das Album und natürlich die Tour im Herbst. 

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