Jahresrückblick Vol. II (Hanni) – Meine Top 7 aus dem Jahr 2017


Same procedure as every year! Nur mit dem kleinen Unterschied, dass im Jahr 2017 die „kleineren“ Bands eine entscheidende Rolle gespielt haben und auch solche, die wir vorerst nicht in Shop bekommen werden. Umso trauriger.

1. Shadow Of Intent – THE RECLAIMER

Ich bin mal ehrlich und sage, dass ich bis auf ein paar kleine Ausnahmen (eine davon Children Of Bodom) kein besonders großer Fan von Keyboards bin. Und mal unter uns, das Keyboard bei Shadow Of Intent strengt doch ganz schön an. Umso besser, dass der Fokus auf THE RECLAIMER auf die brachialen, bösen, teilweise rapartigen und tiefen Voices gelegt wurde.

2. The Black Dahlia Murder – NIGHTBRINGERS

Als wenige Wochen vor dem Release der Titeltrack „Nightbringers“ rauskam, hatte ich schon etwas Bammel, dass das komplette Album eingängiger werden würde. Nach dem 6. Oktober war ich dann dementsprechend erleichtert und ernannte Songs wie „Jars“ oder „Catacomb Hecatomb“ schnell zu meinen Favoriten. NIGHTBRINGERS zeigt nochmal ein ganz anderes Spektrum an Songwriting der Band und ist für mich mit überhaupt keinem Vorgängeralbum zu vergleichen. Die Jungs haben da nochmal was Neues geschaffen, das man sich problemlos fünf Stunden am Stück rein ziehen kann.

3. Fit For An Autopsy – THE GREAT COLLAPSE

Mit THE GREAT COLLAPSE erinnern mich Fit For An Autopsy an Releases wie HEADS WILL HANG von Gojira und in einigen Passagen sogar an die Melancholie von Meshuggah. Der Blick über den Tellerrand ist aber etwas größer, langwierige Passagen bauen unglaubliche Endzeitstimmung auf. Dabei sind die Songs sehr angenehm abgemischt und wirken nicht so überdreht und basslastig, wie es uns seit Jahren doch immer wieder um die Ohren gehauen wird. Es wirkt eher, als hätte sich die Breakdown-Version von Katatonia dazu entschlossen, nicht mehr clean zu singen. Fit For An Autopsy sind ab 2018 mit Sepultura und Obscura auf Tour – eine geniale Gegenüberstellung junger und älterer Bands, die sich alle irgendwo im Death Metal bewegen. Ich werd‘ mir definitiv eine Karte kaufen.

4. Aversions Crown – XENOCIDE

Eigentlich machen Aversions Crown immer dasselbe: die Gitarre, die sehr verstörende, hohe Klänge von sich gibt, das Schlagzeug, das die Double Base-Geschwindigkeit gern beschleunigt, wieder bremst, langsamer wird und wieder beschleunigt,  Vocals, die zwischen Screams und Squeals hin und her variieren und oftmals die Gitarre begleiten. Dazu kommen noch ziemlich geile technische Riffs. Im Gegensatz zu ihrem Vorgängeralbum TYRANT haben sie das Rumgeblaste etwas schleifen lassen, dafür fokussieren sie sich stattdessen auf Melodien abseits vom Standard Deathcore-Breakdown.

5. Malevolence – SELF SUPREMACY

Metal, Hardcore-Punk, Stoner Rock: Mischt man das alles zusammen, erhält man SELF SUPREMACY von Malevolence – die einzige HC-Band, die ich als Vertreterin des Metal in meinen CD-Schrank aufgenommen habe. Blasting, Breakdowns, übelst geiles Rumgeriffe, Clean Gesang, Screams und schon fast rapartige Passagen inklusive. Das ist alles, nur kein Beatdown: In einem Interview äußerte Sänger Alex Taylor, dass die Zuordnung zum Musikstil „Beatdown“ ihn wütend mache.

6. The Hirsch Effekt / ESKAPIST

Ja, Songs wie „Lifney“ klingen anfangs wie Krach und der Schockmodus hält relativ lange an. Doch spätestens als ich diese Band in Leipzig mit dem Song „Inukshuk“ live erlebt habe, habe ich mich sofort und unsterblich verliebt. Die Grenzen dessen, was im Metal möglich ist, definieren die Jungs nicht nur neu, sondern diese Grenzen werden bis ins Unermessliche erweitert und enden nie. Genres wie Hardcore, Kammermusik, Death Metal, Jazz, Electronica und Deutsch Pop werden dekonstruiert und in das eigene künstlerische Schaffen eingesogen. Irgendwer hatte auch mal geschrieben, es ist sch*** egal, was THE HIRSCH EFFEKT jemals für Musik machen werden, die machen einfach alles richtig und perfekt. Egal ob es der Pop-Song oder das technischste vom Technischsten ist. Die haben’s einfach drauf die Jungs. Ganz großer Respekt von mir an diese Band.

7. Der Weg einer Freiheit / FINISTERRE

FINISTERRE beruht hauptsächlich auf den „Demian“ und „Steppenwolf“ von Hermann Hesse und spiegelt die omnipräsente Angst vor dem Ungewissen wider, die es als Anzeichen für den nahen Verfall der Menschen vor fast 100 Jahren schon gab und die sich im Prinzip in unserer modernen Welt wiederholt. Dank der langanhaltenden Atmosphäre in Abstimmung mit dem immer düsterer werdenden, postigen und kalten Klang ist FINISTERRE für mich eines der besten Black Metal-Alben, das das „Urgestein“ Black Metal perfekt mit modernen Elementen mischt.

PS: Ja, es fällt mir schwer, August Burns Red und Thy Art Is Murder nicht in meine Top 7 mit aufgenommen zu haben. Tatsächlich bin ich bei beiden Bands Riesen-Fan der Vorgängeralben – und dann sucht man natürlich in den neuen Releases ähnliche Elemente. Oft vergeblich…

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