Jesse Cash - Erra - Quinten Quist

Jesse Cash von Erra im Interview über die Einflüsse auf „Erra“


Am Freitag erscheint das neue Erra-Album, das schlicht den Namen der Band trägt. Gitarrist Jesse Cash erzählt uns mehr über die eigene Wahrnehmung, die verschiedenen Einflüsse und was dieses Album einhundertprozentig zu Erra werden lässt.

Hey Jesse, gab es bei eurem fünften Album etwas, das anders lief als bisher?

Dieses Album unterscheidet, dass wir uns weniger Gedanken um die Erwartungshaltung gemacht haben als zuvor. Mental gesehen haben wir es einfach gehalten: wir haben eben ein Album geschrieben. Was die Pandemie betrifft, ja, sie hat die Umstände unserer Arbeit geändert. Normalerweise habe und brauche ich zum Schreiben nicht so viel Zeit daheim. Es war ein merkwürdiges Gefühl, diesen Druck zu empfinden, jeden Tag des Jahres etwas schreiben zu müssen. Normalerweise sind wir einen Großteil des Jahres auf Tour und nicht im Studio. Das Touren unterbricht die Monotonie, zu Hause zu sein, und sorgt dafür, dass das Songwriting eine eher befreiende Erfahrung wird.

Auf dem neuen Album gibt es viele verschiedene Seiten von Erra zu entdecken. Gab es hier besondere Einflüsse, die es früher weniger gab?

Den Anfang unserer Band haben wir wohl Bands wie Misery Signals und Saosin zu verdanken. Das war immer irgendwie in unserer Musik erkennbar. Aber auf dem neuen Album gibt es Einflüsse, die bisher nicht so offensichtlich waren. Es gibt Momente, die ohne Bands wie Tool, Gojira und Meshuggah nicht möglich gewesen wäre. Dazu auch ein bisschen Nine Inch Nails, was die Midi-Sounds und das atmosphärische Layering betrifft.

Bei „House Of Glass“ ist der Tool-Einfluss ja wirklich unüberhörbar …

Diese Band war auf jeden Fall Vorbild für den Flow des Songs und insbesondere das Riff in der zweiten Strophe. Der Track war ein kleines Experiment, um zu sehen, wie sich dieser Sound im Kontext einer technischen Metalband wie Erra einfügt. Ich bin sehr zufrieden mit dem Resultat und habe das Gefühl, etwas geschaffen zu haben, das eher frisch klingt als nach einer Kopie. Es ist eine Herausforderung, hier die Balance zu finden, also eine Hommage an seine Einflüssen zu einzubauen und zugleich authentisch zu bleiben, und glücklicherweise scheint uns das bei „House Of Glass“ gelungen zu sein.

Der Sound von Erra ist noch immer so, wie man ihn erwartet. Bands wie Architects hingegen öffnen sich neuen Sphären. Wie stehst du solch drastischen Veränderungen im Sound gegenüber?

Ich denke Veränderung ist großartig und immer etwas, dem wir offen gegenüberstehen. Wie auch immer, ich denke, es ist ein Fehler, wenn man sich aufgrund einer unvorhersehbaren Demografie verändert. Ich weiß, dass das für einige funktioniert hat, aber es war für viele auch ein Fehltritt. Wenn wir etwas verändern, dann muss es organisch und ehrlich unserem Geschmack entsprechend passieren und darf keine Entscheidung aufgrund von Marketinggründen sein, um mehr Leute zu erreichen. Ich denke, eine Band wie wir profitiert davon, tiefer und weiter zu gehen, und wenn es um Weite geht, ist Tiefe oft ein direktes Resultat, und für uns fühlt es sich ausgezeichnet an.

Was führte also dazu, die Platte nach euch selbst zu nennen?

Ich würde sagen, der Sound fühlt sich für uns frisch an, aber passt auch sehr gut in den Rest unserer Diskographie. Es fühlt sich an wie die definitive Zusammenfassung von allem, was wir bisher gemacht haben, und fungiert möglicherweise auch als Fingerzeig, wohin es uns in Zukunft treibt.

Ich habe mir neulich IMPULSE angehört und bin überzeugt, dass dieses Album viele Bands nach euch beeinflusst hat. Wie stehst du nun zehn Jahre später dazu?

Ich mag das Album immer noch. Es gibt viel Positives, wenn ich daran denke, wie aufgeregt wir damals waren, zum ersten Mal ein Album zu veröffentlichen. Alles war wirklich total surreal und spannend in diesen ersten Jahren als Band, und wenn ich das Album höre, denke ich daran, wie viel Spaß wir hatten, bevor wir überhaupt auf den Gedanken kamen, eine „professionelle Band“ zu sein. Ich war erst 19 Jahre alt, als wir das Album geschrieben und aufgenommen haben, und bin enorm stolz auf manche kreative Ideen, die ich damals beigesteuert habe. Auch das Songwriting unseres damaligen Gitarristen Alan Rigdon ist echt enorm beachtlich. Er hat einige meiner Lieblingssongs für dieses Album geschrieben und wir spielen bei jeder Tour immer mindestens eines der Stücke.

In gewisser Weise ein wegweisendes Album, das der Idee des Fortschritts gerecht wird. Zudem wird euer Sound oft als Progressive Metalcore beschrieben. Ist das eine Bezeichnung, in der du dich wiederfindest?

Ich denke, wir gelten einfach nur aufgrund unserer technischen Fähigkeiten an den Instrumenten als „Progressive“-Band. Wir werden manchmal auch etwas knorrig bei den Taktarten. Der Weg, wie wir daraus finden, liegt in den Vocals. Eingängige Vocals zu haben, besitzt nicht immer Priorität bei progressiver Musik, aber es war immer sehr wichtig für uns.

Und wie würdest du deine Band einem Fremden beschreiben?

Ich bezeichne uns einfach als „ Metalband“, wenn jemand fragt. Darüber hinaus glaube ich, wir haben uns nie als etwas anderes betrachtet, um ehrlich zu sein. Ich schätze, generell findet man auch nicht allzu viele Leute, die sich wirklich Gedanken über etwaige Subgenres machen.

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Foto-Credit: Quinten Quist

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