Konzerte Maskenpflicht

Konzerte mit Maskenpflicht? „Eine Perspektive, die Hoffnung gibt“



Der Festivalsommer voller Konzerte stünde bevor. Doch an Konzerte, Open Air Events und Festivals will momentan eigentlich keiner so wirklich denken. Die Diskussionen auf den sozialen Medien sind hitzig. Viele können es kaum abwarten endlich wieder auf ein Konzert zu gehen und für andere wäre das Tragen einer Maske ein absolutes No-Go, das diesen Menschen jeglichen Spaß am Konzert nehmen würde. Doch wieso?

Ein erforschtes und bewährtes Konzept

Dass Konzerte mit Maskenpflicht funktionieren, hat das kürzlich bestätigte Experiment von Barcelona herausgestellt. Wissenschaftler:innen belegten, dass höchst wahrscheinlich keine einzige Infektion entstanden ist; trotz 5000 Besucher:innen. Neben den Masken waren negative Testergebnisse vorzuweisen, die das Infektionsrisiko verminderten. Die Verwendung von Masken ermöglichten es den Besucher:innen sich frei im Infield der Venue zu bewegen. Auch Tanzen und Jubeln war erlaubt, da eine besonders starke Luftanlage für frische Luft sorgte und das Aerosolrisiko minimierte.

Diese Perspektive scheint ein Modell zu sein, welches in ganz Deutschland funktionieren würde. So ist das Summer Breeze mit einem umfangreichen Infektionsschutzgesetz an das Land Bayern getreten und hofft auf eine Durchführung im Jahr 2021. Möglicherweise müsste man sich täglich, oder gar immer bei Betreten des Festivalgrounds einem Test unterziehen, Masken tragen und andere Hygienemaßnahmen beachten. Dafür hätte man das Festivalgefühl zu großen Teilen zurück und könnte endlich wieder Livemusik genießen.

Für mich persönlich ist diese Perspektive natürlich mit einem hohen Mehraufwand, Eigeninitiative und Ehrlichkeit verbunden. Diesen Aufwand wäre ich allerdings problemlos bereit zu geben. Für den Gang in den Biergarten benötige ich ebenfalls einen negativen Schnelltest und sofern ich nicht an meinem Platz sitze, bin ich zum Tragen einer Maske verpflichtet. Wieso sollte diese Perspektive also nicht auch für Konzerte gegeben werden? Wenn diese beiden Maßnahmen es ermöglichen, wieder auf Konzerte zu gehen. Wo liegt dann das Problem diese für einen Schwellenzeitraum zu akzeptieren?

Warum wir dringend eine Perspektive für Konzerte benötigen.

Natürlich sollten diese Regularien nicht die sogenannte „Neue Normalität“ sein, denn wir alle wünschen uns die Konzerte zurück, wie wir sie lieben. Doch geht es hierbei auch im Rücksicht und Öffnungsperspektiven für die, die Konzerte erst möglich machen.

Die Künstler:innen, Veranstalter:innen, Techniker:innen und alle die in der Produktion eines Konzerts involviert sind, sind darauf angewiesen, dass die Leute (sobald möglich) wieder auf Konzerte kommen. Hinter dem Kauf eines Konzerttickets steckt mehr als nur die Gage einer Band. Oft sind diese nur ein Bruchteil der gesamten Produktionskosten, die in einer ganzen Tour stecken können. Die Unsicherheit, die bleibt ist: ob die Leute nach der Pandemie mehr Lust auf Konzerte haben, oder gar ängstlich sind.

Wird das Summer Breeze 2021 stattfinden können?

Die meisten Soloselbstständigen der Eventindustrie haben in den letzten 14 Monaten so gut wie keine Aufträge gehabt. Viele haben sich neue Arbeitgeber:innen gesucht, mit den Events resigniert oder warten sehnsuchtsvoll darauf, endlich wieder in ihrem Beruf arbeiten zu können. Auch deshalb ist es umso wichtiger, dass bald eine Perspektive geschaffen wird. Doch das bedeutet auch, dass man sich darauf verlassen muss, dass das Konzertangebot angenommen wird. Dieses Risiko gehörte zu dieser Branche schon immer dazu.

Doch was, wenn die Leute aufgrund dieser Regeln nicht kommen?

Viele Konzerte sind knapp kalkuliert und decken im Optimalfall die Produktionskosten. Doch nicht jedes Konzert ist einzig über die Eintrittsgelder und Ticketverkäufe finanzierbar. Auch der Getränkeumsatz kann helfen Konzertveranstaltungen und andere kulturelle Angebote quer zu finanzieren. Sollte innerhalb einer Location eine Maskenpflicht herrschen, wird es schwierig oder gar unmöglich Getränke zu verkaufen. Auch Alkoholverbote auf Konzerten wären eine denkbare Maßnahme, die für Veranstalter:innen und Kulturstätten ein großes finanzielles Problem werden könnte.  

Wenn diese Regeln nun dafür sorgen, dass die Leute sich nicht auf Konzerte trauen oder deshalb keine Lust haben diese Veranstaltungen zu besuchen, könnte das einen nachhaltigen Schaden auf die Liveindustrie haben. Einen Schaden auf die Industrie, die durch die letzten 14 Monate bereits stark geschädigt wurde und für viele ein essenzieller Bestandteil ihres Lebens ist.

Die Vorstellung mit hunderten in einem Moshpit zu tanzen, ist aktuell realitätsfern. Auch wenn Konzerte wieder erlaubt sind, werden die Hygienemaßnahmen zu gewissen Teilen bestehen bleiben. Es wird sicherlich eine Zeit geben, die einen Übergang darstellen wird. Seien es vermehrte Sitzkonzerte, Konzerte mit niedrigerer Kapazität, oder Konzerte mit Maskenpflicht und Jubelverbot, Alkoholverbot und festen Stehplätzen.

Ghost Iris spielten im Sommer einige Open Air Konzerte vor sitzendem Publikum.

Was bedeutet das nun für die Konzerte der Zukunft?

Wer sich von Masken und Schnelltests davon abhalten lässt, auf Konzerte zu gehen, sollte hinterfragen, ob ihm Livemusik wirklich so viel bedeutet. Wenn ein Großteil der Menschen darin zu große Probleme sieht, sind alle Bemühungen von Veranstaltenden zwecklos. Eine „Neue Normalität“ wird noch ungreifbarer und die Zukunft der Konzertsituation ungewiss. Es gilt einen Weg zu finden, den man gemeinsam gehen kann. Die Überlegung aufgrund von Sicherheitsmaßnahmen nicht auf ein Konzert zu gehen ist in vielen Situationen sicherlich ein absolutes Luxusproblem, das uns am Ende zudem zeigt: dass wir die freie Wahl haben.

Nur die Zukunft wird uns zeigen, wie die Konzerte nach der Pandemie werden und was von den Auflagen bestehen bleiben wird. Ob es noch einmal so wird, wie früher? Wir können es hoffen, doch fest damit rechnen, können wir in Zeiten ohne richtige Konzerte nicht. Für mich sind Konzerte mit Masken eine Perspektive, auf die ich hoffe. Denn sie bedeutet, dass bald wieder Konzerte möglich sind und ein erster Schritt in die richtige Richtung gegangen wird.

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