Landmvrks

Landmvrks: Gitarrist Nicolas über Stillstand in der Musikbranche


Das neue Album der französischen Band Landmvrks steht in den Startlöchern! Wir haben mit Gitarrist Nicolas über den momentanen Stillstand im Musikbusiness sowie über seine Instrumentensammlung gesprochen.

Im April und Mai 2021 wolltet ihr eigentlich wieder auf Tour gehen. Wie sieht es damit aus?

Das wurde natürlich auch schon wieder gecancelt beziehungsweise verschoben. Unser nächstes Album „Lost In The Waves“ sollte am 26.02. erscheinen, und geplant war eine große Releaseparty am 27.02. in unserer Heimatstadt Marseille. Danach wollten wir im März durch Frankreich touren und im April durch andere europäische Länder, aber ja, ist jetzt auch wieder nicht. Wir hatten Schwierigkeiten mit den Veranstaltern und allem, weil niemand voraussagen kann, was geschehen wird. Deshalb wurde die Tour auf September und Oktober verschoben. Das hat uns erst mal das Herz gebrochen, aber wir mussten das leider machen. Jetzt ist der nächste planmäßige Gig im Juni, beim Hell Fest. Das wäre eine echt große Show, aber wer weiß, ob das stattfinden wird? Und bis Juni sind es auch noch mal wieder sechs Monate. Das macht dann eineinhalb Jahre ohne Auftritt … Wir halten die Daumen gedrückt, vor allem für die Festivalsaison, und hoffen sehr, dass es dann irgendwann weitergehen wird, aber niemand weiß, was passieren wird.

LANDMVRKS – Lost in a wave

Ich glaube, inzwischen geht so ziemlich jeder Künstler auf dem Zahnfleisch wegen dieser Ungewissheit.

Absolut, und ich frage mich da auch gerade, was mit den wirklich großen Festivals sein wird. Beim Hell Fest weiß ich die genaue Kapazität jetzt nicht, aber ich glaube, das sind irgendwie so 60.000 Leute am Tag. Stand jetzt kann ich mir nicht vorstellen, dass es möglich ist, dass so was stattfinden kann.

„Streaming-Events sind keine richtigen Konzerte“

Ein Release ohne folgende Shows ist aber an sich schon eine kleine Katastrophe.

Oh ja … Wir versuchen auch bereits, auf neue Ideen zu kommen. Viele Bands haben ja schon ein Album während dieser Zeit veröffentlicht, und die einzige Möglichkeit, mit seinen Fans in Kontakt zu bleiben, sind Streaming-Events. Wir überlegen also schon, ob wir so was in der Richtung machen können, aber gerade bei Landmvrks ist das echt eine Herausforderung: Unser zweiter Gitarrist wohnt in Paris. Wir sind in Marseille. Wir sind in Südfrankreich, er ist im Norden. Unser Drummer lebt in Montpellier, was noch mal zwei Stunden von Marseille entfernt ist. Das ist schon echt hart, da alle zusammenzukriegen. Und Streaming-Events sind eben auch keine richtigen Konzerte. Man spielt vor einer laufenden Kamera, man hat aber keine Interaktion. Niemand singt mit, niemand gibt einem die Energie zurück. Das ist auch für uns auf der Bühne dann schwierig. Aber wenn es die einzige Möglichkeit ist, dann werden wir das machen. Und irgendwann, irgendwann werden auch wieder echte Konzerte gespielt. Zum Glück gibt es immerhin auch Social Media, das ist dahingehend auch ein Segen, um mit seinen Fans in Kontakt zu bleiben.

„Und dann spielt man auf einem der größten Festivals der Welt … Das ist Wahnsinn“

Von der Bandgründung bis jetzt habt ihr eine echte Erfolgsgeschichte hingelegt. Habt ihr euch damals träumen lassen, dass all das, was passiert ist, je passieren würde?

Als wir 2014 die Band gegründet haben, war der Plan auf jeden Fall, das Ganze professionell aufzuziehen. Wenn ich mir Landmvrks jetzt ansehe, bin ich immer noch der junge Kerl aus dem Jahr 2014 und mache immer noch das, was ich liebe, zusammen mit meinen Buddys. Nur die Konditionen wurden immer besser, die Shows immer mehr besucht, die Festivals immer größer. Und das ist wundervoll! Wenn man als Kind so denkt, ich will ein Rockstar werden, und dann spielt man auf einem der größten Festivals der Welt … Das ist Wahnsinn! Wir sind dafür auch unglaublich dankbar. Wir danken wirklich jedem, der uns auf Tour gutes Feedback gibt, jedem, der unsere Musik hört. Alles hat angefangen, dass man mit ein paar Freunden zusammen in seinem Kämmerchen was geschrieben hat, und jetzt hören das die Leute da draußen. Ich weiß nicht, ob wir das alles so realisiert haben, aber es ist wirklich schön zu sehen.

„Leidenschaft ist der Schlüssel zum Erfolg“

Vor allem seid ihr auch eine der Bands, die sich wirklich hochgearbeitet haben.

Oh ja, wir haben uns den Arsch abgearbeitet! Am Anfang haben wir uns jede mögliche Strategie überlegt, wie man die Band bekannter machen könnte, denn wenn man noch klein ist, ist es verdammt hart. Es gibt so viele Bands auf dem Markt und man muss wirklich seinen Platz finden. Und das Wichtigste: Leidenschaft! Wenn man es nur macht, weil man reich und berühmt sein möchte, dann bringt das nichts. Ganz besonders nicht im Metal, hahaha! Leidenschaft ist der Schlüssel zum Erfolg, denn das ist es, was die Leute spüren.

LANDMVRKS – Paralyzed

Hast du Tipps für kleine Bands, die ebenso erfolgreich werden möchten?

Nicht aufhören! Ich sehe immer wieder Bands, die mit schönen Ideen auftauchen und gute Sachen machen, aber nach drei Jahren sagen sie: Okay, wir hören jetzt auf, weil es zu hart ist. Ja, natürlich ist es hart! Aber eine Band ist was anderes als ein einzelner Popstar, für den alles einfach zu managen ist. In einer Band sind vier oder fünf Leute, also auch vier oder fünf eigene Köpfe, und da gibt es immer auch mal Krach, das ist doch klar. Aber der Schlüssel ist: Shows spielen! Selbst wenn man zehn Mal in seiner eigenen Stadt gespielt hat, irgendwann lernt man auch da mal jemanden kennen, der einen promoten kann, der einem helfen kann. Und auf Konzerte zu gehen, das ist auch sehr, sehr wichtig! Man lernt dort von den anderen. Welches Equipment nutzen sie? Mit welchem Computer machen sie die Backing-Tracks? Man lernt so viel, wenn man auf Konzerte geht! Ich lerne auch heute immer noch. Wenn ich Zuschauer auf einem Konzert bin, achte ich auf die Lichttechnik, natürlich auf die Gitarren, die Mikrofone, … Und wenn man dann noch die Gelegenheit bekommt, mit den Bands zu sprechen, dann lernt man so unfassbar viel. Und wie gesagt, die Leidenschaft. Du musst diese Leidenschaft in dir drin haben, damit es etwas wird. Denn wenn du es nur halbherzig betreibst, wirst du es nicht schaffen. Du musst es von Herzen machen. Jetzt gerade ist es natürlich schwer mit Konzerten, aber trotzdem allgemein gesagt: Spielen, spielen, spielen, Leute kennen lernen und sein Netzwerk immer erweitern. Und nie das Herzblut verlieren. Immer hungrig sein.

„Ich bin ein großer Blink-182-Fan“

Sag mal, magst du uns mal deine Instrumente im Hintergrund zeigen?

Haha, das sind jetzt nicht alle, die ich besitze. Das hier ist der letzte Bass, den ich mir gekauft habe, ein Sire. Ich habe genug davon, im Studio immer den Bass einprogrammieren zu müssen. Das ist immer Fakebass, und so kann ich ihn richtig spielen. Und das hier ist meine Fender Stratocaster, die ich ummodelliert habe, damit sie aussieht wie die von Tom DeLonge. Ich bin ein großer Blink-182-Fan. Da hätte ich die originale gekauft, aber die ist zu teuer, also habe ich mir die hier selbstgemacht. Von dieser Gitarre träume ich, seit ich 14 bin, und auch wenn es nicht die echte ist, sieht sie wenigstens genauso aus wie die echte, also bin ich glücklich. Im Proberaum habe ich aber noch viel mehr Gitarren rumstehen. Und hier habe ich noch die Miniaturvariante der Blink-182-Gitarre, haha. Ich bin ein kleiner Fanboy.

Interview: Jenny Josefine Schulz

Foto: Alexis Fontaine

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