[Long Read] Die Heaven Shall Burn-Story


Dieser Artikel stammt von den Gastautoren Julia, Konrad, Marius und Mick. Kurz bevor sich Heaven Shall Burn in eine längere Pause verabschiedeten, hatten sie im Rahmen ihres letzten Live-Auftritts beim Impericon Festival in Leipzig die Chance, mit Gitarrist Maik Weichert zu sprechen.

Rauch, Hitze, Schweiß und tausende Fans. Schreie aus allen Ecken. Nur wenige Sekunden nachdem die Band die Bühne bei ihrem vorerst letzten Konzert betritt, verwandeln sich die vorderen Reihen in einen riesigen Moshpit. Der Bandname ist während der kompletten 90-minütigen Show Programm – Licht und Feuer-Effekte heizen die Menge auf. Das rote Hemd von Leadsänger Markus fegt wie eine Flamme durch die Luft, bis es in der tobenden Menge landet. Wir mittendrin – kaum zu halten.

Heaven Shall Burn Bandgeschichte

Die Band bewegt ihre Fans nicht nur im Moshpit, sondern auch im Denken – und das schon lange. Seit unzähligen Jahren gehören „HSB“ nun schon zu den wichtigsten Metalcorebands Deutschlands, aber auch international ist sie kein unbeschriebenes Blatt.

Ein langer und erfolgreicher Weg nach oben

Als die Band noch in den Kinderschuhen steckte, sollte der Himmel noch nicht brennen. Gegründet haben sich Heaven Shall Burn 1996 im beschaulichen Saalfeld (Thüringen), damals noch unter dem Namen „Before the Fall“, der nach kurzer Zeit in „Consense“ geändert wurde. Zwei Demos später stand dann 1997 der prägnante und endgültige Bandname fest – Heaven Shall Burn, unter dem 2000 das erste Studioalbum veröffentlicht wurde. Ein erstes (wenn auch verstecktes) Indiz dafür, dass es nicht nur um Musik geht, sondern auch darum, sich dabei immer klar politisch und gesellschaftlich zu positionieren. Zitat Gitarrist Maik Weichert: „Für uns steht der Name dafür, sich keine falschen Illusionen zu machen, sondern der Realität ins Auge zu sehen und im Hier und Jetzt etwas zu verändern.” Der Himmel (Heaven) im Bandnamen verkörpert also die falschen Illusionen, die in den Köpfen einiger Menschen existieren – und genau diese Illusionen sollen brennen und damit zerstört werden. Übrigens: Wie viele andere Künstler haben sich auch HSB bei der Wahl des eigenen Namens von Idolen inspirieren lassen, genau genommen vom 1996er Album der schwedischen Black-Metaller Marduk mit dem Titel HEAVEN SHALL BURN … WHEN WE ARE GATHERED.

Erste Gehversuche machte die Band in einem ehemaligen DDR-Zivilschutzbunker, der als Proberaum umfunktioniert wurde. Später traf man sich dann zum Proben im Klubhaus Saalfeld, einem Jugendzentrum. Die Band ist immer noch eng mit Saalfeld verwurzelt, allerdings wird mittlerweile in einem eigenen Proberaum an alten und neuen Songs getüftelt.

> Mehr Infos zur Heaven Shall Burn-Diskografie

Heaven Shall Burn live

Musik als Statement

Doch der Hype um die Band bringt auch Aufgaben und Pflichten mit sich – und vor allem: Verantwortung für Millionen von Fans, die ganz genau hinhören und zusehen. Heaven Shall Burn sind sich dieser Verantwortung bewusst und haben schon zu Beginn ihrer Karriere den essentiellen Wert von Musik erkannt, wenn es darum geht  Botschaften zu vermitteln. Früh bemerkten die Jungs, die sich in der Jugend schon politisch engagierten, dass es da etwas gibt, was die Menschen zum Zuhören bewegt, etwas, das mehr erreicht als Flyer oder ein Artikel in der Schülerzeitung: Musik. Die Band verbindet Mails aktivistische und musikalische Seite:

Mit meiner Gitarre in der Hand hörten mir mehr Menschen zu. (Gitarrist Maik Weichert)

Für alle Bandmitglieder stehen dabei drei Werte bedingungslos im Mittelpunkt.

TOLERANZ
ANTI-RASSISMUS
ANTI-FASCHISMUS

Werte, die vor allem im Umgang mit „unserer“ deutschen Geschichte immer wieder auftauchen und die heute – so traurig es ist – aktueller sind denn je. Mit dieser Einstellung im Kopf kann man auf der Bühne alles geben. Das spürt man bei jedem der Bandauftritte, bei jedem Bandmitglied. Ja – da steckt mehr dahinter und das ist sicher das Geheimnis, das Heaven Shall Burn bisher so erfolgreich gemacht hat.

Neues Album und Zukunft der Band

Auf unbestimmte Zeit gibt es diese besondere Energie erstmal nur aus der Konserve. Daran, dass es nach der Pause weitergeht, besteht innerhalb der Band aktuell aber kein Zweifel, so Maik Weichert: “Wir werden die Pause definitiv für ein neues Album nutzen. Wie lange das dauern wird, wissen wir allerdings noch nicht.”

Druck wollen sich HSB aber erstmal keinen machen. Die dazugewonnene Zeit fließt aktuell vor allem in den Alltag mit ihren Familien. Aber auch das ein oder andere Festival wollen sich die Jungs in diesem Sommer anschauen – dann ausnahmsweise aber vor anstatt auf der Bühne.


ÜBER UNSERE GASTAUTOREN:

Julia… eher der elektronischen Musikszene zugewandt. Umso spannender stellt sich die Metal Core Szene für Sie dar. Besonders hat sie überrascht, welche interessanten Persönlichkeiten hinter den oft düsteren Songs der Bands stehen.

Konrad… Musik und Kultur-begeisterter Student, der sich gerne journalistisch ausdrückt und oft Festivals jeglicher Musikrichtung besucht.

Marius… steht auf kraftvolle Musik und fühlt sich deshalb im Metal-Core sehr gut aufgehoben. Vor allem inzwischen etwas „ältere“ Bands wie Boysetsfire oder Heaven Shall Burn haben es ihm angetan. Deshalb ist sein Beitrag hier natürlich eine Herzensangelegenheit.

Mick… seit seiner Jugend verliebt in das Metal- und Hardcore Genre, hat aber in der Vergangenheit Konzertbesuche schlauchen lassen.

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