Impericon-Festivalreporter Summer Breeze

[Nachbericht] Impericon-Festivalreporter Maurice @Summer Breeze: 6 Gründe für das perfekte Festival


Bevor wir am Wochenende mit dem Reload Festival das LETZTE Festival unseres #impericonontour Sommers bestreiten, lassen wir Impericon-Festivalreporter Maurice erzählen, wie er sein zweites Summer Breeze erlebt hat:

Nachbericht Summer Breeze 2018

Dienstag, 18.32 Uhr. Feierabend, halbwegs erholt vom Schlafmangel und der erste Moment, in dem ich das Summer Breeze Revue passieren lassen kann, um mich zu fragen: Was hat das Summer Breeze auch zum zweiten Mal so unvergesslich gemacht?

Dienstag, eine Woche zuvor.

Kein Abenteuer beginnt, ohne dass man sich verfährt. Nachdem wir einmal um das Summer Breeze-Gelände gefahren waren und uns ein Einweiser fragte: „Ham ’se schon a Bändle?“, wussten wir, dass wir die Bändchenausgabe gekonnt umfahren hatten. Wenige Minuten später und nach sehr guter Parkeinweisung standen wir auf dem endgültigen Platz.

Erster Grund: Unheimlich nettes Personal. Vom Einweiser bis zur Security, einfach Menschen, die Spaß verstehen und ihren Job dabei gut erledigen.

Auf der ersten Runde um den Platz (sowie den folgenden Tagen) ergaben sich von Anfang an viele interessante Gespräche über Dialekte, Whisky und die Gegend, während sich (im Gegensatz zu manchen anderen Festivals) kaum einer darüber lustig machte, dass ich dabei ein weißes Shirt von Parkway Drive trug. Auch ganz angenehm: Zwischen 5:00 – 8:00 Uhr morgens lief keine einzige Musikanlage im Umkreis – und das ohne Green Camping.

Zweiter Grund: die entspannte und gut organisierte Campingsituation, mit vielen offenen, rücksichtsvollen Menschen, mit denen sich schnell Kontakte knüpfen lassen.

Impericon Sommerfestivals

Mittwoch

Was kann man auf dem Summer Breeze (außer Trinken) machen, wenn erst abends die erste „gute“ Band spielt? Richtig! Die Altstadt von Dinkelsbühl besuchen. Ich gebe zu, das ist nicht das übliche Programm für den ersten Tag eines Festivals. Auch meine Mitcamper sahen den Plan eher skeptisch, kamen jedoch mit. Dank kurzen Wegen und einem gratis Bus-Shuttle war die leichte Skepsis schnell verflogen und Begeisterung gewichen. Historische Gebäude soweit das Auge reicht, kleine Cafés und schattige, kleine Gassen faszinierten nicht nur meinen Kumpel (Architekturstudent). Ein älterer Tourist mit Hemd und Kamera neben einem Metaller mit Cannibal Corpse Shirt und Wegbier, die beide gleich erstaunt die Umgebung beobachten und sich dabei unterhalten – priceless!

Dritter Grund: die einzigartige Lage nahe der Altstadt.

Egal ob im Bus oder im Supermarkt: Touristen und Einheimische zugleich vermittelten den Eindruck, dass die Metaller und das Summer Breeze weder als reiner Störfaktor noch als reine Einnahmequelle gesehen werden, sondern auch eine Gelegenheit bieten, die Szene ein wenig kennen zu lernen und interessante Gespräche zu führen. Ein älterer Busfahrer, der einen der Shuttle-Busse fuhr, schrieb sich sogar die Namen von einigen Bands auf, die ihm ein Mitfahrer gezeigt hatte. Hoffentlich sind seine „normalen“ Fahrgäste im Alltag auch so begeistert von der musikalischen Neuentdeckung…

Vierter Grund: Menschen in der Region sind dem Festival und den Besuchern gegenüber aufgeschlossen.

Donnerstag

Nachdem am Tag zuvor Sepultura für mich die Überraschung des Abends waren und mein Nacken leicht schmerzte, war mir endgültig klar, wieso ich eigentlich hier bin: wegen lauter, harter Musik. Davon gab es am ersten vollen Tag genügend: Obscura, Behemoth, Cannibal Corpse. Alle drei überzeugten mich voll und ganz, sei es durch unglaublich klaren Sound/gute Abmischung, eine feuerreiche Show oder pure Brutalität. Als ich abends ins Camp kam und mich mit meinen Mitcampern unterhielt, stellte ich fest, dass diese komplett andere Bands geschaut haben und für sie am ersten Tag nur Party angesagt war mit Alestorm, Eskimo Callboy und Powerwolf.

Fünfter Grund: Auf Facebook liest man oft, wie solche bunten Line-Ups kritisiert werden, dafür dass es keine klaren Genre-Schwerpunkte gibt und z.B. für den puren Death-Metal-Fan nur wenige Bands und viel Schrott dabei sind. Ich bin da anderer Meinung: Egal ob Partystimmung oder Headbang-Laune, die bunte Mischung an Bands bietet für jeden einen guten Tagesplan und auch Raum für spontane Abwechslung.

Freitag

Jeder (Groß-)Festivalbesucher hat ihn schon mal erlebt: Diesen einen Tag, an dem man kaum Bands sehen möchte und am Ende trotzdem die Hälfte davon verpasst. Eben dieser Tag war für mich der Freitag. Die erste von zwei Bands war Beartooth. Nachdem mit „The Lines“ und „Aggressive“ direkt Vollgas gegeben wurde, der Pit mit jedem Song ein Stück größer wurde und mein Mitcamper (Festivalneuling) komplett aus sich herausging, fing es an zu regnen. Als der Regen immer stärker wurde, hatte ich kurz überlegt zu gehen, bis ich feststellte, dass ich selbst schon komplett durchnässt war und sich kaum einer von der Bühne wegbewegte. Auch wenn es eine rein subjektive Sichtweise ist: Komplett durchnässt im Regen stehen und mit dem Publikum den Song „Hated“ anstimmen ist einfach unbezahlbar geil. Achja, und abends habe ich dann noch Trivium gesehen, bevor das typische „Man-sitzt-halbtrunken-im-Camp-und-es-kommt-zu-tiefsinnigen-Gesprächen“ folgte.

Samstag

„Wir schauen uns heute nur noch Papa Roach an“ war wohl der Satz, den ich am Samstag am meisten gehört habe. Obwohl mein Highlight des Tages ein paar Stunden später spielte, hatte ich mir vorgenommen, mich dem Großteil der Leute im Camp anzuschließen. Und dies war bei Weitem keine schlechte Entscheidung. Auch wenn ich keinen Song (außer „Last Resort“) kannte, haben Papa Roach mich von Anfang bis Ende geflashed. Von der Interaktion mit den Fans über einwandfreie musikalische Leistung bis hin zu kurzen Cover-Einlagen (u.a. „Lose Yourself“ und „In The End“) war alles dabei. Zudem kam es (wie fast zu erwarten) während des Intros zu „Last Resort“ zum lautesten Singalong des Wochenendes – einfach nur Gänsehaut-Feeling.

https://www.instagram.com/p/BmobCVbh95Q/?hl=en&taken-by=summerbreezeopenair

Da ich wie so oft der Musik-Nerd des Camps war, hatte ich das ungewöhnlichste Highlight des Wochenendes: Carpenter Brut. Und meine hohen Erwartungen wurden sogar übertroffen: Die 4 (!) Synthis wurden vom Solo-Künstler gleichzeitig gespielt, dazu gab es für einige Akzente einen Begleit-Schlagzeuger sowie einen Lead-Gitarristen. Metal-untypische Lichtshow sowie passend geschnittene Film-Szenen (hauptsächlich Erotik und Horror) von verschiedensten 80s Klassiker-Filmen im Hintergrund trugen zu einem sehr bizarren und zugleich unheimlich genialen Abschluss des Festivals bei.

Sechster Grund: Das Summer Breeze lädt zunehmend außergewöhnliche Bands ein und scheut auch eine Bandbreite von Synthwave über Classic Heavy Metal bis zu Brutal Death Metal nicht.

Fazit

Neben kleineren Kritikpunkten wie der (meiner Meinung nach) teuren Shit’n’Shower Flatrate und den ziemlich eng getakteten Spielzeiten zwischen der T-Stage und Camel-Stage, gibt es für mich keinen Grund, nächstes Jahr nicht wieder zu kommen. Wer zum ersten Mal mit dem Gedanken spielt, auf ein Großfestival zu gehen und wem dabei das Wacken Open Air z.B. eine Nummer zu groß ist, der ist auf dem Summer Breeze perfekt aufgehoben – und natürlich ist es auch für erfahrene Festivalgänger einen Besuch wert.


PS: Vielen Dank an meine Mitcamper Eddie, Elija, Lucas (a.k.a. Backflip vor der Abreise) und Dietrich für die tollen Tage und natürlich auch an Impericon für diese einmalige Gelegenheit.

Euer Maurice

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