Review Impericon Festival Leipzig 2018

Review: Impericon Festival Leipzig – Der größte Circle Pit, den die Messe je gesehen hat


Clara Steffes, Konrad Dornebusch, Marius Rudolph und Markus Dietze waren für uns beim Impericon Festival in Leipzig unterwegs – hier ist ihr Review. Ihr wollt auch mit einem Artikel in unserem Magazin auftauchen? Dann meldet euch via Mail bei Susi! (s.siegert@impericon.com)


„Hallo Leipzig! Hallo Heimat!“ – mit diesen Worten begrüßte Marcus Bischoff, Sänger von Heaven Shall Burn, gegen 22.30 Uhr das Publikum des diesjährigen Impericon Festivals. Und er hatte Recht: Für viele Bands war dieser Festival-Tag eine Art „Heimspiel“, waren sie doch oft schon in Leipzig und auf dem Impericon vertreten. Beim spektakulären finalen Auftritt von „HSB“ vor ihrer langen Pause hatte die Stimmung in der Messehalle schließlich ihren Höhepunkt erreicht. Ein aufregender Tag lag hinter den Zuschauern – vollgepackt mit großartigen Bands, Karaoke- und Signing-Sessions und Street Food á la veganes Gyros, Falafel und Co. Neben den vielen veganen und vegetarischen Essensangeboten gab es auch für Nicht-Veggies viel zu holen, mit Burger, Sushi bis hin zu Steaks. Darüber hinaus hätte das Wetter besser nicht sein können – die Sonne knallte auf den Außenbereich der Festival-Location und wärmte die Zuschauer so sehr, dass einige von ihnen sogar eine Abkühlung im Wasserbecken vor dem Messeeingang suchten.

Monster Außenbereich Impericon Festival Leipzig

Der Außenbereich des Festivals mit “Monster”-Chill-Out-Area – Sonne satt!

Signing Session Heaven Shall Burn

Bei der Akustik-Session von Boysetsfire nieselte es dann doch ein bisschen, was die Fans jedoch nicht davon abhielt, dem 30 Minuten-Set von Sänger Nathan Gray und Gitarristen Chad Istvan zu lauschen, mit Klassikern wie „My Life In The Knife Trade“ und „The Misery Index“. Am Ende gab’s dann sogar noch Songs aus dem Soloprogramm von Frontmann Nathan zu hören – falls ihr dabei auf den Geschmack gekommen seid: Er ist im Mai solo unterwegs, viele Konzerte sind auch bereits ausverkauft.

Wollte man dann doch lieber in der Messehalle die Zeit bis zu seiner Lieblingsband überbrücken, gab es dazu einige Möglichkeiten: Neben einem Barber- und vielen Merchständen konnte man am Marshall-Stand Instrumente ausprobieren, dazu gab es Fotoboxen sowie Infostände zu den Organisationen „Hardcore Help“ und „Sea Shepherd“. Oder man stellte sich an eine der langen Schlangen zu den Signing Sessions an, welche unter anderem von Eskimo Callboy, We Came As Romans und Heaven Shall Burn gegeben wurden. Vor allem die Autogrammstunde von Eskimo Callboy wies eine nicht enden wollende Schlange von hauptsächlich jungen Mädels auf – ob das wohl am Bachelorette-Schlagzeuger David Friedrich lag? Wer weiß…

Schlange bei der Signing-Session von HSB

Schlange bei der Signing-Session von HSB

Wie im Jahr zuvor stellte das Impericon Festival gleich zwei Bühnen in der Messehalle auf: Tausende begeisterte Festival-Besucher wechselten zwischen Marshall- und Monster-Stage, um ihre Favoriten live mitzuerleben. Das Konzept ist genial und einfach zugleich: Während beispielsweise auf der einen Bühne Eskimo Callboy auftritt, kann sich die US-amerikanische Hardcore Band Boysetsfire auf der anderen vorbereiten. So verliefen die Bandwechsel mit nur jeweils fünfminütiger Pause das ganze Festival über reibungslos.

Ein kurzer Einblick in die Highlights der Running Order:

  • Black Tooth Scares, die den Nachwuchswettbewerb „Impericon Next Generation“ gewonnen hatten, bekamen die Chance, das letzte Impericon Festival des Jahres zu eröffnen. Die gute Einlassorganisation machte es möglich, dass die Band schon von mehr als 1000 Fans angehört werden konnte – und der musikalische Mix aus Rock, Hardrock und Metal wurde vor der Marshall-Stage sofort begeistert entgegen genommen.
  • The Plot In You, welche meiner Meinung nach ebenfalls super waren und durch ihren Auftritt sicher ein paar Fans dazu gewonnen haben.
  • Neaera, die trotz ihrer Auflösung im Jahr 2015 endlich wieder vor ein Publikum traten und eine großartige Show hinlegten (mehr davon!)
  • Silverstein, für mich doppelt beeindruckend, da ich ihre alten Lieder aus meiner Teenie-Zeit auswendig kann. Die Akustik-Version von “My Heroine” ließ dann schließlich das ein oder andere Tränchen kullern und machte den Ausfall ihrer Akustik-Session wett. Die Fans wurden ruhig, lauschten dem Lied und nutzten ihre Handys und Feuerzeuge als Lichtquelle. Dieser Augenblick war im Zuge der brachialen Bands, die bis dato gespielt haben und noch spielen würden, sehr überraschend. Gebrochen wurde die Melancholie des Songs und der Fans mit dem Wiederauftreten der Band während des letzten Refrains und den klassischen harten Riffs, die vermutlich jeder kennt.
  • natürlich nicht zu vergessen: Eskimo Callboy, bei denen sich die Messehalle schließlich auffällig füllte. Die Show war verrückt, bunt und die Fans außer sich. Verrückt ging es übrigens nicht nur während des Auftritts von Eskimo Callboy zu. Auch an diesem Festival-Tag konnte man Fans in außergewöhnlichen Outfits und Kostümen entdecken. Einige spielten mitten in der Zuschauermenge Twister, während andere sich für ein Schläfchen an die Wellenbrecher legten. Neben Bandshirts sah man auch Fans im Helene-Fischer- oder Scooter-Shirt – so wie man es von Festivals eben kennt!
  • Boysetsfire spielten schließlich vor dem Headliner und legten ebenfalls eine klasse Show hin. Die starke Ansage von Nathan Gray gegen Rassismus und für gegenseitige Liebe und Respekt war in jedem Fall mein Gänsehaut-Moment des Tages!

Die Krönung des Abends waren schließlich Heaven Shall Burn mit ihrer letzten Show vor der längeren Pause. Mit tollem Licht und Feuer-Effekten machten sie den Abschluss für die Fans unvergesslich. Für ihren Auftritt wurde extra noch ein Bühnenbild aufgebaut, das mit Lampen und Pyrotechnik gespickt war. Sogar das Schlagzeug bekam ein Make-over passend zur Bühnenshow, die eine gewisse Industrie- und Maschinenästhetik besaß. Die Saalfelder Band versammelte schließlich nahezu alle der 10.000 Festivalbesucher vor der Bühne. Ging man während ihres Konzerts auf den Innenhof, waren dort nur wenige Menschen, die vermutlich ein paar Minuten Pause benötigten, bevor sie ihre Sohlen zu den nächsten Songs von Heaven Shall Burn wund sprangen. Besonders beeindruckend war zudem ein riesiger Circle Pit während ihres Auftrittes: Die Fans bildeten einen Kreis, der bis zu den Getränkeständen am Rand der Bühne reichte.

Die Stimmung unter den Festivalbesuchern war den gesamten Tag über recht ausgelassen. Im Rahmen einer kleinen Umfrage wurde besonders die Organisation und der reibungslose Wechsel zwischen den Bands auf den Bühnen gelobt. Viele Festivalbesucher fanden zudem die Location sehr gut, da es mit der überdachten Halle die Möglichkeit gab, die Musik bei schlechtem Wetter trotzdem genießen zu können und mit dem Innenhof zugleich die Option gegeben war, sich ein paar Minuten auszuruhen, um dann bei den nächsten Bands erholt in den vorderen Reihen mitzufeiern. Es gab allerdings auch Kritik. So bemängelten manche Besucher, dass der Innenhof im Laufe des Abends immer mehr mit Müll bedeckt wurde. Dies war jedoch nur ein kleiner Wermutstropfen, in einer sonst sehr angenehmen Festivalerfahrung.

Was auf dem Impericon noch ein Highlight war? Metal-Karaoke natürlich! Noch nie gehört? Dann einfach weiter lesen …

Teufel Truck Impericon Festival Leipzig

Ein alter Armee-Truck, eine Hand voll Teufel-Boxen, eine ordentliche Live-Band und ein paar Freiwillige – ZACK fertig, Metalkaraoke!

Denn im Hof-Areal zwischen den ganzen Essensständen rundete ein „kleines“ Rahmenprogramm das Festivalgeschehen in der Halle ab: Die Jungs und Mädels von „Teufel“ hatten dort ihren „Thunder Truck“ geparkt (siehe Foto). Auf der sogenannten „Hells Yells“-Stage wurden dann ab dem frühen Nachmittag sämtliche Rock-Evergreens von AC/DC bis Van Halen hoch- und runtergesungen, begleitet von einer Live-Karaoke-Band. Mit Bratwurst oder Burger in der Hand fand sich schnell Festival-Publikum, das auch in der Essenspause nicht auf Livemusik verzichten wollte. Während sich auf dieser Bühne also Nachwuchs-Rammstein-Bands gründeten und System of a Down-Cover geschmettert wurden, gabs auf dem Platz vor dem Truck Mini-Circle-Pits und natürlich wurde auch fleißig Pogo getanzt.

Auch als später schon Highlight-Bands wie Bury Tomorrow spielten, wurde es draußen zwar langsam dunkler, aber die Metal-Karaoke-Session ging weiter. Und wenn ihnen nicht das Bier ausgegangen ist, dann singen sie noch heute…


Über die Autoren

Markus, 22, musikbegeistert, hat in seiner Jugend die Texte von Rise Against, Billy Talent oder Silverstein auswendig gelernt. Heute eher in anderen musikalischen Gefilden anzutreffen, aber immer offen für neues.

Marius, 28, hat schon als Kleinkind zu Boysetsfire getanzt und inzwischen so ziemlich jedes Shirt der Band in seinem Schrank. Nach unzähligen Bestellungen im Impericon-Shop hat er es 2018 endlich auch auf sein erstes Impericon-Festival in Leipzig geschafft.

Clara, 23, ist seit dem zarten Alter von 15 Fan von Emo-, bzw. Posthardcore-Musik. Sie hat vor allem in den letzten vier Jahren wieder die Liebe zum Hardcore- und Pop-Punk-Genre entdeckt und geht seitdem regelmäßig auf Konzerte – beim Impericon-Festival war sie dieses Jahr aber zum ersten Mal dabei.

Konrad, 26, ist stark musikbegeistert und war im journalistischen und medialen Auftrag auf verschiedenen Festivals in Europa aktiv. Ob bei Rock am Ring, ZNA Gathering, Dekmantel oder Fusion. Er liebt das Reisen und das Zusammenfassen von Eindrücken.

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