A REINTRODUCTION: THE ESSENCE OF ALL THAT SURROUNDS ME - Capsize

Capsize

Streicht euch den 22. Juli 2016 fett im Kalender an. Denn an diesem Tag feiert 2000er Post Hardcore (gemeinhin gerne als „Emo“ bezeichnet) sein langersehntes Comeback – mit A REINTRODUCTION: THE ESSENCE OF ALL THAT SURROUNDS ME, dem neuen Album von Capsize.

Capsize? 2000er Post Hardcore? Die Band, die mit ihrem Debütalbum THE ANGST IN MY VEINS quasi den Zustand von CHAOS auf eine CD presste, in einem Atemzug mit Mall Emo-Bands wie The Used, From First To Last und Underoath? Ja, genau so ist es.

Beweisstück A: „XX (Sew My Eyes“), den Capsize ihren Fans schon vor knapp einem Monat präsentierten. „XX (Sew My Eyes)“ beginnt zwar wie gehabt mit den rotzigen Screams von Frontmann Daniel Wand und den typischen Capsize-Gitarren, doch dann – was ist das? CLEAN GESANG?! Ein schneller Blick in den Wikipedia-Artikel der Band. Doch nein, Capsize haben nicht á la Burning Down Alaska einen zweiten Sänger angeheuert, der sich auf die Disziplin „Clean Vocals“ spezialisiert – Frontmann Daniel Wand kann tatsächlich einfach verdammt gut singen. Sogar zu einem „Wooooaooowoooaaao“-Part lässt er sich hinreißen. Doch so schlimm und gezwungen diese Kindergarten-Mitsingparts zum Beispiel auf dem neuen Album von Asking Alexandria klingen, so gekonnt betten Capsize sie ein in das Chaos des Songs:

Auch Song Nummer 2, „I Think It’s Best We Don’t Talk Anymore“, ist den Fans mittlerweile schon bekannt – und er schraubt die Erwartungen an ARTEOATSM (ich glaube fast diese Album-Abkürzung wird sich nicht durchsetzen) noch höher. Während ich noch die starken From First To Last-Vibes des Songs verarbeite, überrumpelt mich Song Nummer 3 „Tear Me Apart“; drei Sekunden davon reichen und der The Used-Fan in mir schmilzt dahin.

Aus dem Rahmen fällt „Safe Place“, das auch das Interlude auf dem neuen Justin Bieber-Album sein könnte (was grundsätzlich ja nichts schlechtes sein muss). Aber man nimmt Capsize die R’n’B-Anmutung auch nicht übel (mit einer Länge von knapp drei Minuten ist „Safe Place“ auch der kürzeste Song des Albums). Vielleicht gar nicht so schlecht, dass sie uns nach der Hälfte des Albums eine kleine Verschnaufpause geben.

Eins bleibt aber trotz Clean Vocals und „Wooaoo“-Parts auch auf A REINTRODUCTION: THE ESSENCE OF ALL THAT SURROUNDS ME erhalten: die typischen Herzschmerz-Lyrics. Es geht um Liebe, Schmerz und Verletzlichkeit, aber ohne dabei auf Kitsch-Plattitüden des angesprochenen Mall-Emos zurückzugreifen.

Ja, Capsize ist mit diesem Album definitiv massentauglicher geworden. Doch A REINTRODUCTION: THE ESSENCE OF ALL THAT SURROUNDS ME zeigt, dass sie den Spagat zwischen Heavy und Melodie meistern wie aktuell nur wenige Bands auf dieser Welt. Sie erweitern den bereits erwähnten 2000er Post Hardcore um ihren eigenen charakteristischen Sound und schaffen damit etwas, das sowohl alte als auch neue Fans lieben werden.

Letzte Woche habe ich eine Love Speech an Beartooths AGGRESSIVE geschrieben und prophezeit, dass dieses Album gute Chancen auf den Titel „Album Des Jahres 2016“ haben wird. Mit A REINTRODUCTION: THE ESSENCE OF ALL THAT SURROUNDS ME ist allerdings schon wieder ein neuer heißer Anwärter dafür gefunden.

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Album: A REINTRODUCTION: THE ESSENCE OF ALL THAT SURROUNDS ME
Artist: Capsize
Tracks: 10
Label: Rude Records

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