A WAR AGAINST YOU - Ignite

Ignite Band

Ist es etwas Gutes, wenn eine Band mit einem Album von 2006 auch noch im Jahr 2015 Shows spielen kann? Einerseits lässt dies auf eine eingefleischt Fangemeinschaft schließen, auf der anderen Seite schließt das aber auch jegliche Entwicklung von vorn heran aus und hat man nach 10 Jahren nicht langsam etwas Neues zu erzählen? Auch wenn vermutlich keiner mehr daran geglaubt hat, Ignite haben nach OUR DARKEST DAYS (2006) endlich etwas Neues zu erzählen: A WAR AGAINST YOU.

Ignite Banner

Nach 10 Jahren Schaffenspause rattert nun die neuste Ignite-Platte, welche am 08.01.16 erscheinen wird, durch meine Boxen. Gespielt wird wieder typischer Westcoast-Hardcore von vor 20 Jahren, mit einem drastisch melodischen Einschlag. Damit bewegt man sich wieder irgendwo im Grenzgebiet zwischen Hardcore und Punk. Zu weich für eine typische Westküsten-Hardcore-Combo, aber auch zu hart, um nur ein Abklatsch von Pennywise zu sein.  Zoltáns Stimme macht aus der Platte ein typisches Ignite-Werk und wer hier irgendwelche Shouts oder aggressives Tough-Guy-Gebrüll sucht, der wird mit A WAR AGAINST YOU alles andere als glücklich. Obwohl die Combo 10 Jahre Zeit hatte, habe ich nicht mit einer wirklichen Weiterentwicklung gerechnet und diese auch nicht bekommen. Bands die vor, sagen wir mal 2002/2004, gegründet wurden und heute noch aktiv sind, können sich problemlos auf ihrem Veteranen-Status in der Hardcore-Szene ausruhen und müssen sich nicht weiterentwickeln, um Platten zu verkaufen, oder Shows zu spielen. Während dies bei anderen Urgesteinen der Szene immer ein wenig an Midlife-Crisis erinnert, kann man das Ignite irgendwie verzeihen, da ihr Sound so ganz anders klingt als Vieles da draußen. So liefert auch A WAR AGAINST YOU wieder punkigen und sehr melodischen Hardcore mit einem einzigartigen Sänger. Auch an ihren politischen Themen hat sich nicht viel geändert und im Prinzip ist das ein typisches IgniteWerk.

Ignite – Nothing Can Stop Me

Dennoch tue ich mich mit A WAR AGAINST YOU schwer. Ein kleiner Knackpunkt ist die over-the-top-Qualität der Produktion. Natürlich soll so ein Album im Jahr 2016 nicht klingen wie mit Diktiergerät im Treppenhaus aufgenommen, aber von einer Hardcore-(Punk)-Platte erwarte ich mir doch irgendwas rotzigeres. Viel größerer Knackpunkt ist aber, dass A WAR AGAINST YOU mit seinen schnellen Melodien, den mitgröhlbaren Hooks und der engelsgleichen Stimme Zoltáns zwar nahtlos an OUR DARKEST DAYS anschließt, dabei aber eben nur eine schlechtere Kopie eben dieses Albums ist. Einerseits ist die Platte weit weniger catchy als der Vorgänger, auf der anderen Seite aber auch zu seicht, um das verzeihen zu können. Nach den ersten 4-5 Tracks läuft die Scheibe einfach so vor sich hin, ohne wirklich Highlights zu bieten oder den Hörer zu reizen. Auch wenn das jetzt vernichtend klingen mag, die Platte ist gut, jedoch erwartet man nach einer Dekade eben irgendwie mehr.

Ignite-Fans bekommen mit A WAR AGAINST YOU vermutlich genau die Platte, auf die sie seit 10 Jahren gewartet haben und die Meinungen der Fachpresse dazu sind ziemlich positiv. Außerhalb ihres eingefleischten Fan-Stammes dürften sie sich damit aber sicherlich schwer tun.

P.S.: Falls ihr auch das Gefühl hattet, dass euch die Hook in ‚Oh No Not Again‘ bekannt vorkommt, dann hört euch mal die Hook hier an.

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Album: A WAR AGAINST YOU
Artist: Ignite
Tracks: 14
Label: Century Media

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