AGGRESSIVE - Beartooth

Beartooth
Eigentlich startete Beartooth nur als kleines Nebenprojekt von Caleb Shomo, der zum Zeitpunkt der Gründung noch bei Attack Attack! aktiv war. Es gab nie konkrete Pläne, die Band ins Studio oder auf Tour zu bringen. Doch nach dem Ende von Attack Attack! konzentrierte sich Caleb Shomo plötzlich zu 100 Prozent auf Beartooth – und spätestens nachdem man das zweite Album dieser Band gehört hat, muss man sagen: GOTT SEI DANK. 

Meine Erwartungen an AGGRESSIVE waren im Vorhinein sehr hoch, denn mit dem Debüt DISGUSTING haben Beartooth ihre eigene Sound-Nische geschafften und spielen seitdem in ihrer eigenen Liga. Doch ich lasse an dieser Stelle mal Phrasen wie „Werden Beartooth es mit AGGRESSIVE schaffen, an den grandiosen Vorgänger anzuknüpfen?“, die ich erst am Ende dieses Reviews auflöse, sondern mach’s kurz: AGGRESSIVE ist ein Meisterwerk geworden, das nicht nur DISGUSTING toppt, sondern es sogar schafft, Saosins ALONG THE SHADOW von Platz 1 der „(Bisher) Besten Alben des Jahres“ zu verdrängen.

Auch auf AGGRESSIVE haben sich Beartooth ganz ihrem Metalcore meets Pop Punk-Sound verschrieben, trotzdem darf man das neue Album nicht voreilig als DISGUSTING 2.0 abstempeln. Denn der große Unterschied liegt vor allem im Gesamteindruck der beiden Alben. Während Caleb Shomo auf DISGUSTING noch seine Depression und den Kampf mit „inneren Dämonen“ verarbeitete, scheint er den mittlerweile gewonnen zu haben und zeigt seinen Dämonen auf den neuen Songs den Mittelfinger. Das klingt nicht mehr so hart und „abgefuckt“, sondern wie es der Titel des Albums schon verrät, vor allem nach AGGRESSIVITÄT in all seinen Facetten.

Meine drei Lieblingssongs des Albums zeigen diese Facetten sehr gut: Da ist zum einen der Titel-Track „Aggressive“, der die Richtung für den Großteil des Albums vorgibt: scharfe Screams, heftige Gitarren, ein Chorus, der an A Day To Remember erinnert und ein Text, der die Gesamt-Botschaft von AGGRESSIVE zusammenfasst: FUCK YOU an alle, die denken, etwas besseres zu sein:

Auf der Pop Punk-Seite des Albums steht dagegen mein Lieblingstrack Nummer 2 (zufällig auch Track 2 des Albums): „Hated“. Als ich den Song zum ersten Mal gehört habe, hatte ich sofort den Eindruck, dass sich die Lyrics an jeden richten, der schon einmal im Internet fertiggemacht wurde. Und auch das ist ein Grund, warum diese Band den Nerv junger Fans trifft: Sie können sich mit den Lyrics identifizieren.

Und dann ist da noch die letzte Nummer, „King of Anything“ also known as „2 Minuten 12 Sekunden Perfektion“ oder „der erste Beartooth-Song, den man wohl als ‚Ballade‘ bezeichnen könnte“. In dem Song scheint Caleb Shomo darüber zu singen, wie es für ihn ist, ein Musiker zu sein, der in der Öffentlichkeit steht. Schon immer war es ihm wichtig, zu betonen, dass er Musik vor allem für sich selbst macht. Er will nicht zum Idol und Sprachrohr unserer Generation erklärt werden (“I’m not the one to worship“) – obwohl man das nach Songs wie dem angesprochenen „Hated“ gerne tun würde.

„King Of Anything“ schafft es, den Hörer am Ende des Albums ein wenig zu „beruhigen“. Und das ist auch ziemlich gut so. Denn ohne diesen letzten Song wäre man vielleicht schon längst aufgesprungen und hätte voller Wut ein Loch in die Wand geboxt. AGGRESSIVE eben.

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Album: AGGRESSIVE
Artist: Beartooth
Tracks: 12

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