PHANTOM ANTHEM - August Burns Red

Vor dem Release von PHANTOM ANTHEM am 6. Oktober haben uns August Burns schon mit drei Songs beglückt, die vom Stil her unterschiedlicher nicht sein könnten. Das erste Musikvideo „Invisible Enemy“ (erschien schon Ende Juli 2017) ist schneller und technischer als das, was man sonst so von den Jungs kennt.

Mitte September 2017 veröffentliche die Band dann das Video zu „The Frost“, das dem entsprach, was wir ’standardmäßig‘ von August Burns Red kennen, nämlich aufbauende Melodien, die meistens in einem wunderschönen Break enden/beginnen,  während die zweite Gitarre im Hintergrund durch ein paar schöne hohe Klänge auffällt. Ich persönlich tat mir mit diesem Song trotzdem sehr schwer, da er klingt, als wäre jede Passage sturr an die andere gereiht worden, ohne darauf zu achten, ob die einzelnen Elemente überhaupt noch ein Lied ergeben. Versteht mich nicht falsch, der Song ist musikalisch hochwertig und sehr gut geschrieben, aber diese Aneinanderreihung ohne Bridge (was sie ja echt gut können) hat in meinen Ohren einen sehr geringen Wiedererkennungswert.

Selbstverständlich haben die Jungs nicht vergessen, was sie ausmacht und liefern uns spätestens auf dem dritten Release „The Hero Of The Half Truth“ wieder ihr facettenreiches Angebot an Melodien und Post-Elementen, allerdings zeigen sie auch, dass die Drums ruhig etwas schneller sein können als bisher. Wer das Vorgängeralbum FOUND IN FAR AWAY PLACES kennt und mag, wird „The Hero Of The Half Truth“ lieben. Passagen wie:

We will show no mercy

werden schneller zu einem Ohrwurm, als euch recht ist. Hoffentlich spielen Sie diesen Song LIVE auf unserer TOUR OF THE YEAR  2018 mit Heaven Shall Burn, Whitechapel und In Hearts Wake. Ich würde mich sehr freuen.

PHANTON ANTHEM ist im Gegensatz zu den Vorgängeralben tatsächlich viel facettenreicher und brutaler, aber auch sehr abwechslungsreich, da mehr ins Detail gegangen wird. Besonders in Sachen Riffing ist es sehr stark ausgefeilt und somit muss man das Album auch mindestens zehn Mal gehört haben, um das Gesamtkonzept dahinter zu verstehen. Während zu Beginn des Albums sehr viel Technik vorkommt, ist der Verlauf zum Ende hin eher ruhiger. Hier wird mehr Wert auf Hooks, Refrains und Atmosphäre gelegt.

„Float“ (Titel #9) zählt zu meinen absoluten Favoriten, was zum großen Teil damit zusammen hängt, dass hier die Mischung zwischen progressiven Metalcore-Einheiten, die hauptsächlich die Strophe zieren, sehr cool in den „This is where we are“-Refrain übergehen und die Melodie ein absoluter Ohrwurm ist. Erinnert auch teilweise an HORIZONS von Parkway Drive.

Womit wir auch schon bei „Dangerous“ wären. Für mich ist „Dangerous“ gleichzustellen mit Parkways „Wild Eyes“ – wenn das mal kein Kompliment ist? Dieses Lied baut sich über 03:30 Minuten auf und läuft dann über eine Minute im Breakdown aus. Elektronische Elemente, die wir beispielsweise von Born Of Osiris oder Dark Tranquillity kennen, fließen hier erstmalig auch ein und sind für meinen Geschmack sehr gut gewählt an dieser Stelle.

Ich weiß nicht genau, wie die Jungs das machen, aber sie erfinden sich immer wieder neu, obwohl sie auf ihrem alten Gerüst aufbauen, immer. Heutzutage erlebt man leider öfter, dass Bands ruhiger, melancholischer und cleaner werden. Gerade im Metalcore ist es ja scheinbar der neue Trend, den Breakdown gegen eine Clean-Singing Refrain einzutauschen. Schön also, dass August Burns Red uns vom Gegenteil überzeugen und zeigen, dass man auch unterschiedliche Variationen in ein Album verpacken kann. An dieser Stelle übrigens auch ein Riesen-Kompliment ans Master und Mixing, der Sound hat es RICHTIG in sich.

Trotzdem: Auf der einen Seite ist es natürlich schön Musik, zu haben, in der man immer wieder Neues entdeckt, aber auf der anderen Seite fördert dies den Wiedererkennungswert nicht sonderlich und somit habe ich sehr lange gebraucht, um in das Album „reinzukommen“. Tatsächlich sind das aber die Alben, die man öfter hört und somit auch lieben lernt. Wir werden sehen, ob das mit PHANTOM ANTHEM auch der Fall sein wird…

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Album: PHANTOM ANTHEM
Tracks: 11

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