BAD VIBRATIONS - A Day To Remember

Bad Vibrations Review

So wie man seiner besten Freundin nicht gerne sagen möchte, dass sie in ihrem Lieblingskleid dick aussieht, ist es das schlimmste Gefühl der Welt, über das neue Album seiner Lieblingsband sagen zu müssen, dass es scheisse ist.

Okay, scheisse ist vielleicht übertrieben. Wir reden hier immer noch von A Day To Remember. Und BAD VIBRATIONS ist nach wie vor eine Liebeserklärung an die besten Features dieser Band: auf der einen Seite harte Metalcore-Riffs, auf der anderen eingängige Pop Punk-Melodien. Diese Mischung macht seit jeher den Sound von A Day To Remember aus, auf die Spitze der Vollendung trieben sie es auf ihrem letzten Album COMMON COURTESY (2013). Doch BAD VIBRATIONS fehlt genau diese Vollendung. Die Songs wirken lieblos A Day To Remember Bad Vibrations Reviewzusammengeschustert aus harten und soften Parts, die schon seit Jahren in der Band-Schublade liegen. „Oh, hier ist noch ein harter Riff, übrig geblieben von FOR THOSE WHO HAVE HEART.“ „Ach, der passt ja perfekt zu dieser leicht klebrigen Melodie von HOMESICK.“ Nein, eben nicht. Nichts passt perfekt.

Dabei beginnt BAD VIBRATIONS so vielversprechend: mit „Bad Vibrations“ und „Paranoia“, den ersten beiden Auskopplungen des Albums. Zwei Songs, nach denen ich das Album schon auf Platz 1 meines Jahresrückblicks sah. Bei denen ich mich auf eine Traumreise begab und plötzlich in der Menge eines A Day To Remember-Konzerts stand, wo ich fremden Menschen „I CAN FEEL YOUR BAD VIBRATIONS“ in die Ohren brüllte. Auch Song Nummer 4, „Exposed“, knüpft an diese beiden Songs (und damit an Perlen wie „Violence“ von COMMON COURTESY) an. Der Anfang des Tracks wird The Ghost Inside-Fans Freudentränen in die Augen treiben und der Refrain ist 100 Prozent HOMESICK. Nur die Lyrics („Don’t believe what the pacifist tells you. No war, no peace“) hinterlassen bei mir ein kleines Fragezeichen.

Im Vorfeld war angekündigt worden, dass BAD VIBRATIONS das härteste Album seit HOMESICK (2009) werden sollte und die drei genannten Songs machten dieses Versprechen sehr greifbar. Nach „Exposed“ stellt es sich allerdings schnell als Marketing-Gag heraus, der Oldschool-Fans locken sollte. Das soll kein Vorwurf sein, denn um gut zu klingen, muss ein Song (entgegen so mancher Vermutung) nicht hart sein. Doch der bekannte und geliebte Mix aus Pop Punk-Tunes und Metalcore-Parts wirkt auf der zweiten Hälfte von BAD VIBRATIONS gewollt, erzwungen und an vielen Stellen unnötig. Zu nennen sei exemplarisch Song Nummer 7, „Justified“, mit einem balladigen Anfang, der von einem völlig deplatzierten Scream abrupt beendet wird. Als hätte ein schlechter DJ den Titelsong von „High School Musical“ mit einem The Ghost Inside-Lied geremixt. Spätestens bei Song Nummer 10 („Turn Off The Radio“) ist jede Melodie, jeder Breakdown vorhersehbar. „Forgive and Forget“ (Track 11) sollte wohl das neue „If It Means A Lot To You“ werden, scheitert aber an der zu fetten Produktion, die die Stimmung des Songs kaputt macht. „Negative Space“ und „In Florida“, die beiden letzten Nummern des Albums (Deluxe Version) lösen in mir so viel aus wie der 150. Song von AC/DC.

BAD VIBRATIONS zeigt, dass Schema F in der Musik nicht funktioniert. Das Album hat seine Momente („Bad Vibrations“, „Paranoia“, „Exposed“) und klingt unverkennbar nach A Day To Remember – aber eben auch nicht mehr oder weniger.

 

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Album: BAD VIBRATIONS
Tracks: 13
Label: ADTR Records

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