BEING AS AN OCEAN - Being As An Ocean

Being As An Ocean

Kaum eine zweite Band hat so einen Aufstieg hingelegt wie Being As An Ocean. Ihr Debüt DEAR G-D ist das Melodic Hardcore-Äquivalent der Hiroshimabombe gewesen, welches das Genre nachhaltig  und tiefgreifend verändert hat . Schafft es die Band mit ihrem dritten Album BEING AS AN OCEAN dieses außergewöhnlich hohe Level zu halten?

Markenzeichen der Band ist neben einer extremen Nähe zum Publikum bei Live-Auftritten eine ganz einzigartige Mischung aus Spoken Word, Melodic Hardcore und Screamo. Das hat sich auch auf der Self Titled nicht geändert und auf BEING AS AN OCEAN steht nicht nur zwei mal „Being As An Ocean“ drauf,  sondern es ist auch mehr Being As An Ocean drin als auf den vorherigen Alben.

Der Sound von BEING AS AN OCEAN

Den Auftakt der Platte übernimmt die erste Auskopplung „Little Richie“. Was gleich auffällt ist die viel kompaktere und härtere Spielart von BEING AS AN OCEAN. Zwar waren die Vorgänger nicht unbedingt weiche Alben, jedoch wirkt nun alles dichter und insgesamt gibt es weniger Zwischenraum, wodurch der Sound einerseits etwas dunkler und eben auch härter wirkt.

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Besonders Hörer, denen die bisherigen Alben der Band zu weich waren dürften mit dem dritten Album endlich Zugang zu der Band finden. Hier liegt zwar kein typische Melodic Hardcore-Release vor, dennoch kommen nun mehr Elemente aus eben diesem Genre zum Einsatz, ohne, dass die Band dabei ihren typischen Sound verliert. Harte und schnelle Abschnitte werden durch Spoken Word-Parts unterbrochen. Das lockert das Soundbild erheblich auf, jedoch verliert die Scheibe dabei nicht an Drehmoment.

Besonders die gesungenen Hooks, welche auf HOW WE BOTH WONDROUSLY PERISH den großen Unterschied zu dessen Vorgänger gemacht haben, wurden nochmal ausgebaut. Diese klingen nun gar nicht mehr nach Melodic Hardcore, sondern kommen ziemlich kunstvoll und soft daher. Das hätte auch gut nach hinten losgehen können und zwar, indem man einfache Pop-Hooks singt, worauf ungefähr gar kein Mensch mit ansatzweise Geschmack wirklich Bock hat. Being As An Ocean liefern mit BEING AS AN OCEAN jedoch ein außerordentliches vielschichtiges und atmosphärisches Album. Dem Hörer werden schnell die verschiedenen Facetten der Band präsentiert, wodurch ein rundum stimmiges Album entsteht.

Die Lyrics von BEING AS AN OCEAN

Being As An Ocean bleiben sich textlich weiterhin treu und präsentieren eine ganze Wagenladung an Emotionen. Durch die Spoken Word-Parts schafft es die Band sich viel präziser und weniger kryptisch auszudrücken, was (wenn man sich denn darauf einlässt) durchaus berühren kann.  Da die Band sich hierbei nicht an die Takte halten muss, hat Joel rein theoretisch die Möglichkeit den kompletten Brockhaus-Band A – Grum vorzulesen, ohne dabei die Songstruktur zu zerstören. Solche Parts können schnell in Tumblr-Melancholie à la „Niemand versteht mich, deshalb muss ich mich mit Schwarz-Weiß-GIFs ausdrücken“ abdriften, jedoch schaffen die Songs ernst und poetisch aufzutreten.

Being As An Ocean rücken sich als Personen relativ stark in den Hintergrund und kommunizieren viel über Bilder, Videos und ihre Texte. Das hat sich mit dem dritten Studioalbum nicht geändert und bietet eine erfrischende Abwechslung zu populärer Musik, bei dem der Künstler oftmals wichtiger ist als die Kunst an sich.

Fazit

Ich war ehrlich gesagt ziemlich beeindruckt von der Platte. DEAR G_D hat mich damals wirklich begeistert, einfach weil ich innovative Musik unglaublich schätze. Wenn sie dazu noch stimmig ist, kann ich eigentlich nicht meckern und dabei finde ich immer etwas zu meckern und wenn es der Mangel an Swag ist. Bei HOW WE BOTH WONDROUSLY PERISH fehlte mir irgendwie das gewisse Etwas und vor allem die Härte, doch mit BEING AS AN OCEAN hat die Band in meinen Augen den Melodic Hardcore-Thron uneinnehmbar besetzt.

Während etliche Bands seit Jahren irgendwie die gleiche Musik abliefern, schaffen es die Ausnahmetalente von Being As An Ocean dieses Genre wirklich nach vorn zu bringen. Wer Grenzen so pusht und dabei ein rundum stimmiges, kompaktes und facettenreiches Album präsentiert, der hat sich die 6/6 mehr als verdient. Die Gruppe konnte ihr Level nicht nur halten, sondern sogar noch steigern.

6/6
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Album: BEING AS AN OCEAN
Tracks: 10

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