Elements - Caliban

Am 6. April veröffentlichen Caliban zwei Jahre nach ihrem letzten Release das Album ELEMENTS. Fans der deutschen Metalcoreband werden nicht enttäuscht sein, denn das Album knüpft gut an GRAVITY an – mit kleinen, aber feinen Blicken über den Tellerrand. Wir dürfen uns also auf jede Menge coole Riffs, Breakdowns und eine kleine Erweiterung im Bereich Djent und Clean Gesang freuen. Atmosphärische Passagen und Refrains zum Mitsingen sind an den richtigen Stellen angeknüpft und mittlerweile ein starkes Erkennungsmerkmal der Band.

Track by Track Review: ELEMENTS

# 1 This Is War

We are the architects of the apocalypse!

Das ist doch mal ein starkes Statement zum Start des ersten Songs. Eine sehr coole Variation aus tiefen Rythmusgitarren in Begleitung von stimmigen hohen Klängen, schöner Übergang zum Refrain – und dann der Breakdown bei Minute 02:05! Er sitzt an der perfekten Stelle, hätte vielleicht jedoch ein kleinen Ticken länger sein dürfen. Aber wir sind ja nicht kleinlich. So wie der Song beginnt, endet er auch… mit schönem Geknüppel.

#2 Intoxicated

„Intoxicated“ hat sich definitiv den zweiten Platz auf ELEMENTS verdient. Der Refrain bleibt direkt im Gehörgang hängen und verleitet sehr schnell zum Ohrwurm. Auch wenn es dem Vorgängeralbum GRAVITY und dem dazugehörigen Lied „Paralyzed“ etwas ähnelt, wird bei „Intoxicated“ jedoch vermehrter Wert auf hohe Gitarrenklänge und weniger elektronische Elemente gesetzt.

#3 Ich blute für dich

Es ist einfach nur Wahnsinn, welchen Hype dieses Lied auslöste. Wer hat denn bitte das Gesetz geschrieben, dass eine Band, die normalerweise englisch singt, keine deutschen Texte verwenden darf!? Mit den Frontmännern Matthi von Nasty und Sushi von Eskimo Callboy sowie einem schönen Mix aus Blasting, Breaks und einem blutenden Liebes-Refrain, begleitet von hohen Klängen, zeigen uns die Jungs in jedem Fall, dass ein Song auf deutsch definitiv klar geht. Schaut man sich die Discography von Caliban ein Stück genauer an, stellt man im Übrigen schnell fest, dass bisher fast immer ein Lied mit deutschem Text enthalten war. Klarer Vorreiter ist hier mein absoluter Favorit „Dein R3.ich“ von dem Album I AM NEMESIS und „Mein schwarzes Herz“ von GRAVITY.

# 4 Before Later Becomes Never

So viele Starbesetzungen haben Caliban eigentlich nicht „nötig“, aber da wir CJ von Thy Art Is Murder für seine Art und seine Stimme lieben, sind wir natürlich trotzdem extrem begeistert von dem Feature. Denn „Before Later Becomes Never“ zählt eindeutig zu den hervorstechenden Liedern auf ELEMENTS. Djent- und Postrock-Elemente, die auch Bands wie Architects vermehrt verbauen, findet man hier wieder, es entsteht eine wahnsinnige Melancholie, bis uns Mr. McMahon nochmal mit seinen tiefen Growls zeigt, wo der Hammer hängt. Die Deathcore-Stelle lernt man sehr schnell zu feiern. Wenn zukünftig nur noch solche Lieder geschrieben werden, sollte der Weltherrschaft also nichts mehr im Weg stehen. Auch wenn viele Kritiker den vermehrt eingesetzten Clean Gesang negativ beurteilen: Dem kann ich überhaupt nicht zustimmen, denn die Art und Verwendung davon ist genau richtig gewählt.

# 5 Set me free

Auch bei „Set me free“ stellt man ab der ersten Sekunde fest, dass die Mischung aus Post-Elementen, Djent und sogar schon ein Stück weit Prog, wie die Faust aufs Auge (zu den altbekannten Metalcore Riffs) passen. Der Kontrast Cleangesang im Refrain und Bridges mit Sprachgesang harmoniert perfekt mit brutalen Übergangen in den Strophen. Set Me Free“ gehört zu den Highlights von ELEMENTS. Es sitzt ungelogen alles an der richtigen Stelle und das Lied läuft durch die entstandene Atmosphäre wirklich sehr cool aus.

#6 My Madness und #7 I am Fear

An dieser Steller wird’s etwas ruhiger. Spätestens hier merkt man, dass sich der Stil auf ELEMENTS ein Stück weit vom klassichen Caliban Metalcore entfernt und vermehrt technisch klingt. Das ist vor allem an den Breakdowns festzustellen, die teilweise viel deathcorelastiger und somit tiefer klingen. Ein weiterer Punkt sind auch die Synthesizer/Samples, die zwar nach wie vor dezent eingesetzt werden, aber das Album insgesamt etwas „verträumter“ klingen lassen.

#8 Delusion

Bei „Delusion“ heißt es aber endlich „back to the roots“. So kennen wir die Jungs, so schreiben sie schon seit Jahren ihre Lieder und von daher bin ich sehr erleichtert, dass durch die Variation auf dem Album ein guter Durchlauf, mit sorgfältiger Verteilung der Songs, gewährleistet wird.

#9 Carry On

Zurücklehnen, Kaffee in die Hand und 03:21 Minuten einfach mal dieses schöne Liebeslied genießen. Jungs, meinen riesen Respekt, egal ob auf englisch oder deutsch, ihr findet immer die richtigen Worte bei Herzschmerz! Als großer Fan des Liedes „This Oath“ von dem Album I AM NEMESIS  knüpft man hier sehr schön am selben Stil an. Ein Lied, das wir definitiv in unsere Impericon Lovesong Playlist auf Spotify aufnehmen werden.

#10 Masquerade

„Masquerade“ wirkt im Gegensatz zu den doch anspruchsvoll gewählten Riffs und einer insgesamt schönen Melancholie durch standardisierte offene Riffs mit Strophe, Refrain, Breakdown und aus, eher einfach. Vielleicht stört mich auch die Verwendung der Lyrics hier ein Stück weit, da es doch sehr „happy“ und dudelig wirkt und die Message einfach nicht bei mir ankommt.

#11 Incomplete

„Masquerade“ scheint wirklich die einzige Ausnahme auf ELEMENTS zu sein, denn bei „Incomplete“ klimpern die Jungs wieder mehr im Djent Stil und überzeugen durch ihren letzten Break.

I will not forgive!

#12 The Great Unknown

Das Schöne auf jedem Caliban-Album ist, dass es gegen Ende immer genau ein Lied gibt, das von Anfang an durchgeknüppelt wird und auf schönen, oldschooligen Riffs beruht. Mit „The Great Unknown“ zeigen Caliban (zumindest bis zum Refrain), dass es ihnen einfach sehr gut liegt, ein Thrash Metal Riff in Break zu begleiten. Mit Ankopplung diverser höherer Töne schlägt mein Metalherz doch gleich wieder etwas höher. Bei Minute 02:32 könnte man einen Breakdown auch gar nicht perfekter einsetzen, um das Lied in diesem Feeling ausklingen  zu lassen.

#13 Sleepers Awake

Für mich persönlich ein Lied, das an Stelle #1 des Albums gehört, denn sie knüppeln uns darin direkt alles um die Ohren, was man aus vergangenen Werken wie „Lovesong“ (aus SAY HELLO TO TRAGEDY) kennt. Ziemlich coole Breakdowns, plus ihr neu dazu gekommener Djent-Einfluss, der immerzu ein Stück an Architects erinnert – ich steh auf diesen neuen Stil.


Insgesamt kann ich den bislang geschriebenen Reviews nicht zustimmen, die sich doch sehr an Sprach- und Cleangesang stören. Ja, sie erweitern ihr Musikspektrum ein Stück weit, aber eben nicht nur im Bereich Vocals, sondern insbesondere was die Feinheiten im Riffing und dem Flair insgesamt betrifft. Wir durften diesen Ideen schon auf den Vorgängeralben immer mal wieder lauschen und nun ist eben der Tag da, an dem sie an neue Variationen anknüpfen. Jedoch nicht zum Negativen, denn sie bleiben zu 100% ihrem Sound treu. Das Wiedererkennungsmerkmal Caliban ist somit definitiv gegeben.

85%
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Album: Elements
Artist: Caliban
Tracks: 13
Label: Century Media

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