Disease - Beartooth

2016 setzte ich Beartooths zweiten Release AGGRESSIVE auf Platz 2 meines persönlichen Jahresrückblicks. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an den Nachfolger DISEASE (VÖ: 28. September 2018). 

Vorab mein Fazit in einem Satz zusammengefasst: Ich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zu diesem Album.

Aber von vorne.

Songs wie „Bad Listener“ könnten auch auf der B-Seite von AGGRESSIVE sein. Dessen Lyrics „I’ll be banging my head till my brain rots“ werden zum Programm und ich liebe die Endzeit-„Sirenen“, die sich über den Chorus legen. Auch wenn mich die Vorab-Singleauskopplungen (darunter eben auch „Bad Listener“) insgesamt ehrlich gesagt nicht vom Hocker reißen konnten, ergeben sie im Gesamtpaket plötzlich Sinn und als härteste Nummer des Albums weiß ich vor allem nicht, wieso „Bad Listener“ mich nicht von Anfang an überzeugen konnte. Auch der Opener „Greatness Or Death“ kommt in einer ähnlichen Tonalität daher und ist nach mehrmaligem Hören wahrscheinlich mein Lieblingssong des Albums.

Trotzdem zeigen Beartooth auf vielen Songs von DISEASE eine krasse Veränderung, von der ich als „Die Hard“-Fan von AGGRESSIVE und auch DISGUSTING (2014) noch nicht weiß, was ich davon halten soll. Ein Beispiel für diese Veränderung ist der Song „Disease“, bei dem vor allem die „Ohohoho“-Gang Shouts zum Ende hin etwas fehl am Platz wirken. Weiter geht es mit dem nächsten Track, „Fire“, bei dem ich zwar schon den imaginären Mosh Pit vor meinem inneren Auge sehe, mit Chaos, Zerstörung und verschwitzten Menschen, die „READY AIM FIRE“ in Richtung Bühne schreien, als ginge es um ihr Leben. Trotzdem deutet sich spätestens bei diesem Track an: Beartooth (bzw. Caleb Shomo) wollen – wieso auch nicht?! – mit DISEASE ein breiteres Publikum erreichen, das man wahrscheinlich am besten mit dem etwas sperrigen Begriff „Straight Forward Rock“-Fans bezeichnen dürfte. Bis zum „Stadio Rock“, für die zuletzt Parkway Drive und ihr neues Album REVERENCE kritisiert wurden, ist es noch ein weiter Weg, trotzdem ist ein gewisses Songschema erkennbar, das der Band Türen weit über die Szene- und Genre-Grenzen hinweg Türen öffnen dürfte. Was darunter teilweise etwas leidet, sind meiner Ansicht nach die Lyrics: Zeilen wie „You never know until you know know know“ („You Never Know“) wirken weniger ausgefeilt als noch auf AGGRESSIVE, auch wenn natürlich trotzdem wieder das eine oder andere Lyric-Schätzchen dabei ist.Beartooth DISEASE Preorder

Ein möglicher Grund dieser Veränderung: Für DISEASE holten sich Beartooth Unterstützung von Songwriter/Producer Drew Fulk, aka „WZRD BLD“. Fulk hat bereits mit Bands wie Bullet For My Valentine, I Prevail, Memphis May Fire und All That Remains zusammengearbeitet. Wirft man alle genannten Bands in einen Topf, kommt das dem Sound von DISEASE sehr nahe.

DISEASE hat für mich nicht die richtungsweisenden Aspekte wie AGGRESSIVE, vielleicht auch weil mich das Album „damals“ eiskalt und unerwartet erwischte und ich bis dahin noch nie etwas in dieser Art gehört hatte. Ein Song, der sich besonders abhebt (im Fall von AGGRESSIVE „King Of Anything“) fehlt und hätte dem Album gut getan, gerade im hinteren Drittel.

Caleb Shomo hatte im Vorfeld zum neuen Beartooth-Album angekündigt, es sei sein „Masterpiece“. Auch wenn das für mich AGGRESSIVE bleiben wird, bin ich mir sicher, dass viele – auch „Oldschool“-Fans der Band – großen Gefallen an DISEASE finden werden. Und AGGRESSIVE kann mir, egal was noch kommt, niemals mehr jemand nehmen.

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Album: Disease
Artist: Beartooth
Tracks: 12

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