EARTHBOUND - Bury Tomorrow

Bury Tomorrow

„Willst du nicht mal EARTHBOUND, die Neue von Bury Tomorrow reviewn?“ Schnell war „ja“ gesagt, bevor es mir wie Schuppen von den Augen fiel: Ich habe null Ahnung von Metalcore, bewege mich sonst eher in den seichten Gewässern von tragender Depri-Musik à la La Dispute, Defeater und Co. Nicht, dass ich von irgendeiner Musik-Richtung wirklich Ahnung hätte, aber mit Bands wie Bury Tomorrow hatte ich bisher – Schande über mein Haupt – noch wenige bis keine Berührungspunkte. Obwohl ihr letztes Album „Runes“ es 2014 sogar in die Top 40 der britischen Charts schaffte. Für Frontmann Dani Winter-Bates geht die Band jetzt allerdings noch einen Schritt weiter:

To me, »Earthbound« feels like the distillation of everything we’ve ever wanted this band to be about..

Bury Tomorrow PreorderMit diesem Statement wage ich mich also an EARTHBOUND heran. Und der erste Song, „The Eternal“, startet genau so, wie ich mir einen Metalcore-Song vorstelle. Dicke Gitarren und RAAAWR. Schon vom bloßen Hören spüre ich eine leichte Zerrung in meinen verkümmerten Headbang-Muskeln. Doch nach knapp einer Minute dann die Wende – ein melodischer Chorus, schon fast im Stil der Christen-Rockband Skillet (kennt die noch jemand? Wieso kenne ich die überhaupt?!). In ihrer Pressemitteilung schreibt das Label über Bury Tomorrow: „Hardcore Mentality for a Metalcore Generation“ – und genauso klingt „The Eternal“ auch. An manchen Stellen bilde ich mir sogar ein, etwas Terror rauszuhören. Ich bin erleichtert: Bei jedem Song bleibe ich hängen und spätestens beim dritten Track, „Earthbound“, sind meine Bedenken wie weggeblasen.

EARTHBOUND hat Lust auf mehr gemacht und so MUSSTE ich bald auch in die Vorgängeralben von Bury Tomorrow reinhören. Anders als viele Bands, die groß werden und sich dann bald in Mainstream-Schubladen stecken lassen, blieb der Sound von Bury Tomorrow all die Jahre gewohnt hart. Trotzdem hat diese Band sich weiterentwickelt, das Zusammenspiel zwischen den Growls von Frontmann Dani Winter-Bates und der Stimme des Gitarristen/Clean-Sängers Jason Cameron könnte nicht mehr auf dem Punkt sein. Dani schafft es mit einer Aggression, die ihresgleichen sucht, ins Mikro zu brüllen, und trotzdem bleibt jedes Wort klar verständlich – etwas, das ich in dieser Sparte oft vermisse.

Mein Lieblingssong von EARTHBOUND: „Last Light“ – eine Hymne. 

EARTHBOUND, das sind zwar gerade mal zehn Tracks, doch keine Sekunde ist verschwendet. Und vor allem „301“ ist ein Song mit besonderer Geschichte.

More than anything that song is about how our music belongs to our fans first, those first 301 people who run to YouTube who want to check it out and are excited about it. Not the shit-talkers or people in the music industry who think they’re more important than everyone else. (…) And yeah, it’s kind of a ‘Fuck you’ to all those people who go ‘BURY TOMORROW aren’t proper metal’ or whatever.

„301“ wartet nicht nur mit dieser – wie ich finde – süßen Geschichte auf, sondern auch mit dem besten Chorus, den man auf dem gesamten Album finden kann. Dass Jamey Jasta von Hatebreed daran mitgewirkt hat, hört man sofort.

Fazit: 2016, der zehnte Bandgeburtstag von Bury Tomorrow, scheint ein gutes Jahr für die Jungs aus Southampton/Portsmouth zu werden. Sie gehen nicht nur in Großbritannien mit Parkway Drive und Thy Art Is Murder auf Tour und veröffentlichen Ende Januar ihr Album, ab April sind sie auch als Headliner der Impericon Festivals 2016 unterwegs – ich sehe die Pits schon vor mir!

Für mich hätte es kein besseres Album geben können, um in 2016 zu starten. Und dass ich das mal über ein Metalcore-Album sagen würde, hätte ich nie gedacht.

 

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Album: EARTHBOUND
Artist: Bury Tomorrow
Tracks: 10
Label: Nuclear Blast

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