GRAVITY - Caliban

Caliban

Nur noch wenige Tage bis zum Release von Calibans neustem Werk GRAVITY. Die bisherigen Auskopplungen ‚Paralyzed‘ und ‚Mein Schwarzes Herz‘ waren schon recht eindrucksvoll, aber was können die restlichen 10 Tracks? Wir haben mal reingehört.

Caliban machen länger Musik als ich Musik höre, umso spannender ist es, wie ein so eingesessener Act mit der Zeit gehen kann.  Es gibt genug Bands die mit Fandienst, sprich immer das Gleiche machen, gut über die Runden kommen. Gutes Beispiel ist die erst vor kurzem erschienene Killswitch Engage-Platte. INCARNATE.  Das Gute gleich vorweg: GRAVITY klingt alles andere als eingestaubt. Die Band geht mit der Zeit, spielt mit ihrem Sound und schafft es so, dass GRAVITY nicht klingt als ob es von Caliban 2008 stammt.

Beeindruckend ist der Flirt mit verschiedensten Elementen, die jedoch niemals so ausarten, dass der Sound zum Beispiel zu simplen Trancecore-Trash verkommt. Eigentlich hatte ich die Hoffnung aufgegeben, dass eine Band so etwas schafft und wenn, dann hatte ich ganz bestimmt nicht erwartet, dass Caliban das packen können. Besonders die Prise Dubstep in ‚Paralyzed‘ hat mich zum Fan vom Song gemacht. Na, habt ihr schon Schaum vorm Mund und wollt in die Kommentare posten: “ IMPERICON IHR MIT EURER CLICKBAIT-SCHEIßE; WO IST DAS DUBSTEP; ICH HAB EINEN LEVEL 80 CHARAKTER IN WOW ICH HAB MEHR AHNUNG VON MUSIK ALS IHR!!!!1111!“. Hört mal bei ‚Paralyzed‘ ab 2:34 rein. Dort wurde das Stottern der Gitarre so gezogen, dass es für 1-2 Sekunden exakt so klingt, wie elektronisch erzeugter Dubstep, ob ihr das wollt oder nicht. Abseits von lächerlichen Diskussionen darüber im Internet, finde ich dieses Soundexperiment extrem gewagt und vor allem extrem gelungen.

Caliban – Paralyzed

Im Vorfeld der Platte hatten Caliban verkündet, dass sie gegen den Strom der Angepasstheit schwimmen werden und mit GRAVITY ein hartes Werk präsentieren wollen. Damit haben sie tatsächlich nicht zu viel versprochen. Klar, die Platte klingt nun nicht nach ukrainischem Untergrund-Deathcore, jedoch überwiegen die harten Parts auf der Platte und machen aus der Scheibe trotz seichterer Stellen, ein hartes und rundes Gesamtwerk. Die Platte ist abwechslungsreich, hart, anders und durchdacht. Der positive Gesamteindruck wurde streckenweise lediglich durch die etwas dünnen Lyrics geschmälert.

Caliban haben auf GRAVITY die Experimente von GHOST EMPIRE genommen, sie auf I AM NEMESIS gemünzt und dreschen damit ordentlich auf die Kacke. ‚Walk Alone‘ ist mein Anspieltipp und lässt sich gut mit einem 700 Km/h schneller und 100 Tonnen schweren Hochgeschwindigkeitszug mit Endbahnhof Abriss-Hausen vergleichen. Cleane Hooks sind nicht unbedingt das, worauf man als Metalcore Kid steht, jedoch haben die Essener es geschafft ihre Hooks so divers aufzustellen, dass sie den Songs eine Eigenständigkeit verleihen, die amerikanische Bands, die locker doppelt so groß sind, alt aussehen lassen. Selbst ich als Caliban-Gelegenheitshörer kann nur sagen: GRAVITY ist lit as fuck!

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Album: GRAVITY
Artist: Caliban
Tracks: 12
Label: Century Media

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