Holy War - Thy Art Is Murder

Thy Art Is Murder Holy War

HOLY WAR ist mit Abstand das heißeste Release in der ersten Jahreshälfte und die Australier von Thy Art Is Murder haben es perfekt verstanden, ihre Fans bis zum Äußersten auf die Folter zu spannen. Der Sound der Platte ist ein besser gehütetes Geheimnis als die Inhalte des Sextings zwischen Barack und Michelle Obama, dennoch haben wir es geschafft mal reinzuhören:

Wirklich kennen und lieben gelernt habe ich Thy Art Is Murder auf dem Impericon Festival 2015. Zugegebenermaßen war ich da etwas spät dran. Zu dieser Zeit waren die Fans schon ziemlich heiß auf HOLY WAR und konnten die Lyrics von HATE in und auswendig. Nach dem veröffentlichten Cover und den ersten Durchläufen von HATE  hatte mich der Hype ziemlich schnell gepackt.

Der Sound von HOLY WAR

Deathcore ist kein Genre, welches Mittelmäßigkeit verzeiht. Entweder ist eine Band wirklich gut oder sie klingt einfach so als ob man ein iPhone in einen Mixer schmeißt und auf die Power-Stufe stellt.  Nur wenige Gruppen aus diesem Genre schaffen es dementsprechend zu wirklicher Relevanz. Bands der ersten und zweiten großen Deathcore-Welle haben den Stand des Genres gefestigt, doch Thy Art Is Murder kommen mit einem Album um die Ecke, welches in dem Genre dem Thesenanschlag Martin Luthers gleichkommt. Das ist das Evangelium, die Offenbarung, die dritte Welle des Deathcore hat endlich einen Namen. Vor einem halben Jahr war ich der Meinung, dass Whitechapel diesen Platz einnehmen werden, aber HOLY WAR beweist, dass diese Krone allein den Australiern zusteht.

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Der Sound der Scheibe ist kompromisslos, hasserfüllt, verzweifelt und erlaubt sich keine Schwächen. Von Anfang bis Ende prescht das Ding nach vorne und gönnt seinen Hörern keine Ruhe, wobei man auf eine Achterbahn der (negativen) Gefühle mitgerissen wird. Mit dem Titeltrack „Holy War“ präsentieren uns die Jungs einen Song, der Live die Massen definitiv mobilisieren und sicherlich auch der beliebteste Song vom Album werden wird. Für mich persönlich ist aber ein ganz anderer Song der wahre Höhepunkt der Platte. „Emptiness“

„Emptiness“ steht hier stellvertretend für einige Songs der neuen Platte und ist auch der Grund, wieso ich glaube, dass mit HOLY WAR ein neues Zeitalter in Sachen Deathcore anbricht. Während andere Songs des Genres lediglich straight forward in die Fresse gehen, schafft es dieser Track seine Zuhörer wirklich in ein Loch zu reißen. Beim ersten Mal Durchhören lief „Emptiness“ nur nebenbei, doch allein das reichte aus, dass ich danach dachte: „Fuck, was war das gerade eben? Woher kommt auf einmal diese negative Atmosphäre?“ Dabei ist der Song aber nicht einmal weniger straight forward oder irgendwie mit cleanen Parts gespickt (auf dem Album findet sich kein einziger gesungener Part). Zusammen mit dem letzten Track „Naked And Cold“ sorgt er dafür, dass man nach dem Durchhören einfach nur dasitzt und sich der Raum auf einmal leer anfühlt. Das mag tief philosophisch und sehr subjektiv klingen, aber Thy Art Is Murder haben es geschafft in mir als Hörer etwas auszulösen. Egal ob das gute oder negative Gefühle sind, wenn es Musik schafft emotional zu berühren und mitzureißen, dann wird aus einfacher Musik Kunst. Whitechapel haben mit OUR ENDLESS WAR eine Tür geöffnet, die Thy Art Is Murder mit HOLY WAR mit dem kompletten Türrahmen eingerissen haben.

 

Die Lyrics von HOLY WAR

Religionskritik ist nun nicht unbedingt ein einfaches Feld. Schnell driftet man auf das Niveau von PEGIDA-Anhänger („Endlich sacht es ma eener!“) ab und präsentiert am Ende des Tages stumpfe Islamophobie. Im Schlimmsten Fall gibt man dann noch seine Meinung zum Nahostkonflikt ab und fertig ist die Blamage. Gottseidank (hehe) schaffen es Thy Art Is Murder hier das Übel wirklich bei der Wurzel zu packen. Dabei erheben sie nicht stumpf den Zeigefinger, sondern schildern eher aus der Sicht der „Opfer“ von Religion und klagen dadurch an. „We will all die for nothing“ fasst es ganz gut zusammen und somit gelingt der perfekte Brückenschlag zum Albumcover.

Auf anderen Teilen der Platte wird es teilweise richtig ekelhaft negativ, ohne dabei oberflächlich zu sein. Große Lyrics, passend zu einem großartigen Sound.

Fazit

HOLY WAR ist für Thy Art Is Murder das, was KILLING WITH A SMILE für Parkway Drive gewesen ist. Ich finde es schwer, sowas im Vorfeld abzuschätzen, aber HOLY WAR wird in den nächsten 3 Jahren der Goldstandard in Sachen Deathcore sein und jedes kommende Release dieses Genres wird sich in naher Zukunft an diesem Meisterwerk messen lassen müssen.

 

 

6/6
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Album: Holy War
Tracks: 10
Label: Nuclear Blast

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