IRE - Parkway Drive

Parkway Drive

Da liegt sie nun. Still, in Folie eingeschweißt und unscheinbar, doch auf ihr lasten die Augen und Ohren der kompletten Metalcore-Szene. Egal ob Hater oder Fan, die Leute werden dieses Album definitiv hören wollen,  denn diese CD hier ist nicht irgendeine CD. Auf ihrem Artwork steht in fetten Buchstaben IRE und das Cover wurde so oft durch die sozialen Netzwerke gejagt, dass es sich mittlerweile bei jedem in die Netzhaut gebrannt haben dürfte. Schaffen es Parkway Drive ihren derzeitigen Stand mit IRE zu verteidigen, oder thronten sie längste Zeit im Metalcore-Olymp?

Die Sunnyboys haben bisher zwei Einblicke in die 11 Tracks starke Platte gegeben und die Reaktionen darauf waren beim Sound der Songs ‚Vice Grip‘ und ‚Crushed‘ zwar vorhersehbar, doch dann doch amüsanter als im Vorfeld angenommen. Falls ihr die letzten Monate unter einem Stein gelebt und es nicht mitbekommen habt, hier eine Zusammenfassung der Reaktion auf den neuen Sound:

Parkway Drive IRE

Fangen wir mit der harten Realität an. Der stilistische Sprung von ATLAS zu IRE lässt sich ungefähr mit dem Sprung von KILLING WITH A SMILE zu ATLAS vergleichen. Man hat sich mit der neuen Platte endgültig vom stumpfen Metalcore-Massaker, wo ein Breakdown den Nächsten jagt, verabschiedet. Insgeheim bin ich froh, dass sich eine Band endlich traut diesen Schritt zu gehen. Winston bleibt seinen klassischen Screams treu und gleich beim zweiten Track ‚Dying To Believe‘ rotzt er jedem, der der Band fehlende Härte und Sellout vorwirft, einen unglaublich perversem Scream direkt ins Gesicht, da stellen sich euch die Nackenhaare auf.  Betrachtet man die Platte als Ganzes, dann klingt sie so als ob jemand ein 80er-Jahre Metal-Album in die Moderne gehievt hätte, um es dann mit 2015er Shouts und Metalcore-Elementen zu spicken. Was das mit Sellout zu tun haben soll, ist mir nicht begreiflich, die Mischung ist unheimlich fett und vor allem einzigartig, hatet ihr wie ihr wollt, seit ich die Platte habe, höre ich beim Sport nix anderes mehr. Cleane Hooks aus dem Buch „Amerikanischer 08/15 wir wollen unbedingt auf der Vans Warped Tour spielen-Metalcore für Dummies“ sucht man Gottseidank vergebens, von daher verstehe ich den ganzen Rummel und das Geheule auch nicht wirklich. Natürlich ist die Platte insgesamt nun leichter zugänglich, aber immer noch fernab von leicht zugänglich.

PWD1

Das liegt vor allem daran, dass nun mehr Melodie präsent ist, Stadionchöre auf jedem zweiten Track zu finden sind und die Jungs viel auf Riffs setzen, die sie gekonnt mit typischen Breakdowns kombinieren. Gott sind auf der Platte viele Riffs und was für Riffs! Bedenkt man, dass hier einen Sound ausgegraben wurde, der schon 30 Jahre auf dem Buckel hat, war die Gefahr ziemlich groß, dass man am Ende des Tages einfach wie eine alkoholkranke Manowar-Cover-Band aus irgendeinem Südstaaten-Kaff klingt. Doch mit den Breakdowns und den Shouts ist es gelungen, einen Sound zu schaffen, der auch locker die musikalische Untermalung von Filmen wie Top Gun, Stirb Langsam, Lethal Weapon und so weiter hätte sein können. In jeden dieser Filme gibt es diese eine Rocky-Szene, in der der Held in seinem eigenen Schweiß bis zur Erschöpfung trainiert, um dann im Showdown dem Bösen so richtig auf die Fresse zu hauen. Genau diese Emotionen und dieses Feeling weiß IRE perfekt zu transportieren.  Textlich bewegen sich die Jungs in bekannten Gewässern, auch wenn mittlerweile weniger Endzeit-Stimmung aufkommt, wie es noch auf ATLAS der Fall war. Klar, der Sound ist nicht nur neu, sondern auch fernab von dem, was die Jungs sonst so gemacht haben, auch wenn einige Elemente an den früheren Stil von Parkway Drive erinnern. Jedoch wäre es ziemlich vermessen diesem Experiment Sellout vorzuwerfen. Außerhalb von Breakdowns gibt es eine große Welt voller wunderbarer Klänge, die alle nichts mit Ausverkauf, Mainstream oder Pop zu tun haben. Ehrlich gesagt ist Musik, die nur noch brutaler und noch fieser klingen will einfach nur langweilig. Sorry, 2008 ist vorbei. Übrigens verbirgt sich auf IRE eine Hommage an eine noch recht junge Band: King 810 haben 2014 ein ziemlich kontroverses Über-Album auf den Markt gebracht und mit ‚Writings On The Wall‘ haben Parkway Drive den Song ‚Write About Us‘ neu interpretiert. Kehlige Shouts, düsterer und zurückhaltende Instrumentals, die sich direkt ins Rückenmark bohren und dort ein bedrückendes Gefühl auslösen. Falls jetzt der Vorwurf des Kopierens kommt: King 810s ‚Write About Us‘ ist soundtechnisch auch nur eine Hommage an Michael Jacksons ‚They Don’t Care About Us ‚.

TL;DR: Parkway Drive bringen die fucking 80ies back und wer dieses Album hört, der will dabei Sachen explodieren sehen, vielleicht sogar Sachen zum explodieren bringen. Parkway Drive kommen nun in anderem Gewand, doch sind dabei immer noch Parkway Drive, nur eben in neu.

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Album: IRE
Artist: Parkway Drive
Tracks: 11

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