Balance - Obey The Brave

Am 19. Juli erscheint nach zwei Jahren Ebbe das von mir sehnsüchtig erwartete Album BALANCE von Obey The Brave. Ein Album, das im Ohr so schnell durchläuft, dass ich mich nach Titel 9 frage: „Huch, schon vorbei?“ „Schuld“ daran ist kurz gesagt: eine ziemlich schlaue Anordnung der Tracks, mit Ups & Downs in Sachen Tempo und Feeling.

Obey The Brave sind eine der wenigen Bands, die es im Core-Bereich schaffen, eine spannende Mixtur aus Hardcore, melodischem Metalcore und Posthardcore zusammenzustellen. Fans von Stick To Your GunsThe Ghost Inside, Terror, dem aktuellen  While She Sleeps Album, sowie den älteren Parkway Drive-Scheiben, dürften sich hier definitiv abgeholt fühlen.

Es ist einfach der Wahnsinn, wie es die Jungs aus Kanada schaffen, so viele unterschiedliche Riffs, Breaks, Cleanparts und Screams miteinander zu kombinieren und dabei trotzdem ihrem eigenen Still treu zu bleiben. Während der Sound eher „metalcorelastig“ gehalten ist, findet man sich spätestens nach dem ein oder anderen Refrain wieder im Hardcore. Vergleichbar fiel mir an manchen Stellen die aktuelle Platte TRUE VIEW von Stick To Your Guns ein, da man auf BALANCE ebenfalls sehr starke Refrain-Parts zum Mitsingen findet. Was OTB jedoch besser an den Tag legen, sind die im Hintergrund klimpernden Gitarren, die fast jedem Song eine gewisse Traurigkeit und einen Klangteppich schenken. Wahrscheinlich ist dies der Grund, wieso diverse Breakdowns und Refrains noch ein Stück brutaler wirken.

 

Bereits am 5. April erschien das Video zu „No Apologies„, welcher auch gleich als erster Track auf dem Album zu hören ist. Während die Lyrics zu Beginn sehr einfach gehalten sind und sich der Einstiegs-Refrain beim ersten Hören direkt im Ohr abspeichert, baut sich der Song langsam bis zur dritten Hook auf und bietet einen krassen Bridgeteil mit fettem Breakdown bei Minute 2:28:

Pick up the fucking pace

Die Screams, die sich immer wieder direkt auf den Refrain beziehen und daran anknüpfen, machen das Lied zu einem brutalen und gleichzeitig emotionalen Stück, was mich echt einige Male dazu gebracht hat „Replay“ zu drücken. Also seid nicht verwundert, wenn ihr bei Track #1 erstmal direkt hängen bleibt.

I’d rather be
anywhere else
so some part of me
could feel like myself
The doubt I’m faced with,
stuck in this basement
Cold Summer, Cold Summer

Was für ein genialer Refrain! Das Album BALANCE und vor allem der Track „Cold Summer“ sind einfach dafür gemacht, das Ganze mal live zu erleben und vor allem mitzusingen(!!) Meine Favoriten auf dem kommenden Album sind nach mehrmaligem Hören aber definitiv die Songs „Smoke Signals“ und „Seeing Red“. Obey The Brave haben es dort geschafft, einfache Hardcore- und Punkrock-Riffs, mit melodischen Metalcore-Riffs aneinander zu koppeln, wie man es aus ATLAS Zeiten von Parkway Drive, oder vielleicht aus dem einen oder anderen Track von While She Sleeps‘ neuem Album SO WHAT? kennt.

Ja, die Struktur ist oftmals einfach gehalten: Von Strophe zum Breakdown und zurück, aber da das Riffing passt und immer ein gewisser Groove enthalten ist, knallt es wirklich jedes Mal. Die Band weiß ganz genau, wann sie hohe Gitarren-Sounds hinter tiefe Growls setzen muss. Dieses Zusammenspiel der Melodien rundet das ganze Konzept perfekt ab.

 

Am Ende der Platte ist der Title-Track „Balance“ zu hören, der sich eher auf Hardcore der alten Schule bezieht. Durchforstet man die bisher bekannten Lyrics, merkt man schnell, dass der Albumname BALANCE wohl auf vielen Lebensentscheidungen und Fehlern in der Vergangenheit beruht. Es ist also eine sehr persönliche Platte der Band – das merkt man auch am Sound. Die Emotionen in Stimme und Leadgitarre und der dosierte Einsatz von Effekten und Synthesizern, lassen mich beim Anhören direkt fühlen, was die Platte für die Band bedeutet.

Hier wurde definitiv vieles richtig gemacht: „Happy Laune“-Mucke + geile Breaks + Atmosphäre = die perfekte BALANCE!

8/10
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Album: Balance
Artist: Obey The Brave
Tracks: 9

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