THAT’S THE SPIRIT - Bring Me The Horizon

Bring Me The Horizon

Ein Album sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. So oder so ähnlich lassen sich die Erwartungen an das neue Album von Bring Me The Horizon, THAT’S THE SPIRIT, zusammenfassen. Wird die Scheibe diesem Druck gerecht oder versinken Oliver Sykes und Anhang nun wirklich im Pop-Sumpf?

Am 11. September wird THAT’S THE SPIRIT in den Läden stehen und die ersten Songs ‚Drown‘, ‚Happy Song‘ und ‚Throne‘ zeigen, dass die Zeiten von SUICIDE SEASON und COUNT YOUR BLESSING vorbei sind. Doch eigentlich war das zu erwarten, denn schon das geniale Vorgängeralbum SEMPITERNAL hat gezeigt, dass die Tage von Breakdown-Attentaten und Growl-Eskapaden längst gezählt sind. Das große Geheimnis, sozusagen die dunkle Materie, steht aber noch im Raum.  Wie klingt das restliche Album?

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THAT’S THE SPIRIT ist ein extrem einzigartiges Album und liefert einen Sound, den man so noch nicht gehört hat. Klar, Dancefloor-Elemente mit irgendwie Instrumental ist nichts Neues, doch Bring Me The Horizon schmeißen noch ein paar ihrer Metalcore-Riffs rein, rücken Jordans übertriebene Klavierskills stärker in den Fokus und platzieren geschickt Singalongs. Genau diese Singalongs sind neben der Exotik die große Stärke der neuen Scheibe. Das Album wurde gemacht, um vor 10.000 Leuten gespielt zu werden und tendenziell reicht einmal Hören und ihr könnt die Hooks mitgröhlen.

Die Atmosphäre der Tracks ist irgendwo zwischen düster und hoffnungsvoll platziert. Oli transportiert durch seine melancholische Stimme viel Emotionen und versteht es die Zuhörer mitzureißen. Die restliche Band beweist, dass sie eben nicht nur Gedresche können, sondern auch feine Nuancen beherrschen. Tonangebend ist hier vor allem Mitproduzent und Keyboarder Jordan Fish. Sein Instrument ist bei vielen Bands meistens deplatziertes Beiwerk, bei THAT’S THE SPIRIT ist es ein essenzieller Teil des Klangbilds. Das Tempo ist irgendwo zwischen Midtempo und Uptempo, aber auch hier liegt wieder viel Variation in den einzelnen Tracks. Trotz der leichten Zugänglichkeit der Songs lohnt es sich die Platte öfters durchlaufen zu lassen, denn bei jedem Durchhören gibt es Neues zu entdecken. Die Engländer sind mittlerweile eine wirklich vielschichtige Band geworden, die es versteht den Zuhörer emotional mitzureißen. Unterstützend wirken da die Lyrics, die zwar einfach gehalten sind, dabei aber nicht kindlich naiv wirken. So kann sich jeder schon beim ersten Hören in die Gefühlswelt der Verfasser versetzen.

THAT’S THE SPIRIT ist ein großartiges Album geworden, einzig und allein der letzte Track ‚Oh No‘ wirkt vollkommen überflüssig und schmälert den äußerst positiven Gesamteindruck. Doch wie die Platte klingt ist bei Bring Me The Horizon leider vollkommen egal, denn die Band ist viel mehr ein politisches Thema als ein musikalisches. Da ist Ollis „schwule“ Frisur, ihr angeblicher Sellout und die Mädchenfans, leider ein viel wichtigeres Diskussionsthema.

Für jemanden, für den es musikalisch ausschließlich Breakdowns und Screams gibt, für den mag THAT’S THE SPIRIT nicht viel anders klingen als ein Album der Foo Fighters oder Fallout Boy. Aus dieser Positions heraus ist es natürlich einfach „Sellout“ zu schreien und seine subjektive Meinung als objektive Realität zu deklarieren. Hat man aber einen etwas weiteren musikalischen Horizont, dann wird man schon bei ‚Throne‘ und ‚Happy Song‘ gemerkt haben, dass Bring Me The Horizon hier etwas wirklich einzigartiges geschaffen haben. Etwas, was den Spagat zwischen Massenappeal und individueller Kunst schafft. Bring Me The Horizon könnten damit im Prinzip die neuen Linkin Park werden. Große Reichweite und dennoch real. Warum sollte sowas auch nicht funktionieren?

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Album: THAT’S THE SPIRIT
Tracks: 11
Label: Sony Music

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