The Unconquerable Dark - Black Tongue

Black Tongue

Was zur Hölle soll eigentlich Doomcore sein? Autoren und Journalisten tun sich regelmäßig schwer die Band Black Tongue irgendwo in ein Genre zu pressen. Ist das Beatdown, ist das Hardcore, ist das Doom? Nach einem kräftezehrenden Ringen mit Worten einigt man sich dann meistens auf Hardcore mit Doom-Elementen oder eben Doomcore.

Hinter diesen Worten steckt ein Sound, der in der Vergangenheit in Sachen Schwere selbst den etablierten Bands in der Szene echte Konkurrenz gemacht hat. Klar gibt es jede Menge brutale Bands, die schnell nach vorn preschen, aber eine Band, die das Tempo bewusst rausnimmt und dabei einen Dampfwalzen-artigen Sound schafft, gab es so vorher noch nie.

THE UNCONQUERABLE DARK

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Gleich zu Beginn fällt auf, dass die Scheibe gerade mal über 9 Tracks verfügt, was ziemlich wenig für ein richtiges Album ist. Der Hörer wird hierbei jedoch durch die lange Spielzeit vieler Tracks, die bei über 5 Minuten liegt, entschädigt. Zwei prominente Gastmusiker finden sich zudem auf der Platte, einmal Schreihals Eddie Hermida von Suicide Silence und dann noch Schwiegermutters Liebling CJ von Thy Art Is Murder. Diese anderen Stimmlagen bringen etwas Abwechslung in die Vocals, da Alex sich vor allem auf einen relativ gleichbleibenden Stil beschränkt.

Harte Musik ist für mich nichts wirklich Ungewöhnliches und dieser Schock-Moment, den Außenstehende haben, wenn sie das erste mal einen Growl hören, kommt bei mir schon lange nicht mehr, doch als ich THE UNCONQUERABLE DARK das erste mal angeschmissen habe, hatte ich das Gefühl, dass mich der Druck in meinen Stuhl drückt und war kurz echt entsetzt darüber, wie heavy der Sound ist. Klar, Black Tongue waren auf ihren ersten beiden EPs schon „heavy“ aber eben auch nur das. Der frühere Sound war eher wie eine 500 Tonnen schwere Schnecke. Beeindruckend, aber auch nicht wirklich gefährlich. Zugegebenermaßen ist es aber bei der gewählten Spielart auch nun nicht unbedingt einfach einen Fuß in die Tür zu bekommen und wirklich Brutalität zu vermitteln.

THE UNCONQUERABLE DARK hat da definitiv eine Entwicklung geschafft und ich glaube, dass ist vor allem der stimmlichen Entwicklung von Alex zu verdanken, die viel ausgeprägter klingt und aus der 500 Tonnen schweren Schnecke zumindest einen 500 Tonnen schweren Kriegselefanten mit Panzer und Gatling Gun auf dem Rücken macht. Das Zusammenspiel zwischen den kreischenden Vocals und den „Beatdown“-Parts klingt einfach so wahnsinnig gut, dass die Truppe tatsächlich schafft eine apokalyptische Atmosphäre heraufzubeschwören. Die Platte klingt einfach so unheimlich düster und auswegslos. Da bekommt man beim Hören eigentlich das Bedürfnis, etwas erfreulichere Musik zu höre, um nicht in einem Strudel aus Depression zu ertrinken, doch irgendwie schafft es die Band mit ihrem Sound den Hörer genau davon abzuhalten.

Black Tongue liefern Underground Charme auf einem professionellem Level und haben damit nun keinen leichten Stand, denn Downtempo und ein Gitarren-Tuning tiefer als der Erdkern sind nun alles andere als massentauglich. Den Untergrund-Kids ist das zu überproduziert und dem normalen Hardcore-Hörer ist das ganze eindeutig zu extrem. Doch abseits von den Befindlichkeiten von Fans ist THE UNCONQUERABLE DARK ein wirklich fieses Werk geworden, bei dem ich beide Seiten und deren Verbindung schätzen gelernt habe.

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Album: The Unconquerable Dark
Artist: Black Tongue
Tracks: 9
Label: Century Media

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