Spiritbox neue Metalcore-Ära

Spiritbox, Jinjer und Co.: Eine neue Ära des Metalcores


Eine viel zu lange Zeit lang galt Metalcore als Männer-Domäne: muskelbepackte, tätowierte Männer schreien wütend in ihre Mikrofone, während treibende Gitarren sie begleiten. Diese Zeit dürfte nun aber endgültig vorbei sein, denn Courtney LaPlante (Spiritbox), Tatiana Shmailyuk (Jinjer) und Co. beweisen, dass man kein Kerl sein muss, um die krassesten Screams aus seiner Kehle klingen zu lassen und fette Breakdowns zu kreieren.

Aufbruch-Stimmung

Vor allem Spiritbox haben dieses Jahr für Aufsehen in der Szene gesorgt: Die 2016 gegründete kanadische Band rund um Sängerin Courtney LaPlante veröffentlicht diesen Monat endlich ihr Debüt-Album ETERNAL BLUE, auf das viele schon sehnsüchtig warten. Gleich die erste Single „Holy Roller“ vom kommenden Album ging durch die Decke und konnte auf YouTube mittlerweile über 2,8 Millionen Aufrufe sammeln und überzeugt nicht nur musikalisch, sondern auch bildlich mit einem filmischen Crossover von „The Conjuring“ und „Midsommar“.

Insgesamt sind bisher fünf Singles ihres Debüt-Albums erschienen, die zeigen, wo die Reise hingeht – und zwar hoch hinaus. Besonders auf „Yellowjacket“ dürften sich Langzeit-Metalcore-Fans freuen, hier gibt es nämlich ein Feature mit Sam Carter, wohl einer der Metalcore-Götter schlechthin, zu hören. Das heißt aber nicht, dass Spiritbox in die Fußstapfen von Architects treten. Stattdessen machen sie mit ihrem Sound und der außergewöhnlichen Wucht, mit der sie in der Szene auftreten, klar, dass sie ihren eigenen Weg gehen. Ihr Debüt-Album ist sicherlich erst der Anfang! Nicht zu unterschätzen ist auch die Szene-Arbeit, die vor allem Frontfrau Courtney betreibt: ihr Podcast „Good For A Girl“ wagt einen Blick hinter die Kulissen und befasst sich mit den Herausforderungen, die Frauen in der Musikindustrie meistern müssen. Das Spiritbox-Debütalbum könnt ihr übrigens hier bei uns bestellen.

Und wo wir gerade bei Features sind, sollten auch Make Them Suffer erwähnt werden, die sich Courtney LaPlante dieses Jahr direkt für ein Feature auf ihrer neuen Single „Contraband“ geschnappt haben. Ob der neue Song schon ein Vorbote für ein neues Album ist, ist zwar noch ungewiss, von ihnen gab es aber erst letztes Jahr mit ihrem vierten Album HOW TO SURVIVE A FUNERAL ordentlich was auf die Ohren, auf dem wie gewohnt Sean Harmanis Screaming-Parts von Booka Niles Klargesang ergänzt wird.

Heiße Anspieltipps

Ganz viel neuen Metalcore mit Frauen in der Hauptrolle wird es dieses Jahr trotzdem noch geben. Jinjer haben letzten Monat erst ihr neues, viertes Album „Wallflowers“ veröffentlicht, auf dem Sängerin Tatiana Shmailyuk wieder die volle erstaunliche Bandbreite ihrer Stimme darbietet. Ihre problemlosen Wechsel zwischen sanftem Klargesang und alles zerstörenden Screaming-Parts hat bereits 2017 mit ihrer Live-Session zu ihrem Song „Pisces“ für ordentlich Aufsehen gesorgt und 54 Millionen Aufrufe auf YouTube gebracht. Auf ihre stimmliche Varianz dürften einige ziemlich neidisch sein und so schnell wird ihr das wohl keiner nachmachen können.

Auch neues gibt es noch diesen Monat von Employed To Serve zu hören. Die Brit:innen veröffentlichen am 17. September ihr ebenfalls viertes Album „Conquering“. Fans können sich auf 11 neue Tracks freuen, auf denen sich Sängerin Justine Jones die Seele aus dem Leib schreit. Einen ersten Vorgeschmack gab es bereits mit den drei Singles „The Mistake“, „Mark Of The Grave“ und „Exist“.

Für wen das noch nicht genug neue Musik ist, kann sich auch den 01. Oktober fett im Kalender markieren: Dying Wish veröffentlichen dann endlich ihr Debütalbum „Fragments Of A Bitter Memory“, das auf einige Singles und eine selbstbetitelte EP folgt. Darauf zu hören ist auch „Enemies In Red“, das Sängerin Emma Booster bereits 2019 in Bestform zeigte. Nur eine Woche später feiert dann auch schon das dritte Album „Primeval“ von Venom Prison einjähriges.

Jede Menge neue Musik

Ebenfalls erwähnenswert sind hier noch As Everything Unfolds. Das Sextett aus England tendiert zwar mehr Richtung Post-Hardcore als Metalcore, ihr Debütalbum „Within Each Lies The Other“, das im März erschienen ist, ist dennoch mehr als hörenswert. Vor allem der problemlose Wechsel zwischen Screaming und Klargesang von Sängerin Charlie Rolfe ist ein Highlight.

Puh – Damit gab und gibt es jede menge neue Musik von unglaublichen Bands, die die Ausflüchte von Festivals, es gäbe ja keine Frauen in Bands, als lächerlich erscheinen lassen. Und während viele Metalcore-Größen wie Architects und Bring Me The Horizon in letzter Zeit in seichtere Gewässer abgewandert sind, erlebt der Metalcore aktuell seine Renaissance durch Protagonistinnen, die nicht nur beweisen, dass es keinen Mann für Screaming-Parts braucht, sondern auch einen Haufen neuer Musik veröffentlichen, was vor allem alle die freuen dürfte, die sich die alten Zeiten von Architects und Co. zurück wünschen.

Foto-Credit Spiritbox: Travis Shinn

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