Star Wars Und Der Marketingbullshit


Am 19. Mai 2005 feierte Star Wars Episode III weltweit Premiere und auch wenn ich nicht einmal mehr weiß, was ich gestern zum Mittag hatte, weiß ich doch noch genau, dass ich an diesem Tag im Kino saß und mein 15-Jähriger Verstand voller Ekstase die Bilder in sich hineinfraß. Doch wie Nelly Furtado schon sagte: „All good things have come to an end“ und so akzeptierte ich langsam, dass das Kapitel Star Wars nun für immer geschlossen bleiben würde. Hätte ich nur damals schon gewusst, dass Micky Maus Pläne für die Serie hat. Große Pläne.

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Seit 2005 ist viel passiert. Disney hat für 4 Milliarden US-Dollar Lucasfilms gekauft und drückt nun mit aller Gewalt drei weitere Star Wars-Filme in die Kinos, die chronologisch nach „Episode VI – Die Rückkehr Der Jedi-Ritter“ stattfinden werden. Neue Helden, alte Helden, neue Bösewichte und vermutlich ein CGI-Massaker, welches Michael Bay direkt in die Midlife-Crisis ballern wird. Mein 15-Jähriges Ich jubelt, mein 25-Jähriges Ich jubelt. Eins ist mir jedoch aufgefallen: Je näher der 17.12.2015 rückt, desto präsenter wird das Thema Star Wars, auch außerhalb dieses sogenannten „Internets“. Es gibt Star Wars-Sondereditionen von Uhren bis hin zu Socken, die Spielzeuggänge füllen sich mit Star Wars-Artikeln und sogar bei REWE wird man vom Thema verfolgt. Natürlich darf man auch die Star Wars Merch Shirts nicht außen vor lassen, die wir auch führen. Natürlich steckt hinter dieser Markenplatzierung die Marketing-Gang aus dem Disney-Schloss und ich habe in Bezug auf Star Wars kommt aktuell immer mal wieder Kritik auf, dass das Marketing überhand genommen hat. Ich behaupte einfach mal, dass das etwas extrem Gutes ist.

Der durchschnittliche Facebook-Mob sieht Disney als 9-Köpfige Hydra, die alles verschlingt was auch nur Ansatzweise schön ist, bedenken dabei aber eins nicht: Sie selbst sind vermutlich erst durch Star Wars Episode 1 im Jahr 1999 auf die Serie aufmerksam geworden. Vielleicht auch etwas eher (so wie ich), dadurch, dass Pro7 die alten Filme einmal im Jahr im TV ausgestrahlt hat. Man kann von den neuen Star Wars-Filmen halten was man will, jedoch lässt sich nicht verleugnen, dass es allein ihnen zu verdanken ist, dass eine vollkommen neue und junge Generation für das Franchise begeistert worden ist und dies der einzige Grund ist, dass diese wundervolle Geschichte nicht schon längst in der Bedeutungslosigkeit versunken ist. Nichts anderes passiert gerade im Moment. Disney öffnet die Geschichte einfach einem neuen Publikum. Indem man nun dagegen wettert, beweist man lediglich Engstirnigkeit. Man will seine Star Wars-Szene nicht teilen, denn nur man selbst ist gut genug dafür. Ist im Prinzip genau das gleiche Prinzip wie in der HC-Szene, wo auch keiner Bock auf neue Leute hat.

Bis hierhin stimmen mir sicherlich noch die Meisten zu, das wird sich nun aber vermutlich ändern. Von allem was ich besitze, gibt es aktuell eine Star Wars-Edition und ich fühle mich dabei wie ein deutscher Tourist am All you can eat-Buffet auf Mallorca. Das ist meine Welt, hier will ich bleiben. Als 9-Jähriger war mir Star Wars lediglich durch Kino oder TV zugänglich und ich war sehr davon abhängig, dass Andere mir das Thema präsentiert haben. Es gab keine Star Wars-Shirts, keine Star Wars-Action Figuren oder Star Wars-Lego in meinem ostdeutschen Kaff. Lediglich irgendein monatliches Star Wars-Sonderheft in dem Kaufland, in welchem wir immer einkauften. Das sammelte ich und behütete es dann auch wie ein Besessener und las mir vermutlich eine Million mal die gleiche Info-Box über das Design von Podracer durch. 2015 stapeln sich in meiner Wohnung die Star Wars-Figuren, ich habe ein Star Wars-Notziheft, eine Star Wars-Uhr und sobald ich mit Fallout 4 durch bin, kaufe ich mir Battlefront 4, um meinem sozialen Leben endgültig den Gnadenstoß zu verpassen. Für mich ist Star Wars nun jederzeit zugänglich und anfassbar und das nur, weil Disney „gierige Kapitalisten“ sind. Danke dafür.

Jedoch ist mein eigener Spieltrieb nicht der einzige Grund, wieso ich die Merch-Maschine gut heiße. Disney hat 4 Milliarden auf den Tisch geknallt, nur um überhaupt irgendwas mit dem Franchise machen zu dürfen. Dazu kommen dann auch noch die Produktionskosten des Films an sich (ca. 200 Mio US-Dollar). Natürlich muss dieses Geld irgendwie wieder eingenommen werden, denn auch Disney-Angestellte müssen Miete zahlen, haben ab und zu Hunger und wollen ihren Liebsten etwas zu Weihnachten schenken. Allein die Merch-Rechte sind der Grund dafür, dass der Konzern der Serie wieder Leben eingehaucht hat. Nur diese „Gier“ ist der Grund, dass am 17. Dezember überall auf der Welt 9-Jährige in den Kinosälen sitzen werden, die zum ersten Mal in ihrem Leben mit dem Zauber von Star Wars in Berührung kommen werden und in diesem Moment einfach begeistert sind.  Daran werden auch verbitterte Facebook-Kommentare nichts ändern.

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