Facepalm

Vier Dinge, die ich an Hardcore hasse


Subkulturen sind eine angenehme Sache und bieten vielen Menschen die Möglichkeit sich individuell zu entfalten, aber gleichzeitig ein Teil einer Bewegung zu sein. Jedoch verhält es sich mit Szenen, wie mit öffentlichen Denkmälern, früher oder später kommen die Tauben und kacken alles voll. In der Hip Hop-Szene erscheinen die Tauben in Form von Mittelstands-Gangstern, die laut eigenen Aussagen schon alle Geschlechtsverkehr mit meiner Mutter hatten, in der Elektro-Kultur sind es die Hipster mit der Vorliebe für chemische Drogen usw. Nun wird der gemeine Hardcore-Hörer vor dem Bildschirm sitzen und sich ins tätowierte Fäustchen lachen, aber wisst ihr was? Hardcore ist mindestens genauso vollgekackt, wie jede andere Subkultur und ich will euch lediglich vier Dinge nennen, welche die Szene in einem echt schlechten Licht dastehen lassen:

 

Homophobie

Kommentare im Internet zu lesen ist für die geistige Gesundheit ebenso förderlich, wie den Ex-Partner auf Facebook zu suchen. Die ausgelösten Emotionen sind dabei auch relativ identisch und am Ende werdet ihr heulend „Warum?!“ schluchzen oder Kopf schüttelnd auf den Boden kotzen und dabei „Warum?!“ hinauswürgen. Letzteres geschieht mir recht häufig wenn ich sehe, wie leichtfertig Menschen homophobe Kommentare ablassen. Offen gelebte Schwulenfeindlichkeit ist im Hardcore Gott sei Dank nicht vorhanden, jedoch lässt sich unter jedem Musikvideo, besonders wenn eine Band ruhigere Töne anschlägt, mehrmals das Wort „schwul“, „gay“ oder auch die besonders nette Variante „faggot“ finden. Und auch wenn ihr mich jetzt für einen Weltverbesserer haltet, der sich an Kleinigkeiten hochzieht: Ich finde, dass solche Wörter einfach keine Beleidigungen sein dürfen. Klar kommen sofort die Gegenstimmen wie „ Ich mein das ja nicht so.“, „ Einige meiner besten Freunde sind schwul „ etc. blabla. Doch egal wie schön ihr euer Argument verpackt, es ist und bleibt Bullshit. Es gibt keine Entschuldigung ein Wort für Homosexualität als Schimpfwort zu benutzen und Jesse Barnett von Stick To Your Guns hat es sehr schön mit der Line „ This is a place of acceptance“ ausgedrückt: Im Hardcore geht es darum zu Akzeptieren und wenn man „schwul“ als Beleidigung verwendet, dann akzeptiert man Homosexualität nicht. Punkt.

 

 

Sexismus und Mackertum

Ich war vor nicht allzu langer Zeit auf einer Undergroundshow in einem Kellerloch, welches so schimmelig war, dass sie am Ausgang  gratis Tetanusspritzen verteilt haben. Eine Band hatte eine weibliche Sängerin und während sie auf der Bühne versucht hat eine geile Show zu liefern, standen zwei Männer in der Crowd und haben sich abfällig über ihre Figur geäußert. Ich gebe diese Kommentare hier nicht wieder, aber sagen wir mal so: Selbst Mario Barth hätte erkannt, dass sie degradierend und sexistischer Natur waren. Frauen die Musik machen müssen sich sehr häufig Kommentare, on- und offline, über ihre äußere Erscheinung gefallen lassen, so als ob sie nur gute Musik machen könnten, wenn sie einem bestimmten Standard entsprächen. Das ist sehr eigenartig, denn irgendwie redet keiner über den Kleidungsstil oder die Frisur von männlichen Bandmitgliedern. Einzige Ausnahme ist natürlich die Knast-Version von Ryan Gosling aka Jona Weinhofen. Der Gitarrist ist so lächerlich gutaussehend, dass ich mir sofort eine Bravo kaufen würde, wenn ein Starschnitt von ihm darin erscheinen würde. Wäre diese Herabwertung nicht schon schlimm genug, so werden „typisch“ männliche Eigenschaften wie Härte und Stärke extrem aufgewertet. Hardcore ist nur der, der knallhart den Pit zerstört und natürlich auch jedem zeigt wie hart er ist. Heißt ja nicht umsonst HarTcore und ein Konzert wird auch nicht nur so aus Spaß Show genannt. Show how hart you are. Sobald man dies kritisiert wird man meistens als „Pussy“ oder „schwul“ bezeichnet und einem wird klar gemacht, dass man auf einer Show nichts zu suchen hat. Komischerweise dachte ich immer, dass Hardcore jeden Willkommen heißt und einem die Hand reicht, egal wie stark oder schwach man ist.

 

Crowd Killing

Jedes Konzert teilt sich in einen Bereich auf, in denen die Kids voll ausrasten ( Der Pit ) und in die normale Crowd, die halt keinen Bock darauf haben und einfach nur in Ruhe ihr Bier + Konzert genießen wollen. Die einfache Regel lautet: Ihr wollt abgehen, dann ab in den Pit mit euch. Ihr wollt chillen, dann ab in die normale Crowd mit euch. Das würde sogar ein Schimpanse verstehen, der normalerweise Puzzle für Dreijährige löst, um eine Banane zur Belohnung zu erhalten. Leider erschließt sich diese doch sehr einleuchtende Regel einigen Szene-Kids nicht so wirklich und so schlagen sie aus dem Pit heraus Unbeteiligte, die am Rand stehen. Sie killen die Crowd. Spricht man sie auf ihr Verhalten an oder diskutiert mit ihnen darüber kommt immer das gleiche Argument: „Diese Opfer sollen nicht rumheulen und wenn sie das nicht abkönnen, dann sollen sie nicht mehr auf Shows gehen.“ Für Crowdkiller ist jeder, der nicht im Pit abgeht nicht Hardcore und wer nicht Hardcore ist und sich dennoch erdreistet auf eine Show zu gehen, der muss bestraft werden. Was diese Leute nicht realisieren ist, dass sie den Abend von Anderen durch solche Aktionen versauen, nur weil sie sich wie Arschlöcher benehmen müssen. Durch so eine Scheiße wird ein echt unangenehmes Klima geschaffen, was introvertierte und zurückhaltende Leute abschreckt. Jedoch ist für mich ein Konzert eine Art Familientreffen, auf dem sich jeder wohl fühlen soll und niemand durch das gewalttäige Auftreten anderer verschreckt werden sollte. Interessanterweise gehen Crowdkiller meistens auf Unbeteiligte los, die in dem Moment damit gar nicht rechnen und erwischen sie so natürlich sehr überraschend. Sich nach so einer feigen Aktion geil und stark zu fühlen zeugt nur von einem zu kleinen Ego und vielen anderen negativen Dingen. So etwas hat im Hard- und Metalcore nichts verloren und auch wenn es nur wenige sind, so können eine Handvoll Arschlöcher einen ganzen Abend versauen. Wenn jemand kein Bock auf abgehen hat, dann respektiert das, lasst ihn in Ruhe und hört auf einen auf übertrieben tough zu machen.

 

 

Elitarismus

Man sagt von Deutschen ja gerne, dass sie zum Lachen in den Keller gehen. Was viele nicht wissen: Unter diesem besagten Keller gibt es einen weiteren Keller, in den dann deutsche Hardcore-Anhänger gehen, um zu Lachen. Doch wenn wir ehrlich sind, dann lachen sie nicht eimal dort, denn wer lacht, der kann nicht real sein. Ich verstehe, dass Hardcore im Vergleich zu vielen anderen Subkulturen wirklich eine tiefgründige Basis hat und da Dinge einfach ernster genommen werden sollten, gerade in Bezug auf Realness und Zusammhalt. Jedoch kann man mit dem Stock, den manche im Arsch haben, die Strecke Berlin-Paris zweimal abmessen und hat dann immer noch Stock über. Sobald irgendwo Hardcore mit einem Augenzwinkern betrachtet wird, erscheint der selbst gekrönte Hardcore-Hochadel und ballert sofort mit den typischen Phrasen um sich: „Plastic People!“, „ Das hat mit Hardcore nichts zu tun!“, „Das ist so fake“ blabla. Solchen Leuten reicht es nicht, sich durch die Zugehörigkeit zu einer Subkultur von der Gesellschaft abzugrenzen, nein, sie müssen sich auch innerhalb dieser Szene noch einmal abgrenzen. Dieser Elitarismus sorgt dafür, dass man sich besonders cool und auserkoren fühlt, denn alle anderen schwimmen ja nur mit dem Strom und sind super Mainstream. Viele vergessen dabei, dass wir alle Musik hören, die 95 %,der Weltbevölkerung, einschließlich meiner Mutter,  Angst macht, das hat sehr wenig mit Mainstream zu tun.

 

Grumpy Cat

 

Die angesprochenen Punkte betreffen wirklich nur einen sehr kleinen Teil der Szene, jedoch bleibt ein vollgekackter Spielplatz ein vollgekackter Spielplatz und die schwarzen Schafe mähen eben am lautesten. Doch genug Phrasendrescherei, gibt es Dinge, die euch in dieser Szene unheimlich nerven? Lasst es mich in den Kommentare wissen!

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