Spotify

Ich Mache Keinen Großen Bogen Mehr Um Spotify Und Ich Hasse Es


Der Tag X ist gekommen. Ich habe mir ein Spotify-Account besorgt und das obwohl ich mit leicht erhobener Faust geschworen hatte, diesem Teufelszeug für ewig fern zu bleiben, doch der Malstrom der Moderne hat mich gepackt und nun bin ich scheinbar 1 voll up2dater Boy.

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Während ich diese Zeilen tippe, läuft über Spotify PAST OUR MEANS von Ignite, ein Album von dem ich bis vor Spotify nicht einmal wusste, dass es existiert. Diesen Vorteil kann ich dem Streaming-Dienst nicht absprechen. Doch der Grund mir einen Account zu erstellen, lag bestimmt nicht darin irgendwelche unbekannten HC-Alben zu hören, die erschienen als ich eingeschult wurde. Der Grund ist eigentlich recht einfach: Ich bin Mitte 20 verdammt und kann es steht einfach nicht zur Debatte, dass ich dieser schrullige alte Kauz werde, der im Supermarkt in seinem beigen Outfit vor den Tütensuppen mit sich selbst spricht, dabei auf die Jugend schimpft und immer ganz leicht furzt wenn er etwas aus dem oberen Regal greift. Obwohl ich mir keinen schöneren Lebensabend wünschen könnte,steht das erst in 10 Jahren zur Debatte, wenn ich dann Mitte 30 bin und diesem Lifestyle frönen kann, ohne Argwohn von Freunden und Verwandten zu ernten. Aktuell muss und will ich verstehen wie (der Verkauf von) Musik funktioniert und ohne Spotify geht das eben nicht.

Früher gab es eine Show namens „Super Toy Club“ und auch wenn der Name vollkommen das Gegenteil suggeriert: Die Show lief auf Super RTL und da sind drei Kinder mit einem Einkaufswagen durch ein Toys’R’us gerannt und konnte alle Spielzeuge in den Einkaufswagen schmeißen, die sie wollten. Wenn sie den gesamten Parkour (mitsamt Hindernissen) in einer bestimmten Zeit geknackt hatten, durften sie die Spielsachen behalten. Beim erstmaligen Öffnen der App habe ich mich exakt wie diese Kinder gefühlt.

Das Angebot ist einfach unheimlich erschlagend und ich weiß überhaupt nicht, was ich zuerst höre soll. Zu Beginn habe ich mir das neue Iron Maiden-Album angehört, eine Platte, die ich sonst niemals gehört hätte. An sich nicht weiter schlimm, ich finde das Album ziemlicj langweilig. Vielleicht ist es noch die anfänglich Aufregung, aber derzeit höre ich extrem viel in kurzer Zeit und springe extrem zwischen Alben hin und her. Ein wenig Copykill und Sodom hier, ein bisschen Bring Me The Horizon da und so weiter. Spotify ist das All you can eat Buffet auf Mallorca und ich trage Sandalen mit weißen Tennissocke , habe einen Nackensonnenbrand dritten Grades und habe heute Morgen 5 Uhr einen anderen Touristen beim Kampf um meine Liege am am Pool angespuckt. Ich bin im Paradies.

Doch das flaue Gefühl, was ich vor Spotify schon immer hatte, geht einfach nicht weg. Im Gegensatz zum Großteil der Nutzer habe ich mir einen Premium-Account zugelegt, denn schon beim zweiten Hören hat mich die Werbung penetrant genervt und für Musik zu bezahlen ist für mich halt immer noch normal. Die Vorteile für mich liegen klar auf der Hand. Will ich mal schnell einen Song hören, der sich nicht in meinem Besitz befindet, oder von einer Band stammt, die ich noch nicht kenne, dann bin ich früher zu YouTube gegangen, wo 80% meiner Anfragen von dieser #@!* GEMA abgeschmettert wurden. Nun kann ich schnell und unkompliziert (fast) jede Musik auschecken und die Künstler bekommen sogar einen (lächerlichen) Betrag dafür. Wirklich neue Musik habe ich durch die App bisher nicht entdeckt, die Empfehlungen und die Playlisten von Anderen sind allesamt ziemlicher Schrott, aber vielleicht ändert sich das ja in Zukunft.

Doch die Nachteile sind immer noch vorhanden. Bands bekommen im Prinzip fast nix dafür, dass ich ihre Songs streame, ich kann meine Musik nicht offline hören (jaja, ich kann Songs offline speichern, aber ich brauche unterwegs eine Musikauswahl von mindestens 20 GB,die lade ich bestimmt nicht einfach mal so am Stück runter, nur um dann ständig Veränderungen daran vorzunehmen, wenn ich das auch einfach so meine bestehende iTunes-Bibliothek nutzen kann) und dann merke ich ganz stark, wie Spotify mich immer mehr zu einem überfressenen Konsum-Zombie macht. Ich habe die komplette Welt der Musik vor mir, nur einen Klick entfernt und damit verliert das Ganze auch irgendwie seinen Reiz. Ich will nicht der mit erhobener Faust meckernde Rentner sein, aber irgendwie habe ich einfach ein verdammt ungutes Gefühl bei der Entwicklung, wie Musik vertrieben wird und seitdem ich Spotify habe und nun weiß, wie das Ganze funktioniert und sich anfühlt, hat sich dieses Gefühl nur noch verstärkt.

Mein Königsweg bleibt: Ich bezahle für Spotify und kaufe mir Platten, die mich wirklich beeindruckt haben auf Vinyl. Somit kann ich Musik anfassen und mit dem Downloadcode kann ich die Scheiben dann auch bequem offline hören.

 

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