Taylor Swift

Warum Taylor Swift ein Segen für alternative Musik ist


Hätte ich euch letzte Woche erzählt, dass Taylor Swift als Schutzpatron von Indie-Künstlern auf den Plan treten wird, dann hättet ihr sicherlich meinen geistigen Geundheitszustand bezweifelt und gesagt, dass ich mal weniger Monster Energy trinken soll. Doch genau das ist passiert.

DEIch bin kein großer Fan von Streamingdiensten, jedoch ist mir durchaus bewusst, dass hier die Zukunft des Musikbusiness liegen wird, ob mir das nun passt oder nicht. Nach den Anfängen des illegalen Herunterladens scheint es so als ob Musikindustrie und Hörer mit dem Streaming endlich einen für beide Seiten akzeptablem Kompromiss gefunden haben. Natürlich wollen die Streaminganbieter einen nicht irrelevanten Teil vom Kuchen und hier wird es problematisch.

Apple Music ist extrem vielversprechend: Es ist bald auf fast allen iOS-Geräten (iPhones/iPads) vorinstalliert, Apple hat genügend Geld auf der Kante um mehrere marode europäische Staaten zu kaufen und außerdem gibt es genügend Apple-Zombies, die auch bereit sind mehrere Tage vor einem Apple Store zu campen, nur um 700 Euro für ein Smartphone ausgeben zu dürfen. (Diese Leute erkennt man sehr gut daran, dass sie diesen Artikel mit „Ich habe noch nie so einen vorurteilsbehafteten Artikel gelesen, feuert euren Blogger“ kommentieren). Doch in Cupertino will man auf Nummer sicher gehen und so bietet man seinen Nutzern die ersten drei Monate von Apple Music vollkommen kostenfrei an. Bis zu diesem Punkt ist ja noch alles in Ordnung.

Kurz nach der WWDC 15 war klar, dass Apple nicht plant Künstler für abgespielte Songs zu entlohnen, falls diese in dieser besagten kostenlosen Probezeit abgespielt werden. Im Prinzip hat man sich im Apple HQ gedacht, dass man durch die drei Monate Testphase Nutzer anfixt und diese dann zu (zahlenden) Abonnenten werden. So ähnlich gehen auch Crystal-Dealer vor, die erstmal kostenlose Proben verteilen, um anschließend die so geschaffene Junkies abzuziehen. Denjenigen, die diese Kunden anlocken (Künstler mit ihrer Musik), will man dafür aber im Prinzip erstmal keinen Cent geben. Viele Indie-Künstler und Verbände haben mit Empörung reagiert. Leider hat das Ganze niemand wirklich interessiert, bis sich die Queen of Everything eingeschaltet hat: Taylor Fucking Swift.

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Taylor Swift wird in die Geschichte als die Frau eingehen, die ihren Liebeskummer noch besser kapitalisiert hat als Adele und gleichzeitig Apple in die Knie gezwungen hat. In einem offenen Brief hat sie Apple gesagt, dass sie sich ficken können. Natürlich viel kultivierter und höflicher als ich es gerade getan habe. Folgender Satz bringt den Kern der Sache gut auf den Punkt:

We don’t ask you for free iPhones. Please don’t ask us to provide you with our music for no compensation.

Dabei kann es Taylor Swift egal sein. Ihre Live Shows rund um den Globus sind ausverkauft und dabei fällt wohl mehr Geld ab als man in einem Leben ausgeben kann. Wem so etwas aber alles andere als egal sein wird, sind kleine Künstler, insbesondere aus der alternativen Szene. Angenommen eine Band wie Burning Down Alaska veröffentlicht nun ihr Album über Apple Music und bekommt für die Plays kaum Geld, weil ein Großteil der Hörer sich in dem kostenlosen Probemonat befinden. Nun werden die CD-Verkäufe noch kleiner ausfallen als so schon, weil man die Platte ja auch kostenlos streamen kann. Diese finanzielle Misere kann schnell das Ende vieler kleiner Bands bedeuten.

Ein mutiger Schritt seitens Taylor Swift, denn obwohl die Gute ein Schwergewicht im Pop-Geschäft ist, hätte der Verzicht auf Apples Streamingkunden eine spürbare Einbuße bedeutet. Durch ihren offenen Brief und der Androhung, dass 1989 (ihr aktuelles Album) nicht bei Apple Music verfügbar sein wird, hat sie den Multimilliarden Dollar Konzern bezwungen. Apple hat via Twitter angekündigt, dass nun auch während der kostenlose Probezeit Künstler für gespielte Songs entlohnt werden. Natürlich hat man nicht eingesehen, dass man von Anfang an einen Fehler begangen hat, sondern präsentiert sich nun als Messias der Indie-Musik.

Mir kommt dabei ein klein wenig die Kotze, aber ich bin ja eh nur ein Hater. Natürlich könnte man nun sagen, dass Künstler ja nicht gezwungen sind ihre Musik solchen Anbietern zu überlassen. Musikern, die ihre Werke nicht auf Apple Music zur Verfügung stellen wollten, hat man angedroht, dass man ihre Inhalte auch aus dem iTunes Store verbannen würde. Schöne Welt, in welcher ein Technikunternehmen mitbestimmen kann, welche Bands von ihrer Musik leben können und welche nicht.

Frau Swift wird derzeit vorgeworfen, dass sie dies alles als Marketing-Stunt durchgezogen hätte, um ihr aktuelles Album zu promoten. Wer weiß das schon, im Prinzip ist es auch egal. Apple hat hier von Anfang an ein sehr falsches Signal gesetzt (für Musik muss man nicht bezahlen) und es war längst überfällig, dass ein Künstler hier mal Grenzen setzt. Besonders kleine Nischen wie die Hardcore-Szene (mal abgesehen von kleinen DIY-Projekten) profitieren davon. Leider sehen das die Wenigsten, denn liest man sich Kommentare auf Twitter und unter diversen Posts durch, dann wird schnell klar, dass Musik heutzutage nicht mehr als Kunst gesehen wird, für die man wirklich Geld ausgibt. 10 Euro pro Monat scheinen das Maximum zu sein, was man zu zahlen bereit ist und jeder der das anders sieht, wird mit zynischen Kommentaren belächelt.

Thank you Taylor Swift, Love Impericon.

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