Death of Records

Warum Zur Hölle Hört Niemand Mehr Alben?


Du hast gerade Lust auf Pop Punk? Dann ab zur „Pop Punk Mania“-Sammlung. Oder doch eher Metalcore? Wie wär’s mit der „Morning Rage Metalcore“-Playlist? Auf Spotify gibt es für jede Lebenslage eine Playlist – und geht es um eine aktuelle Studie, werden solche Playlists in Zukunft Alben ersetzen: Universal Music hat einen Monat lang die Hör-Gewohnheiten der Spotify-Free-User untersucht und herausgefunden, dass in dem Zeitraum weniger als 10 Prozent (!) ein Album von vorne bis hinten angehört haben (hier könnt ihr die gesamte Studie lesen).

Auch wenn ich gleich klinge wie deine verbitterte Tante, die predigt, dass „früher alles besser“ war: Dass wir uns immer weniger auf einzelne Alben festlegen, ist eine logische Konsequenz unserer Gewohnheiten. Auf Facebook drücken wir bei Veranstaltungen nur den „Interessiert“-Button, anstatt virtuell zuzusagen, denn es könnte ja sein, dass noch eine bessere Veranstaltung um die Ecke kommt. Wir wollen keine feste Beziehung eingehen, weil auf Tinder um die Ecke ja schon das nächste Match warten könnte. Und deshalb reicht es uns nicht, ein Album von Anfang bis Ende durchzuhören, wir könnten ja was verpassen. Es gibt so viele andere Songs, Playlists und Künstler, die entdeckt werden müssen. Wir holen uns einen Terror-Song hier, hören dort ein bisschen in The Acacia Strain rein, um dann immer wieder denselben Song von Panic! At The Disco zu hören.

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Das ist natürlich vor allem für die Musiker schade, die sich viele Gedanken machen, wie sie ihre Botschaft am besten in eine Gesamtheit an Songs packen. Doch vor allem in den Genres, die ich gerne höre, wird das auch noch wertgeschätzt. Hier ist das Album nicht tot und wird auch nicht so schnell sterben. Sei es Pop Punk, Post Hardcore oder Alternative – Künstler legen viel Wert darauf, auf ihren Alben eine Geschichte zu erzählen und die entfaltet sich eben nur, wenn man jedes Kapitel nacheinander „liest“ – oder schlagt ihr ein Buch bei Kapitel 5 auf, lest ein paar Wörter, um dann nochmal mit Kapitel 1 anzufangen?

Für mich Paradebeispiele für Alben, die man einfach von vorne bis hinten hören MUSS: die gesamte Diskografie von Defeater. Schon auf mittlerweile vier Alben erzählt die Melodic Hardcore-Band die Geschichte einer Familie in der Nachkriegszeit.

Auch wenn es stimmen sollte und den Playlists wirklich die Zukunft gehört: Am Ende bleibe ich doch an ALBEN hängen, wie „Disobedient“ von Stick To Your Guns oder „Keep You“ von Pianos Become The Teeth, bei denen sich die Künstler viele Gedanken um den Gesamteindruck der Platte gemacht haben. Keine Playlist der Welt schafft es, im Gedächtnis zu bleiben wie diese Alben – nicht mal die von Impericon ;-)

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