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Was Hardcore Für Mich Bedeutet


Nachdem ich die erste Hardcore-Show meines Lebens verlassen hatte, war mein erster Gedanke: Möchte ich wirklich zu dieser Szene gehören? Der Frontmann rief ständig was von „Jump on each other’s heads!“, stiftete Fans dazu an, von der Bühne oder seitlichen Rängen ins Publikum zu springen, er sprach von irgendwelchen Codes und wurde nicht müde zu betonen, dass seine Band Hardcore sei und keine „fucking rock band“. Der Eine oder Andere wird schon entschlüsselt haben, von welcher Band ich spreche: den Hardcore-Veteranen von Terror.

Als „Keepers of the faith“ stehen Terror wie keine andere Band für Hardcore-Musik und dazu passt auch der Auftrag, den sie ihren Fans auf Facebook gibt: Für das Musikvideo zu ihrem Song „Deep Rooted“ sollen Kids aus der ganzen Welt ein Foto oder Video einschicken, das zeigt, was Hardcore für sie bedeutet.

Auch wenn ich immer noch mit Bauchweh an die oben beschriebene Show zurückdenke, habe ich mich mit Terror mittlerweile versöhnt. Als Frontmann Scott Vogel 2010, kurz nach der Veröffentlichung von „Keepers of the faith“ in einem Interview gefragt wurde, wofür dieser Ausdruck steht, sagte er:

Keeping faith in the hardcore scene as a community, a refuge. An escape from the ill of the outside world. Faith that the scene is more than dollar signs or mosh pits.

Und da sind Scott und ich definitiv einer Meinung. Denn wenn ich in einem Bild oder Video beschreiben müsste, was Hardcore für mich definiert, würde ich versuchen mit der Kamera GEMEINSCHAFT festzuhalten. Genau das macht Hardcore für mich aus, sich Menschen nah zu fühlen, die man eigentlich nicht kennt, nur weil man die selbe große Leidenschaft teilt. In der Straßenbahn sitzen und angegrinst werden, weil man dasselbe Bandshirt trägt, in der Schlange vor der Venue ein Mädchen kennenlernen, das bald zu einer deiner besten Freundinnen wird oder bei einer Show stürzen und sofort von allen Seiten Hilfen bekommen. Ein Moment, in dem ich dieses Zusammengehörigkeitsgefühl besonders stark gespürt habe, war die Abschieds-Show von BANE letzte Woche in Leipzig. Ob Mann oder Frau, 16 oder 60, Bandshirt oder Anzugschuhe – das Publikum hätte gemischter nicht sein können. Wenige Stunden zuvor fand in der Nähe der Venue ein großer rechter Aufmarsch statt und als Bands wie Wolf Down das auf der Bühne zum Thema machten und sich für Toleranz und Respekt aussprachen, fühlte man sich in den vier Wänden des Conne Islands als Teil einer großen Gegenbewegung, die ihre Meinung mit Musik statt Gewalt kundtut.

Wenn ich mit Freunden über „meine“ Musik oder eine Hardcore-Show spreche, fühlt es sich manchmal an als würde man den Alltag in einer Sekte beschreiben. Es ist schwierig für Außenstehende zu begreifen, was diese Szene für uns bedeutet – doch gerade deshalb liebe ich sie auch so.


Und was ist Hardcore für euch?

 

 

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