Interview mit Winston McCall über das Surfen: „Ich liebe die Verbindung zum Ozean“


Winston McCall ist nicht nur Frontmann der Metalcore-Instanz Parkway Drive, sondern auch ein passionierter Surfer und Bodyboarder.  Wir haben mit Winston über seine Leidenschaft zum Surfen, die Zerstörung der Ozeane und wie ihn seine Eltern zum Bodyboarding gebracht haben gesprochen.

Du scheinst ein großer Fan von Bodyboarding und Surfen zu sein. Was liebst du an diesen Sportarten?

Winston: Abseits vom offensichtlichen Adrenalinkick liebe ich die Verbindung zum Ozean. Man spürt die Kraft auf dem Wasser, richtet sein Leben nach dem Wetter und seinen Umschwüngen aus, studiert und geht eine Verbindung mit der Umwelt ein. Sowas lernt man mit der Zeit, wenn man versucht ein besserer Surfer zu werden, aber gleichzeitig erfährt man dadurch Erfüllung und Erleuchtung einer Art, bei der ich Schwierigkeiten habe, sie in anderen Aspekten unseres modernen Lebens zu finden.

Ist Bodyboarding/Surfen für dich lediglich ein Sport, oder steckt da eher ein Lifestyle für dich dahinter?

Winston: Es ist definitiv ein „Way of Life“ für mich. Auf Wellen zu reiten ist etwas, was dich niemals loslässt, sobald du einmal die Verbindung mit dem Ozean eingegangen bist. Du fängst dann an Wissen und Kentnisse der Physik von Wellen anzuhäufen. Genau dieses Wissen überträgt sich dann auf die eigene Wahrnehmung der Welt in einer Weise, die du nicht vergessen kannst.

Ich habe gehört, dass dein Vater einer der ersten Bodyboarder in Australien war. Hat er dir das Wellenreiten als Kind beigebracht?

Winston: Beide, mein Vater und meine Mutter, haben mir das Wellenreiten beigebracht. Ich wurde an den Stränden von South Cronulla, Sydney, groß gezogen und habe meine Eltern oft beim Surfen beobachten. Sie haben sich immer abgewechselt. Einer hat auf mich aufgepasst, während der Andere auf das Meer rausgezogen ist, um seine Welle zu kriegen. Ich habe als Kind nie TV geschaut da meine Eltern die Familie immer zum Strand genommen und uns einfach ins Wasser geworfen hat. Mein Vater hat mich auf meine erste Welle gebracht und seitdem habe ich nicht wieder aufgehört.

Wenn du dich entscheiden müsstest zwischen Bodyboarding oder Surfen, wie würdest du dich entscheiden?

Winston: Bodyboarding. Es ist das was ich tue. Ich mag es Wellen auf eine Art und Weise zu reiten, die so nur mit einem speziellen Board möglich ist. Jedoch sehe ich hierbei keins als das Bessere an. Es gibt so viele Wellen, Orte und Abläufe, wie sich der Ozean bewegt und bricht. Wenn man sich hierbei nur auf ein Board verlässt, dann beschränkt man sich nur selbst. Ich passe mich da an die Bedingungen an, so habe ich den größtmöglichen Spaß.

Winston McCall from Kane Overall on Vimeo.

Kannst du das Gefühl beschreiben, während du draußen im Ozean bist? Ist das vergleichbar mit dem Gefühl, wenn du auf der Bühne bist?

Winston: Das ist schon vergleichbar. Der Fokus, der Drive und auch das Adrenalin. Ich spüre da viele Ähnlichkeiten, jedoch sind beide Dinge auch so unterschiedlich, dass die eine Erfahrung die Andere nicht ersetzen kann. Auf dem Ozean konzentrierst du dich stark auf das Überleben, etwas was du auf der Bühne nicht hast, dabei ist dies jedoch das erfüllenste Gefühl vom Wellenreiten. Sich selbst herausfordern und Situatonen zu meistern, in denen es um Leben und Tod geht, ist etwas, was dich ausmachen kann. Jedoch ist das auch nicht vergleichbar mit den Emotionen, die man auf der Bühne hat. Im Ozean ist es wichtig eine individuelle Erfahrung zu machen, auf der Bühne ist es jedoch wichtig, dass man spürt Teil von etwas Größerem zu sein.

Als Sänger von Parkway Drive spielst du Shows in allen Teilen der Erde. Vermisst du das Surfen wenn du dich auf Tour befindest?

Winston: Ja, immer. Wie ich bereits gesagt habe prägt das Wellenreiten dich als Person und auch deine Perspektive. Alles um dich herum ist irgendwie mit dem Surfen verbunden. Die Art und Weise wie sich das Wetter ändert sagt mir, wie sich die Wellen verhalten werden. Selbst wenn ich auf der anderen Seite der Erde bin und das Wetter spüre, so weiß ich, welche Auswirkungen es Zuhause hätte.

Wo ist dein Lieblingsspot zum Surfen?

Winston: Das kann ich dir nicht sagen (lacht). Ich habe einige, aber ich lasse die Leute solche Dinge lieber selbst herausfinden.

Ist die Surfkultur in Australien anders als zum Beispiel in den USA oder Süd-Afrika?

Winston: Ja. Jedes Land hat seine eigene Surfkultur. Zwar gibt es immer Gemeinsamkeiten, die verschiedenen Umstände machen aber den Unterschied aus.

Auf ATLAS kritisieren du und Parkway Drive das rücksichtslose Verhalten der Menschheit und die voranschreitende Zerstörung der Umwelt. Hat der Surfer Winston auch eine Chance seine Stimme wirksam gegen diese Zerstörung zu erheben?

Winston: Ja und Nein. Surfen gibt dir die Möglichkeit die Probleme aus erster Hand zu erleben. Wenn du jeden Tag im Meer bist und du keine 10 Schritte gehen kannst, ohne dabei auf irgendwelchen Müll zu stoßen, der an Land gespült wurde, dann läuft irgendwas falsch. Du spürst auch Veränderungen in der Temperatur, Veränderungen im Ökosystem und so weiter. Ich bezweifle, dass es viele Wellenreiter gibt, die dir nicht sagen würden, dass irgendetwas falsch läuft. Wir leben auf einem blauen Planeten. Hier gibt es mehr Wasser als Land und trotzdem wissen wir so wenig über unsere Ozeane, gleichzeitig behandeln wir ihn aber wie eine Müllhalde. Gesunder Menschenverstand würde dir eigentlich sagen, dass die Verschmutzung eines so großen Teils unseres Ökosystems auch Konsequenzen in sehr großen Maßstab mit sich bringt. Verstehen, bevor man zerstört.

Winston McCall

Winston McCall. Pic by Kane Overall

Winston McCall. Pic by Kane Overall

Winston McCall. Pic by Kane Overall

 

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