Rock am Ring neue Bandwelle

Zwei lange Jahre ohne Rock am Ring: Ein Kommentar


Es ist zwei Jahre her, dass ich von meinem letzten Rock Am Ring zurückgekommen bin. Müde, erschöpft, aber glücklich freute ich mich auf mein richtiges Bett, warmes Essen und Ruhe, die ich das ganze Wochenende nicht hatte. Insgeheim freute ich mich allerdings schon auf das kommende Jahr, denn so viel Spaß hatte ich lange nicht mehr. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass Rock Am Ring 2020 nicht stattfinden kann, hätte ich es dieser Person nicht geglaubt. Nun ist 2021. Spätestens heute wäre ich an den Nürburgring gefahren – doch auch in diesem Jahr ist Rock Am Ring (wie viele weitere Festivals) abgesagt.

Die schönsten Rock Am Ring Erinnerungen

Die schönste Erinnerung, die ich an Rock Am Ring habe, ist das Gefühl mein erstes Rock Am Ring Ticket in der Hand zu halten. Ich bin mit 22 erst relativ spät zum ersten Mal auf das Festival gefahren. Das Ticket habe ich mir nach langen Überlegungen bei Ebay gekauft und hatte bis ich auf dem Gelände war ein mulmiges Gefühl, dass es möglicherweise gefälscht sein könnte. Trotzdem war ich voller Vorfreude und enorm stolz mir das Ticket gekauft zu haben und endlich die Erfahrung zu machen, wie es ist bei Rock Am Ring zu sein – es war großartig! Das erste Bier auf dem Zeltplatz: unbezahlbar. Aber auch das Gefühl ganz früh vor der Centerstage zu stehen, das nahezu leere Festivalgelände zu sehen und dem Soundcheck zu lauschen oder etwa als Journalist auf der von Festivalbesucher:innen verspotteten Tribüne zu stehen waren Schlüsselmomente, die ich für den Rest meines Lebens behalten werde.

Wird alles wieder so wie früher?

Ein Festival mit über 80.000 Menschen scheint aktuell ungreifbar. Ob es noch einmal genauso wird, wie bisher, ist schwer vorstellbar. Infektionsschutzstrategien werden Teil der Sicherheitsordnung, wie der Brandschutz es auch ist. Viele stellt dies sicherlich vor große Herausforderungen, denn die Sicherheit aller Zuschauer:innen und Besucher:innen ist stets zu gewährleisten. Ob die Pandemie nach dem Impferfolg vorbei ist? Möglicherweise. Doch das Virus bleibt und Ungeimpfte werden zu potenziellen Wirten, die eine Infektionskette auslösen könnten. Es ist also denkbar, dass wir uns zukünftig an ein Restrisiko gewöhnen müssen. Ein Risiko das zumindest auf den ersten wieder stattfindenden Festivals mittels Tests, Impfnachweisen oder ähnlichem ermittelt werden wird.

Was passiert mit Bands, die plötzlich relevant sind? Was ist mit Bands, die ihre Relevanz verlieren?

Die Fesstivallineups sollten ursprünglich erhalten bleiben. Das dies nicht immer geht, zeigt der Fakt, dass System Of A Down offensichtlich nicht mehr als Headliner auf den beiden Festivals spielen werden. Dabei ist die Relevanz der Band durch die Veröffentlichung zweier Singles Ende 2020 erneut gestiegen. Doch nicht nur große Bands planen um. Was ist mit kleineren Bands, die plötzlich relevant werden? Was ist mit Bands, die dann doch nicht mehr relevant sind? Möglicherweise weil sie das Feuer eines neuen Albums nicht lange genug aufrecht halten konnten? Es existieren viele Fragen, die darauf hindeuten, dass die Verschiebung ein gewisses Loch in die Musikszene gerissen haben könnte. Wirklich sichtbar wird dieses Loch jedoch erst auf lange Sicht. Das Lineup für 2022 ist bisher jedoch vielversprechend.

Rock Am Ring

Und die Fans?

Die Fans warten eifrig und voller Vorfreude darauf, dass Festivals wieder stattfinden können. Der Frust wird vergessen sein, wenn das Festivalbändchen am Handgelenk anliegt und man den Festivalground betritt. Auch wenn das Bier 6€ kosten wird, wird es den Genuss nicht schmälern bei regnerischem Wetter, 16°C an der Alterna Stage zu stehen, sich seine Lieblingsbands anzuschauen, abzufeiern und den Spaß seines Lebens zu haben. Bis dahin ist es noch ein knappes Jahr zu gehen. Ein Jahr in dem wir voller Vorfreude, Hoffnung und Lust auf dieses Festival sein werden. Zumindest das Lineup liefert schon absolute Hochkaräter, die mit Spannung erwarten lassen, wie das finale Lineup aussehen wird und von welchen abgefeierten Bands wir in einem Jahr unseren Freund:innen und Verwandten berichten.

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